Staatsanzeiger Award

Bodensee Philharmonie macht die Stadt zum Klangraum

Ein Konstanzer Orchester sucht sich für das Projekt „Zukunftsmusik“ ungewöhnlich Spielorte und entwickelt so eine sehr demokratische Zugang zur klassichen Musik – preiswürdig, meinte die Jury des Staatsanzeigers 
Zwei Personen jubeln, halten eine Urkunde und eine Flasche vor gelbem Hintergrund.

Orchestermanager Peter Hartmann und Luise Schauer vom Projektmanagement Zukunftsmusik mit dem Award.

DANIELFOLTIN.COM)

Stuttgart. Wenn ein Sinfonieorchester den Konzertsaal verlässt, verändert sich mehr als nur der Ort. Die Bodensee Philharmonie hat diesen Schritt gewagt und so ein neues Verständnis von kultureller Teilhabe etabliert. Mit ihrem Projekt „Zukunftsmusik“ gewinnt sie den ersten Platz beim Staatsanzeiger Award in der Kategorie „Kultur & Tourismus“.

Spielorte sind kein Nebenschauplatz

Ein Streichquartett auf der Weide, Bläser im Freibad, Orchesterklänge zwischen Wohnhäusern: Die Wahl der Spielorte ist kein Nebenschauplatz, sondern konzeptioneller Kern des Projekts. Denn Musik verändert sich, wenn sich ihr Kontext verändert, und mit ihr die Wahrnehmung des Publikums. Statt roter Plüschsitze und Abendgarderobe gibt es Wiesen, Schulhöfe und ein Riesenrad. „Zukunftsmusik“ verlegt klassische Musik in den öffentlichen Raum, wo Menschen ohnehin sind. Das Orchester versteht Musik nicht als fertiges Produkt, sondern als Beziehungsgeschehen. Außerhalb des festen Konzertablaufs entsteht Begegnung.

Weitere Beiträge über die Award-Preisträger finden Sie hier

Gerade Menschen, die sonst kaum Berührung mit klassischer Musik haben, bleiben stehen, hören zu, kommen ins Gespräch. Die Distanz zwischen Bühne und Publikum schrumpft. Das Konzert wird zum gemeinsamen Moment. Dabei geht die Idee über den Ortswechsel hinaus. „Zukunftsmusik“ umfasst unterschiedliche Formate: kleine Interventionen im Alltag, Mitmachaktionen, offene Proben oder thematisch gebündelte Exzellenzwochen zu Themen wie Demokratie oder Nachhaltigkeit. Musiker:innen erklären, beantworten Fragen, reagieren auf spontane Situationen. Das Orchester begegnet seinem Publikum auf Augenhöhe – ohne künstlerische Abstriche.

Künstlerische Exzellenz und gesellschaftliche Öffnung

Die Jury hebt besonders hervor, dass die Bodensee Philharmonie künstlerische Exzellenz und gesellschaftliche Öffnung konsequent zusammendenkt. „Zukunftsmusik“ zeige beispielhaft, wie eine Kulturinstitution ihre Rolle neu definieren könne: nicht als Anbieterin fertiger Programme, sondern als Akteurin im öffentlichen Raum. Gerade in einer Tourismusregion wie dem Bodensee mit internationalem Publikum, vielfältiger Stadtgesellschaft und hohem Freizeitwert entfaltet dieser Ansatz besondere Strahlkraft. Klassische Musik wird sichtbar, hörbar und erfahrbar als selbstverständlicher Teil des urbanen Lebens. Mit „Zukunftsmusik“ beweist die Bodensee Philharmonie, dass kulturelle Institutionen ihre Reichweite erweitern können, wenn sie sich bewegen.

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