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Pilotanlage entfernt Ammonium aus Abwasser

Mit diesen Füllkörpern aus Metall ist die Kolonne gefüllt. Diese vergrößern die Phasengrenzfläche zwischen Strippdampf und Klärschlammflüssigkeit.
Christine Liebhardt / Uni Ulm)Ulm. Forschende der Universität Ulm testen gemeinsam mit dem Zweckverband Klärwerk Steinhäule eine Pilotanlage zur Entfernung von Ammonium aus Abwasser. Die mit Unterstützung der Iludest GmbH entwickelte Anlage wird seit Mai 2026 im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm erprobt. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, nach der kommunale Kläranlagen ab August 2027 deutlich mehr Stickstoff und Phosphor entfernen müssen.
Stickstoff soll aus Abwasser zurückgewonnen werden
Zu hohe Nährstoffeinträge fördern das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt, die Artenvielfalt nimmt ab, zudem kann Ammonium für Fische giftig sein. Das neue Verfahren soll Gewässer schützen und zugleich den im Abwasser enthaltenen Stickstoff als Rohstoff nutzbar machen.
Das Team des Instituts für Chemieingenieurwesen unter Leitung von Professor Thomas Grützner entwickelte das Verfahren gemeinsam mit dem Zweckverband. Beteiligt waren auch Chiara Lukas, Lorraine Arzner und Yannick Waibel. Das Verfahren erzeugt konzentriertes Ammoniakwasser. Nur ein geringer Anteil des Ammoniums verbleibt im Abwasser und wird anschließend im biologischen Klärprozess entfernt. Das Ammoniakwasser kann etwa zur Abscheidung von Kohlenstoffdioxid aus industriellen Abgasen eingesetzt werden. Die Anlage arbeitet mit dem Verfahren der Dampfstrippung. Dabei wird stark ammoniumhaltiges Zentratwasser aus der Klärschlammentwässerung in einer Kolonne im Gegenstrom zu aufsteigendem Wasserdampf geführt. Durch die Erwärmung geht das Ammonium als Ammoniak in die Gasphase über und wird mit dem Dampf aus der Anlage transportiert. Am unteren Ende tritt gereinigtes Zentratwasser aus, der ammoniakhaltige Dampf wird kondensiert und teilweise zur weiteren Aufkonzentrierung zurückgeführt.
Pilotanlage wird im Betrieb erprobt
Die Projektpartner testen die Anlage mehrere Monate im Klärwerk Steinhäule. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob sich das Verfahren später auf den industriellen Maßstab übertragen lässt. Der Zweckverband setzt dabei auf Technologien, die Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft fördern.