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Wie Münzen die eigene Stadtgeschichte erzählen

Die neue Abteilung in der Dauerausstellung im Esslinger Stadtmuseum zeigt die Stadtgeschichte aus einem besonderen Blickwinkel und als Ort der Münz- und Medaillenherstellung, sagt Kuratorin Julia Schierl.
Ralf Schick)Esslingen. Die Münzen- und Medaillenstiftung Gerhard Kümmel zählt vermutlich zu einer der umfangreichsten Sammlung von Münz- und Medaillenprägungen. Und sie erzählt von einer mittelalterlichen Prägezeit bis hin zum Notgeld der Inflationszeit aus Esslingen am Neckar.
Seit Montag dieser Woche gibt es im Esslinger Stadtmuseum im Gelben Haus dazu eine neue Abteilung der Dauerausstellung. Zu sehen sind rund 400 Exponate, darunter etwa 30 Münzen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert, viele historische Medaillen sowie Werkzeuge und weitere Objekte.
Die Sammlung hat der Esslinger Gerhard Kümmel über Jahrzehnte zusammengetragen. Um sie dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde sie in eine Stiftung überführt und dem Stadtmuseum zur Verfügung gestellt.
„Vom mittelalterlichen Silberpfennig bis zum Münzstempel für das chinesische Kaiserreich erzählt die Ausstellung Esslingens Geschichte aus einem besonderen Blickwinkel und als Ort der Münz- und Medaillenherstellung“, sagt Kuratorin Julia Schierl.
„Ein Herzstück der Sammlung und stadtgeschichtlich besonders wertvoll sind die Esslinger Denare aus dem Mittelalter. Diese silbernen Fernhandelspfennige wurden ab dem 10. Jahrhundert in Esslingen geprägt und gelangten von hier aus in die Welt“, betont Schierl.
Eine der frühesten Münzstätten in Schwaben
Esslingen gehörte schon damals zu den frühesten Münzstätten in Schwaben. „Da das hohe Mittelalter eine sehr quellenarme Zeit ist, sind diese Münzen wichtige Zeugnisse der Stadtgeschichte“, heißt es weiter. In diesem Umfang gebe es die sogenannten Esslinger Denare sonst nur noch in der Eremitage im russischen n St. Petersburg und in der Königlichen Münzsammlung in Stockholm.
Im Gegensatz zu Münzen, die als Zahlungsmittel dienten, wurden Medaillen zu besonderen Anlässen geprägt. Über Jahrhunderte entstanden in Esslingen Medaillen zu Jubiläen und besonderen Ereignissen. Sie zeigen einen reichen Bilderschatz und versteckte Botschaften.
„Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auch auf Medaillen, die anlässlich von Jubiläumsfeiern beauftragt wurden“, erzählt Schierl. Sie verdeutlichen beispielsweise, wie die Stadt bedeutende Ereignisse dauerhaft in das kollektive Gedächtnis einschrieb und zugleich die Selbstwahrnehmung und Darstellung der eigenen Geschichte formte.
Zu den herausragenden Objekten zählen auch seltene Goldmedaillen zum Reformationsjubiläum von 1717. Auch zum Stadtjubiläum 1977 wurden Medaillen geprägt, ebenso zu Amts- und Vereinsjubiläen oder anderen Gedenkfeiern.
Werkzeuge für das chinesische Kaiserreich
Ein weiterer Schatz der Sammlung verweist auf die Esslinger Gewerbegeschichte: Die Präge- und Gravieranstalt Otto Beh lieferte im 19. Jahrhundert Werkzeuge zur Herstellung geprägter Münzen für das chinesische Kaiserreich. Die in China sehr gefragten Prägestempel zeugen von einem bislang wenig bekannten Kapitel der Esslinger Industriegeschichte.