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Forschung

99 Uni-Projekte gegen die Abhängigkeit von fossilen Energien

Die neun Landesuniversitäten haben sich zusammengeschlossen und 99 Projekte für eine postfossile Zukunft vorgestellt. Noch hakt es immer wieder beim Transfer in die Praxis.
Person im Labor, hält Glasbehälter mit Erde, Schläuche oben angeschlossen.

An der Universität Konstanz wird unter anderem erforscht, welche Faktoren dazu beitragen, dass ein Kunststoff biologisch abbaubar ist. und wie sich dieser Abbau verbessern lässt.

Universität Konstanz)

Stuttgart. „Das ist ein richtig starkes Zeichen unserer Universitäten“, sagt Wissenschaftsministerin Petra Olschowski . Was die Grünen-Politikerin so begeistert ist eine Initiative der neun Landesuniversitäten jede mit einem ganz eigenen Profil -, die sich zusammengeschlossen haben, um 99 Projekte für eine postfossile Zukunft gemeinsam zu bündeln. Olschowski spricht von einem „Zeichen des Muts und der konstruktiven Zukunftsgestaltung, das von unseren Universitäten ausgeht“. Die 99 Projekte machten sichtbar, wie konkret die Universitäten an der Zukunftsgestaltung arbeiten

Dabei geht es um Forschung zu regenerativen Energien, zur Energiespeicherung, zur Energieeffizienz, aber auch zu alternativen Rohstoffen und Kohlenstoffkreisläufen. Das Spektrum ist breit. Es reicht von besonders leistungsfähigen Solarzellen über grünen Wasserstoff bis hin zur Frage, wie man Biokerosin für Flugzeuge aus Gülle gewinnen kann. Es geht um umweltfreundliche Batterien ebenso wie um die Frage, wie Pflanzen genutzt werden können, um den CO2-Ausstoß zu verringern, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ein Ausschnitt der Forschung

Initiiert wurde das Projekt von der Universität Hohenheim. „Diese 99 Projekte sind beileibe nicht alles, was wir tun, sondern ein exemplarischer Ausschnitt unserer Forschung für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten“, sagt Katja Pohlmann, Rektorin der Universität Tübingen und Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg.

Die Vorstellung der Projekte könnte kaum zu einem passenderen Zeitpunkt erfolgen. Denn in der kommenden Woche, am 30. Juli, ist der Erdüberlastungstag. Also der Tag , an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. In den 1970er-Jahren lag dieser Tag noch im Dezember. Schaut man sich allein Deutschland an, so liegt der Überlastungstag bereits im Mai. „Insofern haben deutsche Universitäten eine besondere gesellschaftliche Verantwortung, wissenschaftliche Erkenntnisse als Lösungswege für eine postfossile Zukunft aufzuzeigen“, so Pohlmann. 

Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in die Lehre ein

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen auch in die Lehre und in neue Studiengänge ein. In Tübingen gibt es zum Beispiel ein „Studium Oecologicum“, andere Universitäten bieten entsprechende Zertifikate oder ganze Studiengänge an, in denen diese Themen interdisziplinär erforscht werden. „Interdisziplinarität ist bei nachhaltiger Forschung und allem, was eine postfossile Zukunft auszeichnen wird, absolut zentral. Deshalb können alle Universitäten etwas beitragen: die technischen, die eher spezialisierten, die kleineren und die großen Volluniversitäten wie Heidelberg, Freiburg und Tübingen“, sagt Pohlmann. 

Den Universitäten ist es wichtig, ihre Erkenntnisse nicht nur auf theoretischer und experimenteller Ebene zu erhalten. Sie wollen diese auch in die Praxis bringen und Innovationen in der Wirtschaft unterstützten. Das ist nicht immer einfach, wie Pohlmann deutlich macht, denn häufig fehle es noch an der Brücke, am Venture Capital, zwischen der Grundlagenforschung, wo Ideen entwickelt und im Experiment überprüft werden, und der größeren, skalierbaren industriellen Umsetzung. 

Wirtschaft braucht Transfer und gut ausgebildete Fachkräfte

Gerade für die Wirtschaft ist der Weg zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern essentiell, macht Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart deutlich. Das wurde nicht zuletzt nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und durch den Krieg im Golf deutlich. „Die Abhängigkeit unserer Wirtschaft von fossilen Energieträgern ist bei einem labilen geopolitischen Gleichgewicht zu hoch. Der Weg daraus ist daher unbedingt zielführend“, so Herre. 

Sie nennt mehrere zentrale Punkte für die Wirtschaft: Forschungsergebnisse müssen in die Anwendung kommen. Die Ausbildung der Fachkräfte, die in der Wirtschaft Green Tech vorantreiben können, ist eine weitere Voraussetzung. “Forschung und Lehre müssen eng verzahnt sein, damit Fachkräfte der Zukunft ausgebildet werden, die den Weg in der Wirtschaft mitgehen“, sagt Herre. Hinzu komme, dass bei innovativen Modellen schnellere Genehmigungen notwendig seien. Sie unterstreicht das mit dem Beispiel der Agriphotovoltaik: „Die Universität Hohenheim hat im Versuchsbereich selbst Probleme, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen. Da müssen wir schneller werden.“

Wissenschaftsministerin Olschowski nennt das Projekt der Universitäten auch ein Signal für die Studierenden. Es zeige, dass es hochattraktive Forschungsthemen gebe, und es zeige auch ein breites Beschäftigungsfeld und ein großes Angebot an Jobs. „Auch darauf bereite dieses Projekt in gewisser Weise vor“, so die Ministerin. Sie ist überzeugt: „Die grünen Ideen von morgen schreiben übermorgen die schwarzen Zahlen.“

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