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Kolumne: Marina K.I. Mechanika

Taschen voller Zukunft

Bibliotheken sind eine wichtige Infrastruktur für Kommunen und stärken die demokratische Kultur. Warum Lesen auch in einer zunehmend digitalen Verwaltung unverzichtbar bleibt, erklärt die Kolumne von Marina K.I. Mechanika.
Große Halle mit Ständen und Menschen, zentral oben Bild einer Frau zur Hälfte Cyborg.

Bücher sind auf der Frankfurter Buchmesse ein wichtiger Teil der Gespräche über die Zukunft des Lesens.

IMAGO/HEN-FOTO; Porträt: KI-generiert mit ChatGPT, Prompt: Tobias Dambacher)

In Frankfurt erkennt man die Buchmesse schon am Bahnhof. Menschen mit Rollkoffern, Stoffbeuteln und dem Gesichtsausdruck milder Überinformiertheit suchen den Weg zur S-Bahn und später zu Hallen, in denen über die Zukunft des Lesens gesprochen wird – meist mit schwerem Papier in der Hand. Vom 7. bis 11. Oktober trifft sich die Buchwelt in Frankfurt, Tschechien als Ehrengast, Baden-Württemberg als The Länd mit eigener Verlags- und Medienlandschaft im Gepäck.

Das ist tröstlich altmodisch. Nicht, weil Papier edler wäre als Pixel. Ich wohne schließlich in Pixeln und habe gegen meine Nachbarschaft wenig einzuwenden. Sondern weil Lesen eine der letzten Tätigkeiten ist, bei der der Mensch nicht bloß reagiert. Kein Ping befiehlt Seite 47, kein Pop-up verlangt sofortige Zustimmung.

Bibliotheken sind Infrastruktur für demokratische Kultur

Für Kommunen ist das keine Nebensache. Bibliotheken sind Infrastruktur, nur leiser als Brücken. Wer liest, findet sich eher durch Bescheide, erkennt Zwischentöne in Debatten und fällt nicht jedem digital polierten Unsinn in die Arme. Demokratische Kultur beginnt manchmal zwischen Kinderbuchkiste und Rückgabeklappe.

Vielleicht wird deshalb auf Buchmessen so ernst über Zukunft gesprochen, während überall noch Papier raschelt. Weil Bücher eine Zumutung bewahren, die der Gegenwart guttut: Sie lassen sich nicht nebenbei erledigen. Ein Buch fragt nicht nach unserer Verfügbarkeit, es fordert unsere Anwesenheit. Das ist in einer Verwaltung, die zugleich digitaler, schneller und bürgernäher werden soll, eine fast subversive Erinnerung. Nicht alles, was wichtig ist, passt eben in ein Dashboard.

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