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VHS-Verband

Volkshochschulen fordern Rückhalt von Kommunen und Land

Unter dem Motto „Mehrwert vor Ort: VHS“ betont der Volkshochschulverband die wachsende Bedeutung der Einrichtungen für Bildung, Integration und demokratische Teilhabe in den Kommunen. Zugleich warnt er vor steigenden Kosten und gekürzten Zuschüssen, die Angebote, Personal und bezahlbare Kursgebühren gefährden könnten.
Vier Personen stehen vor einem vhs-Banner im Raum.

Tobias Diemer (l,Direktor des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg), Fritz Kuhn (Ex OB von Stuttgart und Vorsitzender des VHS-Verbandes Baden-Württemberg), Ingrid Hofmann (Direktorin der Gmünder VHS) und Christian Baron (Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gmünder VHS) beim Pressegespräch anlässlich der jahrestagung des Varbands in Schwäbisch Gmünd.

Patrick Wittmann)

Schwäbisch Gmünd. Wenn vor Ort „der Kittel brennt“ und schnell Unterstützung gebraucht werde, sei die Volkshochschule (VHS) da, sagt Fritz Kuhn. Für den ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeister und Vorsitzenden des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg bringt das die Rolle der Einrichtungen in Städten und Gemeinden auf den Punkt.

Beim Pressegespräch anlässlich der Jahrestagung des Verbands in Schwäbisch Gmünd wirbt Kuhn deshalb für mehr Rückhalt von Kommunen und Land. Unter dem Motto „Mehrwert vor Ort: VHS“ stellt der Verband die wachsende kommunale Bedeutung der Volkshochschulen in den Mittelpunkt.

Mehrwert vor Ort

„Die Volkshochschulen leisten für die Kommunen, in denen sie verankert sind, einen dauerhaften Beitrag“, sagte Kuhn. Mit 158 Einrichtungen und 605 Außenstellen bilde die VHS ein Netz der Weiterbildung im ganzen Land. Dieses Netz sei wichtig für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den Gemeinden.

Der Verband sieht die Volkshochschulen zunehmend als Teil der kommunalen Bildungsinfrastruktur. Sie sollen Integration und demokratische Teilhabe stärken, den beruflichen Wandel begleiten und unter dem Stichwort „Future Skills“ Kompetenzen für Digitalisierung und KI vermitteln. Weiterbildung sei entscheidend, um die Transformation zu bewältigen, sagte Kuhn – besonders in Baden-Württemberg, dessen Wirtschaft vor tiefgreifenden Veränderungen stehe.

Nachfrage stabil – Finanzierung unter Druck

Die Nachfrage nach den Angeboten der Volkshochschulen bleibt nach Angaben des Verbands stabil. Verbandsdirektor Tobias Diemer verwies auf mehr als 1,8 Millionen Teilnehmende im Jahr 2025 – damit lag die Zahl auf Vorjahresniveau. Zuwächse bei den Teilnehmenden gab es vor allem in den Bereichen Politik, Gesellschaft und Umwelt mit insgesamt 19.100 zusätzlichen Teilnehmenden sowie Gesundheit mit einem Plus von 16.300. In der beruflichen Weiterbildung stieg zudem die Zahl der Unterrichtseinheiten um 17.100.

Die Altersstruktur der Kursteilnehmenden ähnelt nach Verbandsangaben insgesamt der Bevölkerungsstruktur; Kinder und Jugendliche sind jedoch deutlich seltener vertreten, Menschen ab 35 Jahren häufiger. Diemer sieht darin eine Logik des Lebenslaufs: Nach Schule, Ausbildung und Familiengründung nehme der Bedarf an Erwachsenenbildung und Weiterbildung zu.

Gleichzeitig verschärft sich die Finanzlage. Städte und Gemeinden als wichtigste öffentliche Geldgeber der VHS stehen selbst unter erheblichem Spardruck, während Personal- und Sachkosten steigen. Kuhn warnte, selbst gleichbleibende Zuschüsse kämen angesichts höherer Kosten faktisch einer Kürzung gleich. Sein Appell an Bürgermeister, Oberbürgermeister und Gemeinderäte: „Denkt daran, dass ihr uns braucht, dass wir Mehrwert für den Ort schaffen.“

Nach einer verbandsinternen Umfrage rechnet laut Diemer etwa ein Viertel bis ein Drittel der Volkshochschulen in diesem Jahr mit Kürzungen. Folgen könnten weniger Angebote, unbesetzte Stellen und höhere Teilnahmegebühren sein. Das könne Menschen mit geringem Einkommen von Kursen ausschließen.

Kuhn: „Land soll Förderung erhöhen“

Neben den Kommunen nimmt der Verband auch das Land in die Pflicht. Kuhn forderte, die zugesagte Erhöhung der Weiterbildungsförderung umzusetzen. Das Land habe angekündigt, die Förderung bis 2030 auf das Niveau vergleichbarer Flächenländer anzuheben; diese Zusage müsse nun eingehalten werden.

Stuttgarts Ex-OB betonte zugleich, dass auch Volkshochschulen effizienter werden müssten. Sparen dürfe aber nicht zulasten der Zukunft gehen. Investitionen seien nicht nur Gebäude, sondern auch neue Angebote und Bildungsfelder. „Sparen ja, aber an der richtigen Stelle“, sagte Kuhn.

Bildungsarbeit in Stadt und Land

Schwäbisch Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gmünder VHS, bezeichnete die Volkshochschule als „Haus der Bildung, ein Haus der Neugier, ein Haus des Wissens“. Besonders bei Sprach- und Integrationskursen sei sie unverzichtbar – nicht nur während der Flüchtlingszuwanderung 2015/16 oder nach Beginn des Kriegs in der Ukraine, sondern dauerhaft. Dabei gehe es neben Sprache auch um Wertevermittlung und Orientierung im Alltag.

Gleichzeitig brauche es für die politische Bildung Orte, an denen unterschiedliche Standpunkte diskutiert und ausgehalten werden könnten, sagte Baron. Volkshochschulen könnten solche Räume schaffen und Orientierung in einer von verkürzten und interessengeleiteten Informationen geprägten Öffentlichkeit bieten.

Volkshochschulen fordern Zusagen für verlässliche Angebote

Die Direktorin der Gmünder VHS, Ingrid Hofmann, betonte die Bedeutung verlässlicher kommunaler Unterstützung. Die Gmünder VHS sei zwar als eingetragener Verein organisiert, aber „nicht irgendein beliebiger e. V.“. In dem Trägerverein seien auch Umlandkommunen eingebunden, rund 40 Prozent der Bildungsarbeit finde im ländlichen Raum statt. „Da sind uns klare Bekenntnisse seitens der Stadt ganz wichtig“, sagte Hofmann. Diese brauche die VHS, „damit wir weiter planen können“.

Planungssicherheit sei besonders bei personalintensiven Angeboten wie Integrationskursen wichtig. Weil diese einem festen Curriculum folgten, habe die Gmünder VHS inzwischen fünf Lehrkräfte fest angestellt. Das gebe der Einrichtung und den Lehrkräften Sicherheit, bedeute aber auch Verpflichtung.

Mit der Jahrestagung verbindet der Verband damit die Forderung, Volkshochschulen nicht als freiwillige Leistung am Rand zu behandeln. Sie leisteten vor Ort einen wachsenden Beitrag für Bildung, Integration, Demokratie und Transformation – und bräuchten dafür verlässlichen Rückhalt von Kommunen und Land.

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