Leonberg gründet ein Netzwerk für gesellschaftliche Teilhabe

Oberbürgermeister Tobias Degode unterzeichnet als Schirmherr das Grundsatzpapier für das Netzwerk
Lina Friesen/Stadt Leonberg)Leonberg. Die Haushaltsberatungen in den Kommunen stehen bevor – und in vielen Kommunen wird es eng. Sogenannte „freiwillige Aufgaben“ stehen allerorten auf dem Prüfstand. In zwei Wochen wird auch Leonbergs Oberbürgermeister Tobias Degode (parteilos) den Haushaltsentwurf der Verwaltung im Gemeinderat vorstellen. „Wir legen dem Gemeinderat einen genehmigungsfähigen Haushaltsplanentwurf vor. Dieser wird Einschnitte in vielen, ja in fast allen Bereichen bedeuten“, sagt er bei der Gründungsveranstaltung des Leonberger Netzwerks für gesellschaftliche Teilhabe an diesem Donnerstagabend. Gespart wird auch bei Vereinen und Ehrenamt. „Behutsam“, wie er sagt. Es werde weiterhin in allen Bereichen Unterstützung der Stadt geben, doch der Umfang werde sich verändern und auch einige Leistungen würden nicht mehr wie gewohnt weitergeführt, warnte Degode vor. Doch man sei sich auch bewusst. „welche Verantwortung wir insbesondere für das Ehrenamt und für unsere Institutionen in der Stadt haben“, so der Oberbürgermeister.
„Nicht von oben verordnet“
Klar ist aber auch: Die Kommune steht vor Veränderungen. Gleichzeitig wolle man diese so gestalten, dass die Stadtgesellschaft ihre Identität wahren kann und es weiterhin Spielräume für die Gestaltung gibt. Und da kommt nun das Leonberger Netzwerk für gesellschaftliche Teilhabe ins Spiel, das an diesem Donnerstagabend gegründet wurde. Die Initiative dazu kommt vom Amt für Jugend, Familie und Schule und dem Amt für Kultur und Sport. Mit dem Netzwerk sollen Ressourcen gebündelt, Kooperationen gefördert und das Engagement von Vereinen und Institutionen sichtbarer gemacht werden. Wie das im Einzelnen funktioniert, legen die Mitglieder gemeinsam fest. „Es wird nicht von oben verordnet“, verspricht Degode. Die Verwaltung könne den Rahmen bieten und Brücken bauen, mit Leben erfüllen müssten die Menschen das Netzwerk, die vor Ort arbeiten. Um Teilhabe im Alltag möglich zu machen, brauche es Verlässlichkeit, Austausch und Anerkennung. „Dieses Netzwerk ist dafür ein guter Anfang“, sagt Degode, der an diesem Abend als Schirmherr das Grundsatzpapier mit den Rahmenbedingungen für das Netzwerk unterzeichnet hat.
Ein Grund für die Netzwerkgründung ist nach Angaben von Florian Streib, Leiter des Amts für Kultur und Sport, eine Plattform zu bieten für den Zusammenhalt, statt Abschottung und Verteilungskämpfen. Bereits vor einem Jahr setzte man sich deshalb nach einem konkreten Vorfall mit einigen Leuten gemeinsam an einen Tisch. Daraus entwickelte sich Stück für Stück die Idee eines Netzwerks. Streib räumt ein, dass es bereits viele Kooperationen und Netzwerke gibt. Was jedoch fehle – so auch die Rückmeldung von vielen Aktiven – sei etwas Übergreifende, über verschiedene Bereiche hinweg. „Genau das setzt das Netzwerk an“, sagt Streib. Und er hofft, dass sich daraus letztendlich auch Kooperationen entwickeln, an die bisher noch gar nicht gedacht wurde.
Erste Zusammenarbeit bei der Langen Nacht der Demokratie
Die Zusammenarbeit kann vielfältig sein, ob es nun um Aushilfe bei Räumen für Veranstaltungen geht, um gegenseitige Unterstützung bei Festen und Veranstaltungen oder sonstige Hilfen. „Voneinander zu profitieren, das ist das Ziel“, sagt Streib. Als Beispiel für bereits aus dem Prozess zur Netzwerkgründung entstandener Zusammenarbeit nennt er die Veranstaltungen am 2. Oktober zur Langen Nacht der Demokratie, bei der viele verschiedene Vereine und Organisationen in der Stadt mitgemacht haben. „Wir hoffen, dass da noch ganz viel folgt“, so Streib.
