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Schwaben und das Vermeidungsdilemma

Das Vermeidungsdilemma kann die Urlaubsruhe beenden, meint Christoph Sonntag in seiner Kolumne.
IMAGO/S. Gottschalk; Porträt: imago images/STAR-MEDIA)Camper kennen das Phänomen von der Bordtoilette. Man fährt entspannt in den Urlaub, bis jemand sagt: „Vielleicht müssen wir ja nicht jedes Mal auf unser eigenes Klo gehen. Dann müssen wir die teure blaue Flüssigkeit nicht so oft wechseln.“
Und zack – das Vermeidungsdilemma ist geboren. Von diesem Moment an bestimmt nur noch eine Frage die Reise: Wo ist das nächste Klo? Gehe ich im Restaurant vorsichtshalber noch schnell?
Über Pfingsten wollten wir gemütlich durch die Schweiz bis nach Annecy fahren. Nicht rasen, sondern mit dem Stromer-Bus über Landstraßen bummeln. Mitten auf der Fahrt sagte meine Frau: „Wenn wir Landstraße fahren, brauchen wir gar keine Vignette. Vielleicht schaffen wir es auch ohne.“ Ab diesem Moment war die Urlaubsruhe vorbei. An jeder zweiten Kreuzung diskutierten wir, ob diese verdächtig breite Straße vielleicht doch schon eine Autobahn sei. Regelmäßig hielten wir an, um zu prüfen, ob wir wirklich noch legal unterwegs waren.
Das entscheidende Argument
Für die Rückfahrt standen sechseinhalb Stunden Landstraße gegen dreieinhalb Stunden Autobahn. Die digitale Vignette war längst bis zum letzten Klick vorbereitet. Trotzdem diskutierten wir noch, bis das entscheidende Argument fiel: „… vielleicht fahren wir im Herbst ja noch einmal durch die Schweiz.“ Erleichtert drückte meine Frau auf „Kaufen“. Fünf Minuten später fuhren wir auf die Autobahn und genossen die schnelle Fahrt bis Zürich.
Mein Tipp gegen das Vermeidungsdilemma: Sagen Sie vor der Abfahrt: „Ich habe die Bordtoilette schon ausprobiert. Sie funktioniert.“ Und verkünden Sie genau am 1. Januar: „Ich habe gerade die Schweizer Vignette gekauft.“