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Wahl am Sonntag 

OB-Wahl in Mössingen: Eine Gemeinderätin fordert den Rathauschef heraus

In Mössingen bewirbt sich Amtsinhaber Michael Bulander um eine dritte Amtszeit und hat noch viel vor. Seine Herausforderin Claudia Jochen setzt vor allem auf mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz. 
Zwei Personen stehen lächelnd vor Publikum in einem Saal.

Oberbürgermeister Michael Bulander und Claudia Jochen bei der Kandidatenvorstellung.

BENJAMIN BREITMAIER)

Mössingen. Seit 2010 ist Michael Bulander Rathauschef in der Großen Kreisstadt im Landkreis Tübingen mit rund 22.000 Einwohnern. Vor acht Jahren hatte er keinen Herausforderer, jetzt hat er Konkurrenz: Die 49-jährige Claudia Jochen (beide parteilos) fordert ihn im Rennen um das Amt heraus.  

„Ich habe in zwei Amtszeiten mit den Bürgerinnen und Bürgern, mit dem Gemeinderat und mit der Stadtverwaltung erfolgreich zusammengearbeitet. Die Arbeit macht mir Spaß“, sagt der 54-Jährige. Deshalb möchte er seine Arbeit gerne fortsetzen.

Wohnraum soll auf Gelände einer ehemaligen Textilfabrik entstehen

In den vergangenen 16 Jahren seien zahlreiche Projekte umgesetzt worden: So wurde die Innenstadt neu entwickelt, Schulen und Kitas wurden neu gebaut oder saniert. Die Steinlach, die durch Mössingen fließt, wurde umgestaltet und besser zugänglich gemacht. „Beim Busverkehr haben wir gemeinsam mit dem Landkreis einiges erreicht“, betont Bulander.

Für die kommenden acht Jahre nennt der Rathauschef verschiedene Projekte. Für ein größeres Quartier liegen bereits Planungen vor: Dort sollen 450 Wohnungen für bis zu 1000 Menschen entstehen. Wohnraum soll auch auf dem Pausa-Gelände, einer ehemaligen Textilfabrik, geschaffen werden. Außerdem soll der zentrale Umstiegsbahnhof der neuen Stadtbahn der Region Neckar-Alb in Mössingen gebaut werden. Zudem will Bulander die Energiewende weiter voranbringen.

Zentrales Thema ist die Bürgerbeteiligung

Zentrales Thema seiner Herausforderin ist die Bürgerbeteiligung. Die 49-Jährige ist freischaffende Lehrerin für Deutsch und Finnisch und arbeitet als freie Journalistin. Im Leitbildprozess STEP 2030 hätten sich viele Menschen beteiligt, die Ideen seien jedoch nicht so umgesetzt worden, wie es sich die Bürger gewünscht hätten, betont Jochen.

Als Doppelstaatlerin mit finnischem und deutschem Pass nennt sie Finnland als Beispiel: Dort werden 20 bis 40 Personen aus der Stadtgemeinschaft zufällig ausgelost und arbeiten an mehreren Tagen gemeinsam an einer Fragestellung, die die Stadt betrifft. Anschließend geben die Bürger dem Gemeinderat eine Empfehlung. „Das finde ich einen wunderbaren Ansatz, den man auch in Mössingen etablieren könnte.“

Jochen ist ein fairer Wahlkampf wichtig

Für mehr Bürgernähe würde sie ein Rats-TV einführen. „Unsere Bürger möchten gerne öfter und einfacher über den Gemeinderat informiert werden“, sagt Jochen, die seit 2019 für die LiSt-Fraktion im Mössinger Gemeinderat sitzt.

Als weiteres Thema nennt sie die Innenentwicklung vor der Außenentwicklung. Über die Grundsteuer C möchte sie Eigentümer dazu bewegen, baureife Grundstücke auch tatsächlich zu bebauen. Auch das Thema sichere Schulwege, insbesondere für Grundschüler, liegt der zweifachen Mutter am Herzen.

Angesprochen auf ihre Wahlchancen betont sie, sie habe keine PR-Abteilung, die ihre Social-Media-Kanäle betreue. Mit ihrer Kandidatur wolle sie den Wählerinnen und Wählern jedoch eine Alternative bieten: „Wer sich politisch als selbstwirksam erlebt, engagiert sich eher für demokratische Institutionen“, ist sie überzeugt.

Wichtig ist ihr außerdem ein fairer Wahlkampf. Sie komme mit ihrem Konkurrenten gut zurecht, er habe ihr sogar ein Eis spendiert, sagt sie.

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