Arbeitsmarkt

Die Krise hinterlässt deutliche Spuren

In Baden-Württemberg sind im Juli mehr als 300 000 Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist gestiegen. Ein Grund ist, dass viele Ausbildungs- und Arbeitsverträge im Juni und Juli ausgelaufen sind. 
Schwarzes Schild mit rotem Logo und Text: „Agentur für Arbeit“.

Die Bundesagentur für Arbeit meldet für Baden-Württemberg im Juli weiterhin eine Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit stieg auf 3,9 Prozent, zugleich wurden deutlich weniger betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr.

IMAGO/Ardan FUESSMANN)

Stuttgart. Die Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg liegt im Juli weiterhin bei 4,6 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit ist auf 3,9 Prozent gestiegen. Nach Angaben der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit ist der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit jahresüblich, da in den Monaten Juni und Juli Ausbildungen enden und Arbeitsverträge sowie schulische und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen auslaufen. 27.017 junge Menschen waren im Juli arbeitslos. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt bereits das vierte Jahr in Folge.

In diesem Jahr wurden aktuell rund zehn Prozent weniger betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet als im vergangenen Jahr. Die beiden ausbildungsstärksten Branchen Industrie und Handel (inklusive Instandhaltung und Reparatur von Kfz) verzeichnen die stärksten Rückgänge: die Industrie mit über zehn Prozent (minus 1830 Ausbildungsstellen) und der Handel mit über 25 Prozent (minus 4412 Ausbildungsstellen). Beide Branchen stellen aber weiterhin die meisten Ausbildungsplätze. Auf sie entfällt knapp die Hälfte aller gemeldeten Ausbildungsstellen.

Musati wirbt für stabilen Ausbildungsmarkt

Auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen kommen 80 Bewerberinnen und Bewerber. Damit bleibt der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg trotz des Rückgangs an Ausbildungsstellen weiterhin ein – im Vergleich zum Vorjahr etwas schwächerer – Bewerbermarkt, heißt es vonseiten der Regionaldirektion.

„Der hohe Rückgang an Ausbildungsstellen ist ein Warnsignal. Damit wir in ein paar Jahren mit Blick auf den Fachkräftebedarf nicht die Versäumnisse von heute diskutieren, müssen wir jetzt alles unternehmen, um jungen Menschen eine Chance auf Ausbildung sowie nach der Ausbildung auf eine Beschäftigung zu geben. Deshalb bitte ich die Betriebe, ihre Ausbildungsbereitschaft hochzuhalten. Wir brauchen einen stabilen Ausbildungsmarkt“, sagt Martina Musati, Geschäftsführerin der Regionaldirektion.

Das sieht auch Arbeitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) so. „Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Integrationschancen junger Menschen in den Arbeitsmarkt leider weiter verschlechtert. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit müssen wir deshalb den Übergang von der Schule in die Ausbildung und den Beruf weiter stärken. Junge Menschen brauchen echte Perspektiven. Ausbildung, Qualifizierung und eine enge Begleitung beim Berufseinstieg bleiben deshalb zentral“, sagt er.

Unternehmen weisen auf veränderte Berufsbilder hin

„Der Arbeits- und der Ausbildungsmarkt sind weiterhin unter Druck. Man darf sich aber nicht täuschen: Auch in der gegenwärtigen Krise werden Auszubildende in der Breite der Branchen und Berufsbilder gesucht“, sagte Stefan Küpper, Geschäftsführer für Bildung, Arbeitsmarkt und Landespolitik bei den Unternehmern Baden-Württemberg (UBW). Zwar werde in der Industrie derzeit das Angebot an Ausbildungsplätzen reduziert, dennoch gebe es weiterhin viele unbesetzte Lehrstellen. Und er macht auch deutlich: „Rund jeder zweite Betrieb in Deutschland konnte im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsstellen besetzen. Es fehlen schlicht die passenden Bewerberinnen und Bewerber.“ Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, seien für junge Menschen im Südwesten weiterhin gut.

Küpper weist darauf hin, dass sich durch den Strukturwandel und die Transformation in der Industrie auch Berufsbilder und der Bedarf an Fachkräften veränderten. Mit Praktikumswochen wollen Verbände, Kammern, Landesregierung und die Bundesagentur für Arbeit Schülern einen Einblick in die Vielfalt und in die Veränderungen der Ausbildungsberufe geben. Es brauche ein „besseres Verständnis der Veränderungen im Arbeitsmarkt, mehr Flexibilität bei der Berufswahl, eine engagierte Berufsorientierung und die bestmögliche Unterstützung der Jugendlichen durch Schulen, Arbeitsagenturen und vor allem auch die Eltern“, so Küpper.

Höchste Arbeitslosigkeit in Mannheim, Pforzheim und Stuttgart

Am höchsten ist die Arbeitslosigkeit derzeit in den Stadtkreisen Mannheim (8,3 Prozent), Pforzheim (7,4 Prozent), Stuttgart (7,0 Prozent), Heilbronn (6,9 Prozent) und Baden-Baden (6,7 Prozent). Am niedrigsten ist sie im Landkreis Biberach mit 2,8 Prozent.

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