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Unternehmen zweifeln zunehmend an Energiewende und Klimazielen

Die Wirtschaft in Baden-Württemberg bewertet die Energiewende zunehmend skeptisch. Besonders in der Industrie überwiegen laut Energiewende-Barometer die Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit.
dpa/Christoph Hardt)Stuttgart . Nach zwei Jahren mit etwas positiverer Entwicklung hat sich die Stimmung in der Wirtschaft zur Energiewende erneut verschlechtert. Im Energiewende-Barometer erreicht Baden-Württemberg einen Wert von minus 13 Punkten auf einer Skala von minus 100 bis plus 100. In der Industrie fällt die Bewertung mit minus 26 Punkten noch deutlich negativer aus. Die Wirtschaft in Baden-Württemberg sieht nach wie vor deutlich mehr Risiken als Chancen für die eigene Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende , so der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK).
Vertrauen in die Energiepolitik ist gering
„Die Unsicherheit in den Betrieben bleibt hoch. Das Vertrauen in die Energiepolitik ist gering und die Skepsis hat sogar wieder zugenommen“, fasst Jan Stefan Roell, der Präsident des BWIHK, die Ergebnisse der Studie zusammen. Diese sieht er als ein deutliches Warnsignal. „Die Wirtschaft benötigt dringend stabile Rahmenbedingungen mit einer verlässlichen Energieversorgung und wettbewerbsfähigen Preisen.“
Besonders auffällig ist: Viele Unternehmen halten die eigene Klimaneutralität bis 2045 für wenig realistisch. Während 2025 noch 80 Prozent der Betriebe davon ausgingen, bis 2045 klimaneutral wirtschaften zu können, sind es inzwischen nur noch 43 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unternehmen ohne konkretes Klimaneutralitätsziel von 12 auf 44 Prozent nahezu vervierfacht.
Der BWIHK wertet dies nicht als Abkehr vom Klimaschutz. Vielmehr spiegelten die Zahlen die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wider, insbesondere bei Energiepreisen und Investitionsentscheidungen.
Bürokratie gilt als größtes Hindernis
Als größte Hürde auf dem Weg zur Klimaneutralität nennen zwei von drei Betrieben bürokratische Vorgaben. Ebenso viele beklagen mangelnde Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energiepolitik. Fast jedes zweite Unternehmen moniert zu langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen berichten zusätzlich über Finanzierungsprobleme. Damit rücken nicht nur technische, sondern zunehmend wirtschaftliche und regulatorische Fragen in den Mittelpunkt der Transformation.
„Die Unternehmen leisteten und leisten gerne ihren Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende. Wenn aber Bürokratie und fehlende Planbarkeit die wirtschaftliche Grundlage für Investitionen gefährden, können viele Betriebe keine verlässlichen und zeitlich fixen Klimaneutralitätsziele festlegen. Das ist kein Rückzug aus der Verantwortung, sondern Ausdruck der schwierigen Rahmenbedingungen“, betont der BWIHK-Präsident.
Hohe Energiekosten belasten Investitionen
Ein zentrales Thema bleiben die hohen Energiepreise. Strom und Gas liegen weiterhin über dem Niveau vor der Energiekrise. Die hohen Energiepreise drücken dabei genauso auf die Investitionsfähigkeit. So geben gut drei von zehn Betrieben an, Investitionen in wichtige Kernprozesse zurückzustellen. Ein Viertel kann sich nach eigenen Angaben mit weniger Mitteln im Klimaschutz engagieren. In der Industrie fallen die Werte teils spürbar höher aus. „Dies unterstreicht, wie wichtig wirksame Entlastungen bei den Energiekosten sind, damit notwendige Transformations- und Zukunftsinvestitionen nicht ausbleiben“, sagt Roell.
In diesem Kontext denken Unternehmen zunehmend darüber nach, Produktion ins Ausland zu verlagern oder heimische Kapazitäten zu reduzieren. Fast jeder fünfte Betrieb zieht solche Schritte in Betracht. Bereits 13 Prozent haben entsprechende Maßnahmen eingeleitet oder umgesetzt. In großen Industrieunternehmen liegen die Anteile noch höher.