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Gründerboom ohne wirtschaftliche Substanz

Sonnen- und Nagelstudios: Kleinbetriebe machen das Gros bei den Betriebsgründungen aus.
Imago)In Baden‑Württemberg wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 46 900 neue Gewerbebetriebe angemeldet – gut 4000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Plus von über neun Prozent, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Auch wirtschaftlich bedeutendere Betriebsgründungen legten zu: 8100 Anmeldungen bedeuten einen Zuwachs von 6,6 Prozent. Insgesamt stieg die Zahl der Gewerbetreibenden um 8,5 Prozent auf rund 51 200.
Zwei Drittel aller neuen Gewerbeanmeldungen im Nebenerwerb
Ist das endlich die ersehnte wirtschaftliche Dynamik, auf die viele Menschen hoffen? Mitnichten. Die Zahlen sprechen kaum für einen nachhaltigen Gründerboom. Denn parallel zu den Neugründungen nahm die Zahl der vollständigen Gewerbeaufgaben um 5,4 Prozent zu, ein Hinweis auf die wirtschaftlich unsichere Lage. Zudem erfolgten fast zwei Drittel aller neuen Gewerbeanmeldungen im Nebenerwerb. Vermutlich sichern sich viele Menschen so ein zweites Standbein, weil das Haupteinkommen nicht reicht. Das deutet zusammen mit der Zunahme bei Kleinbetrieben (+6,6 Prozent auf rund 9100) eher auf Einkommensdruck und auf Solo-Selbstständigkeit ohne Beschäftigungseffekte hin als auf eine breite wirtschaftliche Erholung.
Gebäudereiniger und Kosmetiksalons legen zu
Im Handwerk zeigt sich ein ähnliches Muster. Zwar stieg die Zahl der Betriebe seit Jahresbeginn um 942 auf rund 145 000 (+0,7 Prozent). Doch der Zuwachs entfällt fast vollständig auf das zulassungsfreie Handwerk – allen voran Gebäudereiniger und Kosmetiksalons. Im zulassungspflichtigen Handwerk, das den Großteil der Arbeits- und Ausbildungsplätze stellt, sank die Zahl der Betriebe dagegen um knapp 600.
Die Statistik zeigt damit weniger einen Gründerboom als eine Verschiebung hin zu kleinteiligen, oft prekären Geschäftsmodellen. Für die wirtschaftliche Substanz des Landes ist der Befund der Statistiker eher ein Warnsignal.