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Bodensee-Airport will mit Zuschussmodell abheben

Der Flughafen Friedrichshafen hofft durch die neuen Zuschüsse für Fluglinien mehr Passagiere an den Bodensee zu holen.
IMAGO/Eibner-Pressefoto)Friedrichshafen. Zwei neue Strecken, vier Urlaubsziele: Ryanair baut sein Angebot am Bodensee aus. Dahinter steckt nicht nur das Potenzial der Vier-Länder-Region, sondern auch ein neues Fördermodell. Es soll Airlines anlocken und verändert die Spielregeln am südlichsten Verkehrsflughafen Deutschlands.
Ryanair kehrt nicht nur zurück, sondern legt nach. Ab dem Sommerflugplan 2027 verbindet die Airline Friedrichshafen mit Porto in Portugal und Bari in Süditalien. Zusammen mit Alicante und Palma de Mallorca wächst damit das Angebot auf vier Ziele.
Doch warum entdeckt der irische Billigflieger Friedrichshafen gerade jetzt neu für sich, während er an Großflughäfen wie Hamburg und Berlin seine Kapazitäten reduziert? Die Antwort gibt Ryanair in einer Presseerklärung selbst: Wachsen werde man dort, wo aktiv daran gearbeitet wird, die Kosten zu senken.
Der Bodensee-Airport macht neuerdings das, was an anderen Flughäfen geübte Praxis ist. Seit April gibt es ein Förderprogramm, das Airlines mit neuen Strecken und zusätzlichem Passagierwachstum anlocken soll. Zwar gilt für alle Fluggesellschaften, die in Friedrichshafen starten und landen, dieselbe Entgeltordnung. Ryanair zahlt also nicht einfach einen niedrigeren regulären Tarif. Als „Neukunde“ profitiert die Fluggesellschaft aktuell aber auf jeder Strecke, die sie anbietet.
Auch neu gegründete Air Uniqon profitiert von den Zuschüssen
Im ersten Jahr gibt es vom Flughafen einen Zuschuss von zehn Euro je abfliegendem Passagier, im zweiten Jahr acht und im dritten Jahr sechs Euro. So soll der Start neuer Verbindungen erleichtert werden. Für Ryanair dürfte dies ein entscheidender Anreiz sein, nach zehn Jahren Pause wieder ab Friedrichshafen zu fliegen. Aber auch eine zweite Fluggesellschaft profitiert davon: die Air Uniqon, die nach Berlin, Hamburg und Sylt fliegt und eigens gegründet wurde, um die innerdeutschen Strecken zum Bodensee zu reaktivieren.
Der wirtschaftliche Effekt ist erheblich. Nach Angaben des Airports beträgt das reguläre Passagierentgelt für einen abfliegenden Fluggast auf einer EU-Verbindung seit April 11,41 Euro. Hinzu kommen Lande-, Emissions- und Lärmschutzgebühren. Im ersten Förderjahr wird mit dem Zuschuss also ein großer Teil des Passagierentgelts ausgeglichen. Die Förderung sei deshalb schon „spürbar“, räumt Flughafen-Sprecher Bernd Behrend ein. Zugleich betont er, dass die Einnahmen aus den zusätzlichen Flügen trotz Förderung positiv blieben.
Förderung soll neue Fluglinien anlocken
Für Friedrichshafen ist das ein grundlegender Kurswechsel. Ein solches Förderprogramm gab es dort nach Angaben des Flughafens bislang nicht. Nun wird Geld gezielt eingesetzt, um neue Airlines, Strecken und Flugbewegungen zu gewinnen. Der Flughafen versteht das als branchenübliches Instrument der Streckenakquise – und als Investition in die eigene Zukunft.
Die Rechnung dahinter: Neue Strecken bringen zusätzliche Einnahmen, mehr Flugverkehr kann weitere Airlines auf den Standort aufmerksam machen. Der Flughafen setzt darauf, dass die Förderung langfristig mehr Geschäft ermöglicht, als sie kostet.
Denn Friedrichshafen konkurriere nicht nur mit Memmingen oder Stuttgart, heißt es bei der Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG) . Für eine Airline wie Ryanair kämen auch zahlreiche andere europäische Standorte infrage, etwa Prag, Pisa, Krakau oder Rotterdam. Ein Flugzeug kann schließlich an vielen Orten eingesetzt werden.
Stadt und Kreis schießen pro Jahr je eine Million Euro zu
Dabei ist die Kostenfrage für den Bodensee Airport existenziell . Dass der Flughafen in den nächsten Jahren weiter Verluste machen wird wie 2025 (minus vier Millionen Euro), ist strategisch eingepreist. Bis 2028 halten die öffentlichen Hauptgesellschafter die Füße still.
Jährlich gibt es bis dahin sowohl von der Stadt Friedrichshafen als auch vom Bodenseekreis einen Zuschuss von einer Million Euro. Jeweils eine weitere Million müssen die privaten Gesellschafter und der Flughafen selbst als Deckungsbeitrag bringen.
Flughafen lässt offen, wie viel Geld an die Fluglinien gezahlt wird
Wie viel Geld insgesamt in die Förderung – und damit indirekt in die Kassen von Ryanair & Co. – fließen soll, bleibt vorerst offen. Der Flughafen verweist auf den Jahresabschluss 2026, der im Mai 2027 vorliegen soll. Im Wirtschaftsplan gibt es sicher eine entsprechende Position, aber der sei vertraulich. Auch zu den Passagierzahlen einzelner Fluggesellschaften will die FFG keine Auskunft geben. Fakt ist aber, dass nicht viel in der Kasse bleibt, wenn von 11,41 Euro Passagierentgelt zehn Euro an die Fluglinie zurückgezahlt werden. Rechtlich sei das Konstrukt in Ordnung, heißt es. Das Förderprogramm sei Bestandteil der genehmigten Entgeltordnung.
Für den Flughafen ist das trotzdem ein wirtschaftlicher Balanceakt. Er muss beweisen, dass sich die Anschubhilfe tatsächlich auszahlt. Wie es später laufen kann, zeigt aktuell das Beispiel des Flughafens Bremen, der der Hansestadt gehört. Im Sommerflugplan 2027 stehen keine Flüge mehr mit Ryanair.
Die Bremer Wirtschaftsbehörde warf der Fluggesellschaft laut einer Mitteilung vor, „nicht erfüllbare Forderungen“ aufgestellt zu haben. „Ryanair wollte die Leistungen des Flughafens und die Nutzung seiner Infrastruktur nahezu kostenfrei erhalten.“ Das sei nicht seriös.
Einer der kleinsten Flughäfen bundesweit
Mit 250 000 Passagieren im vergangenen Jahr gehört Friedrichshafen zu den kleinsten Verkehrsflughäfen in Deutschland. Zum Vergleich: Karlsruhe/Baden-Baden hatte 2025 rund 2,3 Millionen Fluggäste. Der Airport wird zu je knapp 40 Prozent vom Bodenseekreis und der Stadt Friedrichshafen getragen. Das Land ist mit etwas mehr als fünf Prozent beteiligt. Zu den Gesellschaftern zählen auch Unternehmen aus der Region.