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Ditzingen ist Vorbild für erfolgreiche Planungswettbewerbe

Das Kinderhaus Schloss Ditzingen wurde von der Architektenkammer BW bereits für „Beispielhaftes Bauen“ ausgezeichnet.
Ditzingen)Stuttgart . Die Architektenkammer hat die Stadt Ditzingen (Landkreis Ludwigsburg) als „Auslober des Jahres“ ausgezeichnet. „In einer Zeit, in der Städte und Gemeinden zunehmend zu – vermeintlich – einfacheren und weniger aufwändigen Vergabeverfahren tendieren oder gar auf Generalplanung setzen, brachte die Stadt zahlreiche Wettbewerbsverfahren auf den Weg“, begründet die Kammer dies.
„Ditzingen steht exemplarisch für eine vorbildliche Planungskultur und ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Qualität der gebauten Umwelt“, lobt Fred Gresens, der Vorsitzende des Ausschusses Vergabe und Wettbewerb der Kammer. Die Große Kreisstadt habe mehrere Projekte im Wettbewerb vergeben, darunter eine Grundschule und zwei Kindergärten. Für Gresens sind Planungswettbewerbe gerade für bauliche Aufgaben das zentrale Instrument, um „qualitativ hochwertige Lösungen“ zu erzielen.
Pflicht, die Durchführung eines Wettbewerbs zu prüfen
Gresens verweist dabei auf die Vergabeverordnung: „Sie verpflichtet öffentliche Auftraggeber, bei bestimmten Planungsleistungen die Durchführung eines Planungswettbewerbs zu prüfen.“ Wer darauf verzichte, sollte dies nachvollziehbar begründen. Dies bleibe jedoch häufig aus. Stattdessen werde auf einen vermeintlichen Mehraufwand, fehlende finanzielle Mittel oder die Komplexität des Verfahrens verwiesen. „Doch das stimmt definitiv nicht, wie zahlreiche Gutachten belegen“, betont Gresens.
Für ihn sind Planungswettbewerbe der Schlüssel zu guter Baukultur: „Sie ermöglichen es, unterschiedliche Entwürfe und Lösungsansätze direkt miteinander zu vergleichen und fördern funktionale, gestalterisch hochwertige sowie wirtschaftliche Lösungen.“ Gerade bei standardisierten Bauaufgaben wie einem Kindergarten würden sich im Wettbewerb oft erhebliche Unterschiede zeigen. Eine effizientere Flächennutzung von wenigen Hundert Quadratmetern könne Baukosten um mehrere Hunderttausend Euro senken. Den Preisgeldern im Wettbewerb stünden damit häufig erhebliche Einsparungen gegenüber.
Zugleich widerspricht Gresens dem weitverbreiteten Vorwurf, Wettbewerbe seien zeitaufwendiger als herkömmliche EU-Vergabeverfahren mit den vorgeschriebenen Bekanntmachungs- und Angebotsfristen. Im Gegenteil. Im Wettbewerb erhielten Auftraggeber bereits Vorentwürfe und damit frühzeitig konkrete Lösungsvorschläge, führt er an. Dies erspare einen Planungsschritt, der andernfalls separat vergeben werden müsste. Zudem würden Preisgelder teilweise auf das spätere Honorar angerechnet. „Das ist ein doppelter Gewinn.“ Dennoch beobachtet er vielerorts immer noch Zurückhaltung. Es sei für viele Kommunen eben schwer nachzuvollziehen, anfangs zunächst Geld zu investieren, um später Kosten zu sparen.
Nach Meinung von Gresens bräuchten sich Kommunen auch nicht wegen fehlender Kompetenzen zu sorgen. Die Betreuung übernähmen spezialisierte Wettbewerbsbüros. Auch die Sorge, Einfluss auf Entscheidungen zu verlieren, sei unbegründet. Tatsächlich seien Planungswettbewerbe transparente und anonyme Verfahren, bei denen unabhängige Preisgerichte die Entwürfe bewerten, so Gresens.
Bahmer: Der zusätzliche Aufwand ist überschaubar
Ditzingen will seinen Weg weitergehen. Mit wettbewerblichen Verfahren, Preisgerichten und Jurys habe man durchweg gute Erfahrungen gemacht, sagt Ulrich Bahmer, der Erste Bürgermeister. Für die mehr als 1250 Jahre alte Kommune seien sie ein wichtiges Instrument, um städtebauliche Qualität zu sichern und Wachstum behutsam zu gestalten.
Für Bahmer zählt, dass der Austausch mit Planern, Architekten und Sachverständigen neue Impulse bringt und zu architektonisch, funktional und wirtschaftlich überzeugenden Lösungen führt. Zudem würden Kosten frühzeitig transparent und die Projekte insgesamt wirtschaftlicher geplant. Das zahle sich aus.