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Vergünstigung

Landkreise zögern bei der Einführung der Ehrenamtskarte 

Die Ehrenamtskarte soll in ganz Baden-Württemberg an überdurchschnittlich engagierte Bürger ausgegeben werden. Bisher beteiligen sich aber erst vier der 35 Landkreise sowie sieben der neun kreisfreien Städte an dem Netzwerk. Was hält die Mehrheit davon ab?
Hand hält gelbe Karte mit Löwen-Logo, Aufschrift: "Danke! Ehrenamt Baden-Württemberg".

wer die Ehrenamtskarte hat, kann auf etliche Vergünstigungen hoffen. Allerdings ist ihre Verbreitung in Baden-Württemberg noch gering.

Peter Schwab)

Stuttgart. Vor knapp vier Jahren, am 16. November 2022, präsentierte das Sozialministerium die Ehrenamtskarte Baden-Württemberg, als Anerkennung und Wertschätzung für die vielen Engagierten. Voraussetzung ist das Engagement für mindestens 200 Stunden im Jahr bei Rettungsdiensten, Vereinen, im Sport, in der Jugend- und Seniorenarbeit, der Kultur-, Sozial- oder Stadtteilarbeit, Initiativen, Verbänden, Hilfsorganisationen oder in der Kommunalpolitik. Auch wer für ein Projekt 100 Stunden innerhalb von zwölf Monaten aufgebracht hat, bekommt die Karte, mit der sich Eintrittspreise für über 300 Kultur-, Bildungs, Sport- und Freizeiteinrichtungen ermäßigen.

In einer Modellphase starteten am 1. August 2023 der Landkreis Calw sowie der Ostalbkreis und die kreisfreien Städte Freiburg und Ulm. Landesweit können sich Stadt- und Landkreise seit 27. Februar 2025 melden – denn die Ehrenamtskarte soll sukzessive in ganz Baden-Württemberg eingeführt werden. Allerdings wächst das Netzwerk nur sehr langsam: Hinzugekommen sind seither lediglich zwei weitere Kreise – Böblingen und Esslingen, insgesamt also vier von 35 Landkreisen. Bei den Stadtkreisen ist die Bereitschaft deutlich größer: Sieben von neun machen mit – mittlerweile haben auch Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Pforzheim und Stuttgart Kooperationsvereinbarungen mit dem Sozialministerium abgeschlossen.

Chance auf eine Zentralisierung

Norbert Brugger, Dezernent für Allgemeine Verwaltung und Bildung beim Städtetag, weiß durch den Austausch mit dem Sozialministerium, dass die Organisation der Ehrenamtskarte eventuell zentralisiert werden soll. „25.000 Karteninhaber sind noch viel zu wenig“, sagt er. Die Karte müsse weiterentwickelt und Denkschranken innerhalb der Landkreise überwunden werden. So spricht sich Brugger für eine bundesweite Ehrenamtskarte aus.

Was hält die Mehrheit der Landkreise ab? Alexis von Komorowski, Hauptgeschäftsführer des Landkreistags, weiß, dass sich Landkreise wegen der schlechten Haushaltslage gegen die Einführung der Ehrenamtskarte entscheiden und stattdessen auf bestehende Instrumente der Ehrenamtsförderung setzen. Die Kreise sehen den Bürokratiezuwachs durch die Karte kritisch, ebenso die Rabatte, welche zu Einnahmeausfällen bei Freibädern, Museen oder Bibliotheken führten.

Land zahlt Personalkosten

Das Land übernimmt pro Kreis oder kreisfreie Stadt die Personalkosten für eine halbe Stelle, 45.600 Euro. Ab 2027 soll der Beitrag jährlich um zwei Prozent steigen. Flächenlandkreise bekommen zusätzlich 45.100 Euro für als Ausgleich für den Mehraufwand, und auch die Kartendrucker und die Erstausstattung finanziert das Land. Für Werbemaßnahmen gibt es bis zu 30.000 Euro zusätzlich.

Obwohl die Einführung der Ehrenamtskarte erst in einem Bruchteil der Regionen vollzogen ist, wertet das Sozialministerium das Konzept als „Erfolgsmodell“. Über 25.000 Ehrenamtskarten wurden seit dem Start ausgegeben. Von rund elf Millionen Einwohnern bringen sich zirka 3,8 Millionen Menschen laut Freiwilligen-Survey ehrenamtlich ein. Deutlich weniger als ein Prozent der mutmaßlich Berechtigten haben die Karte.

Ministerium spricht von unkomplizierter Umsetzung

Dank der finanziellen und organisatorischen Unterstützung lässt sich die Ehrenamtskarte aus Sicht des Ministeriums „ in der Praxis unkompliziert umsetzen “. Die Befürchtungen von Einnahmeausfällen kann eine Ministeriumssprecherin nicht nachvollziehen. Inhaber der Ehrenamtskarten kämen oft erst wegen der Vergünstigungen und sorgten so für mehr Umsatz. Das Ministerium wirbt bei weiteren Landkreisen für die Karte, alle Ehrenamtlichen sollten Zugang zur Karte und den damit verbundenen Vergünstigungen haben. Denn immer wieder äußern Bürger aus Landkreisen, in denen die Ehrenamtskarte noch nicht eingeführt wurde, den Wunsch, diese auch im eigenen Landkreis nutzen zu können.

Anspruch und Antrag

Inhaber der Jugendleiter-Card (Juleica), Mitglieder in Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr, der Rettungsdienste, des Technischen Hilfswerks, der DLRG, der Bergwacht, des Katastrophenschutzes sowie Freiwilligendienstleistende (FSJ, FÖJ, Bufdi) brauchen keinen Stundennachweis für die Ehrenamtskarte. Alle anderen müssen diese per Formular über die Website des jeweiligen Wohnorts beantragen. Die geleisteten Stunden müssen darauf von einer autorisierten Person bestätigt werden. Bei mehreren Einsatzstellen werden die Stunden zusammengezählt. Vereine können auch Sammelanträge stellen. Die Ehrenamtskarte gilt zwei Jahre lang.

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