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Botschafter aus dem Südwesten

Baden-Württemberg unterwegs: Städtenamen gehen auf Reisen

Ulm fährt ICE, Stuttgart fliegt und Karlsruhe sticht in See: Namenspatenschaften tragen baden-württembergische Städte weit über ihre Heimat hinaus. Auf Zügen, Flugzeugen und Marineschiffen werden ihre Namen zu Botschaftern – und legen dabei mitunter erstaunliche Wege zurück.
Menschengruppe auf Flugzeugtreppe mit „Stuttgart Airport“-Schriftzug am Airbus A350.

Stuttgarts damaliger OB Fritz Kuhn tauft 2017 ein Flugzeug auf den Namen der Landeshauptstadt. Foto: dpa/Arnulf Hettrich

dpa/Arnulf Hettrich)

Ulm/Stuttgart/Karlsruhe. Ulm ist wieder unterwegs. Nicht an der Donau, sondern auf Schienen. Die Deutsche Bahn hat den Namen der Stadt auf einen modernen ICE 4 übertragen. Der Zug fährt vor allem zwischen Berlin und Köln.

Für die Donaustadt ist das nicht die erste Bahnkarriere. Bereits am 12. November 2002 wurde ein ICE 2 auf den Namen „Ulm“ getauft. Mehr als zwölf Millionen Kilometer legte er zurück, bevor er aus dem Betrieb ging. Nun hat ein jüngerer Kollege den Namen übernommen.

Ulm ist dabei aber nur einer von zahlreichen Städtenamen aus Baden-Württemberg, die derzeit auf ICE-Zügen durchs Land reisen. Dazu gehören Großstädte wie Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe und Mannheim, aber auch kleinere Orte wie Crailsheim und Horb am Neckar.

Wenn Züge Namen tragen

Solche Patenschaften haben bei der Bahn Tradition. Zum 30. Geburtstag des ICE 2021 waren 241 der damals 330 Züge getauft. Der damalige DB-Chef Richard Lutz sprach von der „engen Verbundenheit zwischen den Regionen und Städten, den dort lebenden Menschen und dem ICE“.

Inzwischen hat die Bahn ihre Taufpraxis verändert. Statt Städten stehen heute überwiegend Bundesländer, Flüsse, Seen, Berge und touristische Ziele Pate. Damit wolle man ganzen Regionen mehr Sichtbarkeit geben, erklärt eine Bahnsprecherin. Das werde dem deutschlandweiten und teilweise europäischen Einsatz der Züge besser gerecht. Neue Taufen gibt es derzeit nur in Ausnahmefällen: Wegen der hohen Bautätigkeit im Netz habe die Verfügbarkeit der Fahrzeuge Vorrang.

Die bisherigen Städtenamen sollen dennoch sichtbar bleiben. Wird ein getaufter ICE ausgemustert, überträgt die Bahn dessen Namen nach Möglichkeit auf einen anderen Zug ihrer Flotte.

Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn bringt den Namen der Patenstadt „Ulm“ auf den ICE 4 an.
Deutsche Bahn)

Baden-Württembergs fliegende Botschafter

Für Ulm ist am Bahnsteig noch lange nicht Schluss: Auch ein Airbus A350-900 der Lufthansa trägt den Namen der Stadt. Es ist bereits das vierte Lufthansa-Flugzeug mit diesem Namen. Die erste „Ulm“ wurde 1967 getauft.

Am Himmel ist die Donaustadt in guter Gesellschaft. Zahlreiche Städte aus Baden-Württemberg gehören zum Kreis der Lufthansa-Patenstädte: von Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Freiburg bis hin zu Uhingen und Meersburg.

Die Tradition der Flugzeugtaufen reicht bei Lufthansa bis 1960 zurück. Damals erhielt eine Boeing 707 den Namen „Berlin“. Ziel war, die Verbundenheit über die großen Drehkreuze hinaus in die Regionen zu tragen. Heute gibt es mehr als 300 Patenschaften. Die Maschinen seien „fliegende Botschafter ihrer Heimat“, sagt Lufthansa-Sprecherin Sandra Kraft.

Bei der Namensvergabe zählen laut Kraft historische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung sowie besondere Verbindungen zur Luftfahrt. Auch Einwohnerzahl und Flugzeugtyp sollen im Allgemeinen zusammenpassen.

Von Freiburg bis zu den Falklandinseln

Wie weit eine Stadt von zu Hause wegkommen kann, zeigt „Freiburg“. Der A350 mit diesem Namen flog 2021 auf die Falklandinseln. Anlass war ein Besatzungswechsel im Zusammenhang mit einer Polarforschungsexpedition. Viel weiter kann man sich vom Freiburger Münster kaum entfernen.

Auch „Stuttgart“ ist längst Vielflieger. Bereits 1961 trug erstmals eine Lufthansa-Maschine den Namen der Landeshauptstadt. Seit 2017 steht er auf einem Airbus A350-900, den der damalige Oberbürgermeister Fritz Kuhn auf dem Stuttgarter Flughafen auf den Namen der Landeshauptstadt taufte.

Karlsruhe treibt die Sache besonders konsequent. Seit 1965 besteht eine Taufpatenschaft mit Lufthansa. Der aktuelle A350 ist bereits das fünfte Flugzeug mit dem Namen der Fächerstadt. Bis 2025 hatte die Maschine nach Angaben der Stadt rund 3000 Flüge absolviert und fast 700 000 Passagiere befördert.

Patenschaften auf grauem Stahl

Karlsruhe ist ohnehin auf vielen Wegen unterwegs: auf Schienen, in der Luft und auch zur See. Mehrere Marineschiffe trugen bereits den Namen „Karlsruhe“. Die frühere Fregatte wurde 2017 außer Dienst gestellt. Im Mai 2024 wurde eine neue Korvette auf den Namen der Fächerstadt getauft.

Bei der Deutschen Marine ist ein Städtename mehr als eine Aufschrift am Rumpf. „Ein Schiffsname ist nicht nur eine bloße Bezeichnung“, sagt eine Sprecherin. Namensgeber und Schiff gehen eine tatsächliche Patenschaft ein. Fregatten tragen die Namen von Bundesländern, kleinere Einheiten die von Städten. Selbst die durchnummerierten U-Boote haben Patenstädte. Über die Namensauswahl entscheidet grundsätzlich der Bundesminister der Verteidigung.

An möglichen Paten mangle es laut der Sprecherin nicht. Bundesländer, Städte und Gemeinden können sich bewerben. Das Interesse sei so groß, „dass es mehr Anfragen als freie Einheiten gibt“.

Auch Baden-Württemberg ist auf See vertreten: Die gleichnamige Fregatte wurde 2019 in Dienst gestellt. Ihre Besatzung war 2025 zu einem Patenschaftsbesuch im Südwesten. Heimathafen bleibt Wilhelmshaven. Einen Marinehafen am Neckar hat das Ländle schließlich nicht zu bieten.

Darin liegt der Charme dieser Patenschaften: Der ICE „Ulm“ muss nicht in die Donaustadt fahren und der Airbus „Stuttgart“ nicht in der Landeshauptstadt landen. Vielleicht sind solche Namen gerade dann gute Botschafter, wenn sie weit weg von zu Hause unterwegs sind. Wer künftig einen ICE, Airbus oder ein Marineschiff sieht, kann genauer hinschauen: Womöglich reist Baden-Württemberg gerade vorbei.

Gabriele Luczak-Schwarz (verdeckt), Erste Bürgermeisterin der Stadt Karlsruhe, tauft die Korvette „Karlsruhe“ bei Blohm+Voss.
dpa/Ulrich Perrey)

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