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Staatsanzeiger-Reihe: Die Millennials sind auch nicht mehr die Jüngsten

Was ist aus der Generation Z geworden? Sind sie braver? Oder nur älter? Beobachtungen bei den Herrenberger Gesprächen bei dem es auch um diejenigen geht, die noch jünger sind und exzessiv TikTok konsumieren, was den Millennials Sorgen bereitet.
Eine Person spricht in ein Mikrofon vor Publikum, Holzverkleidung im Hintergrund.

Das Publikum darf auch mal loben, etwa wenn Jugendvertreter der Grünen und der CDU auf dem Podium sehr zivil streiten. Fotos: Zweygarth

Achim Zweygarth)

Herrenberg. Es heißt ja immer, dass man so jung ist, wie man sich fühlt. Und doch beschleicht einen bei diesen, den sechsten „Herrenberger Gesprächen“ des Staatsanzeigers (siehe unten) unwillkürlich das Gefühl, dass man seine Jugend vielleicht schon hinter sich hat. Insbesondere bei der Frage, welcher Generation man angehöre. Das will Kilian Hampel wissen, Sozialforscher aus Konstanz und mit seinen 30 Jahren der Älteste auf der Bühne, wenn man einmal die beiden Moderatoren ausklammert, von denen der eine, Staatsanzeiger-Chefredakteur Rafael Binkowski, gerade 50 geworden ist und der andere, Carsten Beneke von der Diakonie in Herrenberg, gerade noch nicht.

Es sind die, die mal die Renten der Boomer bezahlen sollen

Erst dürfen die Boomer die Hand heben – der Autor ist nicht allein –, dann folgen mehrere Buchstaben aus dem lateinischen und griechischen Alphabet. Bei Beta ist dann Schluss – so jung ist hier keiner, fängt die Generation Beta doch erst 2025 an. Die Generation Z, um die es an diesem Abend geht, ist freilich auch nicht stark vertreten.

Und das ist symptomatisch, nicht nur für die „Herrenberger Gespräche“ im Katholischen Gemeindezentrum Sankt Martin, die seit jeher ein gesetztes Publikum anzieht – wer geht sonst heute noch in die Kirche? Denn die Generation der um den Jahrtausendwechsel Geborenen ist so klein, dass man mit ihr keine Wahlen gewinnen kann. Gleichzeitig sollen sie die Renten zahlen.

„Junge Menschen wollen arbeiten“

„Wie ticken junge Menschen 2026?“, ist Hampels Studie überschrieben und Moderator Binkowski („Ich provoziere gerne mal“) will wissen, was dran ist an dem Gerücht, dass die Generation Z auf Work-Life-Balance erpicht ist. „Junge Menschen wollen arbeiten“, widerspricht Hampel. Und Florian Hummel, Landesvorsitzender der Jungen Union (JU), ergänzt, sie wollten Wohneigentum erwerben, dies sei aber heutzutage kaum mehr möglich.

Ohnehin scheint diese Generation Z eher materialistisch zu ticken. Oder liegt das eher daran, dass man eine gewisse Menge davon braucht, um sich anderen Dingen zuwenden zu können. Dass also Bert Brecht Recht hatte, wenn er in der Dreigroschenoper dichtete: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Denn das kam auch bei der Jugendstudie heraus: dass sich die Jugend sehr wohl auch für Ideale begeistern kann.

Überhaupt die Jugend: Was ist das eigentlich? Wenn man dem JU-Landeschef lauscht, aber auch Jaron Immer, seinem Pendant von der Grünen Jugend, und Anna Mader, die dem Vorstand des Evangelischen Jugendwerks angehört, sind es die noch Jüngeren. Diejenigen, die den ganzen Tag auf TikTok verbringen und dabei – so hätte man das jedenfalls früher gesagt – eine Matschbirne bekommen.

Dass dies bleibende Schäden verursachen kann, davon ist JU-Chef Hummel überzeugt. Deshalb will er, zumindest als „Ultima Ratio“, TikTok verbieten. In die Richtung denkt auch der Grüne Immer. Er verweist auf den Digital Service Act der EU und fragt sich, warum dieser nicht angewendet wird. Mader wiederum setzt aufs Gespräch: Nur so ließen sich junge Menschen abholen.

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