Umweltministerin Walker will noch mehr Energie aus Bioabfall gewinnen

Bei den Bioabfällen kommt das Land gut voran, auch wenn immer noch zu viel Bioabfälle im Restmüll landen.
picture alliance / Stefan Puchner/dpa)Stuttgart. Umweltministerin Thekla Walker ist zufrieden mit der Entwicklung beim Bioabfall: Im vergangenen Jahr wurden erstmals fast 80 Prozent der getrennt erfassten häuslichen Bioabfälle zur Energiegewinnung eingesetzt. Das heißt, der Bioabfall wird in Vergärungsanlagen in Biogas umgewandelt, das zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden kann und die Gärreste werden zu hochwertigen Düngemitteln weiterverarbeitet.
Das Ende der Fahnenstange ist für sie damit aber noch längst nicht erreicht. Ziel des Landes ist es, diesen Wert weiter zu erhöhen. Auch die Gesamtmenge von Biomüll soll bis 2030 von derzeit 55 Kilogramm pro Einwohner und Jahr auf 80 Kilogramm steigen. Die zusätzliche Biomasse soll durch Halbierung des Bioabfall-Anteils im Restmüll gesammelt werden, also durch eine bessere Mülltrennung in den Haushalten. Das würde bedeuten, dass die Biogaserzeugung dadurch um 84 Prozent steigen könnte. 2030 könnten dann 275 000 Menschen mit Strom und Wärme aus Bioabfall versorgt werden, hat man im Umweltministerium errechnet. Bei einer solchen Steigerung sind aber auch mehr Vergärungsanlagen im Land notwendig. Dafür wünscht sich Walker auch eine Förderung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz.
Abfall als Ressource betrachten
„Abfall ist in weiten Teilen kein Müll, sondern eine Ressource. Das zeigt sich insbesondere bei Biomasse. Je besser vor Ort getrennt und Bioabfall vergärt wird, umso mehr Menschen werden durch Biogas mit Energie versorgt. Zusätzlich wird aus Bioabfällen hochwertiger Kompost hergestellt, den die Landwirtschaft dringend benötigt. Mehr Engagement für eine bessere Trennung von Haus- und Biomüll ist daher eine doppelt lohnenswerte Investition“, sagt Walker bei der Vorstellung der Abfallbilanz .
Danach beseitigten die kommunalen Abfallentsorger im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg rund 7,69 Millionen Tonnen Abfall und Wertstoffe. Das waren knapp neun Prozent weniger als im Vorjahr. Der Hauptgrund dafür liegt allerdings nicht darin, dass sich die Abfallmengen der Haushalte verringert hätten. Hier sind es nur vier Kilo pro Jahr und Einwohner. Vielmehr sind die kommunal entsorgten Baumassenabfälle deutlich zurückgegangen.
Die Abfallgebühren hingegen sind gestiegen. Für einen Vier-Personen-Haushalt gibt es 2026 im Schnitt einen Anstieg um rund 11 Euro gegenüber 2025. „Das ist ein ordentlicher Anstieg, der natürlich auch mit allgemeinen Preissteigerungen zu tun hat. Trotzdem sind wir in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern oder im Städtevergleich noch auf einem guten, effizienten Niveau“, sagt Walker. Im Müllgebührenindex könne man gut sehen, „dass wir in Baden-Württemberg keine übermäßig hohen Gebühren haben“.
Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ausbauen
Sorgen macht Walker die Entwicklung bei Textilabfällen. Die üblichen Altkleidersammlungen würden abgebaut, da es sich für die Organisationen oftmals nicht mehr lohnt, weil zu viel kaputte, dreckige Kleidungsstücke oder sonstige Abfälle in die Sammelcontainer geworfen würden. Gleichzeitig will die EU verhindern, dass gebrauchte Kleidungsstücke einfach vernichtet werden. Walker fordert in diesem Bereich eine bessere Regulierung. „Die Hersteller sollen sich an Entsorgung und Recycling finanziell beteiligen. Das ist im Moment noch nicht so, die EU hat es aber auf den Weg gebracht“, so die Ministerin. Vor allem Billiganbieter und Fast Fashion hat sie dabei im Blick.
Ein weiteres wichtiges Thema ist für Walker die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. „Wir haben ein Gesamtaufkommen von Bauabfällen von 32,5 Millionen Tonnen, davon 12,1 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle. Fast alles wird im Tiefbau verwertet – 97 % –, nur ein geringer Teil stofflich im Hochbau“, so Walker. Das will sie ändern. „Wir wollen das, was abgebaut wird, im Hochbau oder bei neuen Bauvorhaben nutzen“, erklärt sie. Dafür will sie Sekundärrohstoffzentren im Land aufbauen, damit diese Materialien abholbar und nutzbar sind, alles digital vernetzt, sodass man genau sehen kann, was es wo gibt. „Das ist eine neue Welt: Üblicherweise baut man und bestellt neue Materialien. Unser Ziel ist, den Anteil bereits genutzter Stoffe zu steigern. Wir wollen ein neues Kreislaufwirtschaftsgesetz auf den Weg bringen“, so Walker.
Phosphorrückgewinnung wird ab 2029 Pflicht
Im Blick hat das Umweltministerium auch bereits ein neues Thema: Zum 1. Januar 2029 muss in Deutschland Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden. In Baden-Württemberg wurden mit Landesmitteln bereits zwei entsprechende Anlagen zur thermischen Behandlung von Klärschlamm und zur Phosphorrückgewinnung errichtet. Diese laufen seit diesem Jahr im Regelbetrieb. Klar ist für Walker jedoch, dass weiter Anlagen notwendig sein werden. Der rückgewonnene Phosphor habe eine sehr gute Qualität. Neben der Rückgewinnung müsse nun auch ein Markt dafür aufgebaut werden, auch um die Importabhängigkeit zu verringern.