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Rekorde trotz Rezession: Sparkassen trotzen Flaute

„Wir erleben eine kommunale Finanzkrise, wie wir sie so noch nie hatten“, warnte Matthias Neth, der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg.
Franziska Kraufmann /SVBW)Stuttgart . „Es sind keine einfachen Zeiten“, sagte Matthias Neth. Die deutsche Wirtschaft sei zwar einen Tick besser ins Jahr gestartet, als ursprünglich erwartet. Doch nach einem Minus von 0,6 Prozent im vergangenen Jahr rechnen die LBBW‑Analysten für Baden‑Württemberg für das laufende Jahr nur mit einem Mini‑Wachstum von 0,5 Prozent.
Trotzdem blicken die 50 Sparkassen im Südwesten „mit großer Zufriedenheit“ zumindest auf das vergangene halbe Jahr. „Wir haben in den ersten sechs Monaten Kredite in Höhe von 7,1 Milliarden Euro an Unternehmen und Selbstständige zusagen können“, erklärte Neth. Damit habe man das Vorjahresniveau gehalten. Dabei haben die Institute nach eigenen Angaben einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent.
Über elf Milliarden Euro Umsatz im Wertpapiergeschäft
Besonders stark läuft das Wertpapiergeschäft. „Wir haben im ersten Halbjahr Wertpapiere im Wert von über elf Milliarden Euro an die Kunden verkauft – ein neuer Rekord“, so Neth. Gerade hier wollen die Sparkassen dem starken Wettbewerb durch Neo-Broker etwas entgegensetzen. Dieser Tage ist der Verband mit einer neuen App an den Start gegangen: „S-Neo“ soll Sparkassen‑Kunden den Einstieg ins Wertpapiergeschäft erleichtern. Die App ermöglicht es, ETFs, Fonds und Aktien zu kaufen. Damit richtet sich Neo vor allem an Kunden, die ihre Geldanlage eigenständig, ohne persönliche Bankberatung und vorzugsweise über das Smartphone steuern möchten.
Überdies hat der Verband mit „Cockpit Immobilie“ ein digitales Immobilien‑Dashboard rund um die Immobilie konzipiert, in dem Eigentümer und Interessenten Immobilien verwalten, Modernisierungen planen, Unterlagen hochladen oder Finanzierungen digital begleiten können.
Die 50 Institute reichen mehr Kredite aus
Trotz schwacher Konjunktur ist es den 50 Instituten gelungen, ihr Geschäft auszubauen. Das spiegelt sich in der Bilanzsumme wider – dem Gesamtwert aller Vermögens‑ und Schuldpositionen. Sie ist auf 254,5 Milliarden Euro gestiegen. Vor allem konnten die Institute mehr Kredite ausreichen. Stand 30. Juni, stieg das Kreditvolumen auf 172 Milliarden Euro. Dabei legten Privatkredite um 2,1 Prozent zu, Unternehmen fragten wegen Unsicherheit und Strukturwandel nur verhalten nach (+0,6 Prozent).
Besonders stark legte die Kreditvergabe an Kommunen zu: Sie stieg um 20 Prozent von fünf auf sechs Milliarden Euro. „Das zeigt eine kommunale Finanzkrise, wie wir sie so noch nie hatten“, warnte Neth.
Eine schnelle Trendwende erwartet er nicht, aufgrund von rückläufigen Gewerbesteuern. „Wir spüren bei den Unternehmen nicht, dass sich die im Bund angestoßenen Reformen oder die Reformen, die wir im Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg sehen, bereits in einer Belebung niederschlagen, die wir in den Büchern unserer Häuser erkennen würden“, sagte er. Gerade in Baden-Württemberg, mit hoher Industriedichte, würden Sparzwängen, hohen Arbeits-, Energie- und Rohstoffkosten sowie Unsicherheit im internationalen Umfeld die Unternehmen belasteten. Diese würden daher lediglich Ersatzinvestitionen tätigen. „Es bleibt Aufgabe der Politik, positive Impulse für Investitionen zu setzen“, sagte Neth.
Neth verwies aber auch auf Branchen mit positivem Wachstum, die Darlehen anfragten, um sich weiterzuentwickeln. Darunter etwa die Energie- und Wasserversorgung sowie Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten.
Hohe Baukosten, wenig Bauland, strenge Standards belasten Neubau
Der Immobilienmarkt bleibt schwach: „Hohe Baukosten, wenig Bauland, strenge Standards belasten den Neubau“, so Neth. Die Zahl der Baugenehmigungen in Baden-Württemberg sei zwar leicht angestiegen, liege aber noch weit entfernt von dem Niveau, das man bräuchte, um die wohnungspolitischen Ziele von Bund und Land zu erreichen. Positiv sei Neth zufolge, dass die Landesregierung erwäge, die Grunderwerbsteuer für Ersterwerber zu senken. „Das kann Impulse setzen.“
Um die kostspielige Energiewende zu finanzieren, haben die Sparkassen das Programm „Zukunft finanzieren“ entwickelt, um Stadtwerken und kommunalen Unternehmen große Investitionen zu ermöglichen. „Mit den bisherigen Finanzierungsmitteln wird es nicht gehen“, so Neth. Man sei mit über 60 Stadtwerken im Austausch. Damit es wirklich losgehen könne, müsse der Gesetzgeber aber noch Klarheit über Förderprogramme und Kapitalzugänge schaffen. „Sobald das Förderregime von Bund und Land klar ist, sind wir handlungsfähig.“
Verbandsgeschäftsführer Ralf Bäuerle betonte, dass die Sparkassen Künstliche Intelligenz (KI) nicht als Instrument zum Stellenabbau verstehen. Sie solle helfen, die demografischen Herausforderungen zu bewältigen und repetitive Aufgaben übernehmen. KI werde die Sparkassen entlasten und effizienter machen, „aber, dass wir deswegen Leute entlassen, kann ich mir nicht vorstellen“.