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In Esslingen ist der Teufel los

Das Kunstwerk "Zwieblinger Teufel" auf dem Rathausplatz in Esslingen sorgt seit Tagen für heftige Debatten, vor allem im Netz.
IMAGO/Arnulf Hettrich)Ein Farbanschlag, Beleidigungen, Morddrohungen: Der Teufel ist los – und zwar in Esslingen. Eine neue Skulptur zeigt den Beelzebub auf dem Rathausplatz, 2,50 Meter hoch aus Bronze und rund 400 Kilogramm schwer. Der wütende Höllenfürst mit Hörnern und Pferdefuß hält angeekelt eine angebissene Zwiebel empor. Das Geschenk einer Firma greift eine Stadtlegende auf. Danach kam der Teufel als feiner Herr auf den Markt, um einen Apfel zu kaufen. Die Marktfrau erkannte ihn und reichte ihm stattdessen eine Zwiebel. Daraufhin soll er den Esslingern den Spitznamen „Zwieblinger“ verpasst haben – und nach Stuttgart geflohen sein.
Kaum war das Werk enthüllt, begann die große Austreibung. Eine Petition sammelt Tausende Unterschriften, auf Facebook wird der Untergang des Abendlandes ausgerufen, und manche Zeitgenossen halten es für geboten, ihre Ablehnung gleich mit Morddrohungen zu garnieren. Schließlich wurde der Zwiebelteufel auch noch mit schwarzer Farbe besprüht.
Das Böse kommt oft harmlos wie ein Pudel daher
Vielen Kritikern geht es um Grundsätzliches: Darf man das Böse überhaupt darstellen? Sollte man nicht lieber das Gute zeigen, die mutige Marktfrau etwa? Ja, eine bronzene Frau wäre ein Symbol der Klugheit. Nur hätte man dann vermutlich die nächste Petition am Hals. Die einen würden die Darstellung für zu feministisch halten, für die anderen hätte sie zu wenig Biss.
Wer wird den Teufel gleich an die Wand malen, mag man den Zwieblingern zurufen: Das Böse kommt oft harmlos wie ein Pudel daher und Kunst darf den Widerspruch einer freien Gesellschaft provozieren. Goethe war zwar nie in Esslingen, doch sein Mephisto hätte auf dem Marktplatz seine Freude. „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“, sagt er im Faust. Oder: Wer den Teufel austreiben will, ist nicht automatisch auf der Seite des Guten.