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Warum Landwirte vor der Kalten Sophie zittern

Ihre Namen finden sich allesamt im ökumenischen Heiligenkalender: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie. Sie stehen für die Tage vom 11. bis 15. Mai, für die „Eisheiligen“. In diesen Tagen kann es noch einmal richtig kalt werden. In der katholischen Kirche Norddeutschlands gilt Mamertus als erster Eisheiliger, in der katholischen Kirche Süddeutschlands Pankratius.
Ki generiert mit Adobe Firefly Hoß)Staatsanzeiger: Liebe Frau Kalte Sophie, wie geht es Ihnen als einzige Frau unter den Eisheiligen?
Kalte Sophie: Vielen Dank für die Nachfrage. Ich fühle mich ziemlich wohl in meiner Rolle und Einzelstellung als Frau. Wissen Sie, wenn es nur einen Mann und vier Frauen als Eisheilige geben würde, dann spräche man(n) sehr schnell vom „Hahn im Korb“ oder „Gockel auf dem Hühnerhof“. Bei mir ist es so, dass ich die Namenspatronin von Sophia und den Abwandlungen Sofia, Sophie und Sofi bin. Diese Vornamen zählen gerade bei Euch in Deutschland in den letzten Jahren zu den begehrtesten Vornamen, allein das macht mich schon stolz.
Was unterscheidet Sie von den anderen Eisheiligen?
Ich bin ja die letzte der Eisheiligen, das heißt mit mir kann es Mitte Mai nochmals richtig klirrend kalt werden und ordentlich Nachtfrost geben, das ist schon was Besonderes. Gleichzeitig stelle ich den Übergang zu dauerhaft sommerlichem Wetter dar, auch wenn im Juni noch die Schafskälte kommen kann. Aber jeder Bauer hat Respekt vor mir, manche haben sogar Angst, dass ich ihnen die Ernte vermiese. Deshalb werde ich ja auch gegen Spätfröste und für das Gedeihen der Feldfrüchte angerufen. Meine männlichen Kollegen Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius sorgen doch nur fürs abkühlende Vorspiel, ich erst entscheide dann, wie kalt es wirklich werden wird.
Man weiß von Ihnen historisch betrachtet sehr wenig, wieso sind Sie überhaupt eine Eisheilige geworden?
Wir Frauen müssen nicht alles von uns preisgeben und so prahlen wie die Männer! Ich jedenfalls habe in Rom gelebt und mich schon als junge Frau und überzeugte Christin für mehr Respekt gegenüber Frauen zu meiner Zeit eingesetzt. Das war dem damaligen Kaiser Diokletian nicht recht, weshalb er mich um das Jahr 304 nach Christus hinrichten ließ.
Und wie sieht es bei Ihren Kollegen mit der Geschichte aus?
Nun ja, von denen ist auch nicht so viel bekannt. Mamertus (11. Mai) war wohl um 461 Erzbischof in Frankreich. Er soll nach zahlreichen Feuern und Erdbeben und großen Zerstörungen in seiner Heimatstadt Bittgänge vor dem Fest Christi Himmelfahrt eingeführt haben. Pankratius (12. Mai) wurde um 289 in Phrygi en in der heutigen Türkei geboren. Er gilt als Märtyrer, weil er sich nicht von seinem christlichen Glauben abbringen ließ, deshalb wurde er enthauptet. Servatius (13. Mai) stammt vermutlich aus dem heutigen Armenien und wurde um 340 Bischof der belgischen Stadt Tongern in der Nähe von Lüttich. Legenden erzählen, er sei mit einem Holzschuh erschlagen worden. Und Bonifatius (14. Mai) soll im dritten Jahrhundert in Rom geboren worden sein. Er starb durch siedendes Pech.
In den vergangenen Jahren trafen die Eisheiligen nicht mehr so oft ein wie früher. Wie wappnen Sie sich gegen den Klimawandel?
Ach hören Sie mir doch auf mit diesem Geschwätz vom Klimawandel! Jeder braucht mal eine Auszeit, aber eins kann ich Ihnen versprechen: Spätestens dann, wenn man uns vergessen hat, kehren wir mit Macht zurück, das ist manchmal wie in der Politik: Totgeglaubte leben länger und Eisheilige ja sowieso.
Und wie sieht es dieses Jahr eigentlich aus zwischen dem 11. und 15. Mai, momentan haben wir ja eher frühsommerliche Temperaturen …
… jetzt warten Sie’s doch einfach mal ab. Wir sind anders als Ihre verschwurbelten Meteorologen, die mal so, dann wieder so das Wetter vorhersagen. Wir reagieren nach Gefühl und greifen ziemlich spontan ein, wenn es sein muss. Deshalb warne ich hiermit nochmals alle Landwirte und Blumenliebhaber: Haltet Euch lieber an die Regel: „Pflanze nie vor der Kalten Sophie“, sonst droht Ungemach!