Gegliedert ist das Netzwerk in mehreren Stufen, wie die Anke Wagner, Amtsleiterin des Amts für Jugend, Familie und Schule, erläutert. Das Plenum mit allen, die am Netzwerk mitwirken, trifft sich einmal im Jahr. Aus dem Plenum heraus entstehen Arbeitsgruppen mit jeweiliger Leitung. Die Leitungen wirken auch in der Steuerungsgruppe mit, dem zentralen Ansprechpartner des Netzwerks nach außen und fungieren als Schnittstelle zur Netzwerkkoordination, die von Wiebke Hebold vom Amt für Jugend, Familie und Schule wahrgenommen wird.
Die Steuerungsgruppe nimmt die Berichte aus den Arbeitsgruppen an, bespricht und evaluiert diese und gibt dann auch wieder Rückmeldungen in die Arbeitsgruppen. Immer mit dem Ziel, möglichst viel für die gesamte Stadtgesellschaft zu erreichen. Wer wo mitarbeiten wird, entscheidet sich am 30. November, beim ersten Netzwerktreffen. Gesteuert wird alles über eine gemeinsame Netzwerkplattform. Hier können sich Vereine, Institutionen und Organisationen mit Sitz in Leonberg – keine Privatpersonen – für die Mitarbeit im Netzwerk registrieren, hier werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppe abgebildet.
Digitale Netzwerkplattform als Grundlage für die Arbeit
Auf der Netzwerkplattform gibt es digitale Räume für die Arbeitsgruppen, Termine und auch ein Schwarzes Brett, wo Themen gesucht, Unterstützung angefragt werden kann. Auch die Vereine und Organisationen, die dem Netzwerk angehören, sind hinterlegt. Die Mitgliederübersicht zeigt, wer zu einem Thema gezielt angesprochen werden könnte oder wer vielleicht im Netzwerk auch noch fehlt. Teilnehmen können sowohl Vereine, Institutionen, aber auch Glaubensgemeinschaften.
Es geht um aktive Beteiligung, um Dialog, um die Stärkung der Gemeinschaft und des Gemeinschaftsgefühls, wie Wagner deutlich macht. Nach zwei Jahren soll das Netzwerk evaluiert werden. Es wird geschaut, wie ist man im Netzwerk unterwegs, was wurde erreicht, wie wurden Veranstaltungen beworben, wer wurde mit Maßnahmen und Ideen erreicht. Und bei Bedarf wird optimiert und nachgesteuert, so Wagner. „Das ist uns ganz wichtig – dass es nicht einfach läuft, ohne dass wir hinschauen.“
Dinge proaktiv angehen
Kräftige Unterstützung gibt es an diesem Abend auch von Hannes Schuster, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Allianz für Beteiligung und Veronika Kienzle aus dem Referat Bürger und Jugendbeteiligung des Staatsministeriums. Kienzle zeigte sich beeindruckt vom Zusammenspiel zwischen Bürgerschaft, Vereinen, Institutionen, religiösen Gemeinschaften, Verwaltung und Politik in Leonberg. Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen, gelinge am besten in der Gemeinschaft und im Dialog. Und dafür sei ein Netzwerk wichtig, jenseits von Parteizugehörigkeit, von Glaubensrichtungen, von Vereinsausrichtungen. Und auch Hannes Schuster hebt die Bedeutung von Netzwerken hervor, um die Last auf verschiedene Schultern zu verteilen, überparteilich, über Themen hinweg.
Auch erste Ideen und Angebote der Teilnehmer wurden auf verschiedenen Tafeln bereits gemacht. Der suchte Mitarbeiter, andere hatten Räume, die sie anbieten konnten. Für Kienzle ist das Netzwerk in Leonberg mit den klaren Strukturen ein tolles Angebot, in die Stadt reinzuwirken und eine Möglichkeit, Dinge proaktiv anzugehen und nicht zu warten, bis es zu großen Konflikten kommt.