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Sanierung der Württembergischen Staatstheater

Stuttgarter Interimsoper darf nicht mehr als 289 Millionen Euro kosten

Der Interimsbau, in den die Staatsoper Stuttgart während ihrer Sanierung ziehen soll, bekommt einen Kostendeckel und wird kleiner als geplant. Die Spitzen der Landeshauptstadt und der Landesregierung loben das, doch noch sind nicht alle Beteiligten sortiert.
Volles Theaterpublikum, mehrere Ränge, große Deckenlichter.

Die Pracht im alten Opernhaus in Stuttgart wird der Interimsbau, in dem die Vorstellungen während der Sanierungen stattfinden, sicher nicht entfalten.

Martin Sigmund)

Stuttgart. Über Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro und Bauzeiten von bis zu 20 Jahren berichteten Medien – die Sanierung der Staatsoper am Stuttgarter Eckensee gilt schon lange als ein Projekt der Mega-Herausforderungen. Um den Spielbetrieb während der Sanierung weiterführen zu können, soll am Rande des Stuttgart-21-Geländes eine Interimsoper entstehen. An dieser Idee halten die beiden Opernbetreiber trotz enormer Kosten fest. Das Land sowie die Stadt Stuttgart teilen sich die Ausgaben. Nun sollen die Pläne abgespeckt werden, wie nach der Sitzung des Verwaltungsrats bekannt wurde.

Demnach soll die Fläche des Interimsbaus um 40 Prozent kleiner werden. Technischer Standard, Foyer und Lagerfläche sollen schrumpfen. Nur noch gut 1040 Besucher würden Platz finden, 1200 waren zuerst geplant. Ins sanierungsbedürftige Opernhaus passen 1404 Menschen.

Damit wollen die Beteiligten die galoppierenden Kosten stoppen und auf 289 Millionen Euro deckeln. Erst waren für den Interimsbau 220 Millionen Euro angesetzt. Zwischenzeitlich explodierten die Baupreise auf 450 Millionen Euro; die aktuelle Sparversion ist damit knapp ein Drittel teurer als die erste Planung.

Zeitplan bleibt: Theater zieht bis 2033 ins Interim

Teile der Oper auf Zeit sollen nach der Musiktheater-Nutzung als Büros oder Geschäftsräume im Rosenstein-Quartier bleiben. Dass so dauerhaft Wohnraum entsteht, ist nicht mehr haltbar. Eingehalten werden soll aber der Zeitplan. Demnach beginnt der Spielbetrieb 2033 auf einer Bühne, die für alle Repertoirestücke taugt. Dazu gehören die aufwendigen Ballette von John Cranko, für die Ballettfreunde aus aller Welt nach Stuttgart reisen. Nach dem Theaterumzug in das gut drei Kilometer entfernte Interim kann die Sanierung und Erweiterung des nach seinem Architekten benannten Littmann-Baus beginnen. Dort sollen etwa die Bühnentechnik erneuert und der Bühnenraum erweitert werden.

Sparzwänge der Landeshauptstadt erforderten den Kostendeckel. Zwischenzeitlich war laut OB Frank Nopper (CDU) im Rathaus unklar, ob man überhaupt die Sanierung der Württembergischen Staatstheater (WST) weiterverfolgen solle. Der Verwaltungsratsvorsitzende bejaht die Frage, stellt aber ein rigides Preisregime in Aussicht. Weil die Eingriffe in das 114 Jahre alte Opernhaus so tiefgreifend werden, sei ein Weiterbetrieb nur in einer Interimsspielstätte denkbar.

Ministerpräsident ist voll dabei

Das unterstützt Landeskunstministerin Petra Olschowski (Grüne): „Ohne Interim ist das Staatstheater mit Oper und Ballett von Weltrang in seiner Existenz bedroht“, sagt die Vize-Verwaltungsratschefin. Dem stimmt Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne), zu: Angesichts der Schwierigkeiten in der Wirtschaft dürfe das Land nicht auch in der Kultur die Spitzenstellung verlieren.

Vom Koalitionspartner kommt dagegen noch kein Go, ihm fehlen Unterlagen. Die CDU stehe zur Kultur, ignoriere aber nicht die Kosten, meint Landtagsabgeordneter Andreas Sturm, der ebenfalls im Verwaltungsrat sitzt. Ein mündlicher Vortrag im Ausschuss reiche dazu nicht aus. Fehlende Unterlagen kritisieren auch die zuständigen Stuttgarter Stadträte. Freie-Wähler-Sprecherin Rose von Stein sieht in ihrer Fraktion viel Diskussionsbedarf, sie persönlich möchte einen konstruktiven Kurs fahren. Bei SPD und Volt kommt die Kostendeckelung laut SPD-Stadtrat Dejan Perc gut an. Die Fraktion möchte aus der Betriebsfinanzierung aussteigen. Die Stadt könne immer weniger bezahlen, was durch die Fifty-Fifty-Teilung auch beim Vertragspartner Land zu niedrigeren Beiträgen führe.

Stuttgarter CDU will runter von den Personalkosten

So einen Ausstieg hält CDU-Fraktionschef Alexander Kotz für unwahrscheinlich. Um Kosten zu sparen, müsse das Theater aber runter von den 1400 Mitarbeitern. Das müsse sich im Raumprogramm der sanierten Oper wiederfinden. Davon, von Maßnahmen zur schnellen Umsetzung und den Unterlagen, will er seine Zustimmung abhängig machen.

Die Grünen stehen zur Sanierung, Stadtrat Marcel Roth spricht von einer Investition ins kulturelle Erbe der Stadt. Ein billigeres Interim kommt auch bei seiner Fraktion gut an, die aber noch nicht entschieden hat. Viel hängt auch hier von der Vorlage ab. Eine Mehrheit bei der Stadt fürs Interim ist also nicht naturgegeben; ob sie zustande kommt zeigt sich bei der Ratssitzung am 30. Juli.

Sanierung in drei Akten

In drei Teilprojekte ist die Sanierung der Württembergischen Staatsoper aufgeteilt. Der Neubau eines Werkstattgebäudes an das Kulissenlager in einer alten Zuckerfabrik in Bad Cannstatt soll demnächst beginnen. Er soll 127 Millionen Euro kosten. Bis 2033 soll der Interimsbau stehen, Kostenpunkt: 289 Millionen Euro. Was die eigentliche Opernsanierung kostet, ist noch nicht abschätzbar. Der europaweite Architektenwettbewerb dazu wird Ende 2026 entschieden.

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