Arbeiten beim Zoll: Vielfältiger Einsatz für Bürger, Wirtschaft und Sicherheit

Wer sich im Leben den Beruf als Zöllner aussucht, sollte nach Ansicht von langjährigen aktiven Beamten neugierig sein. Und flexibel in puncto Umzug, denn die Ausbildung findet in Münster (gehobener Dienst), Plessow, Rostock und Sigmaringen (mittlerer Dienst) statt.

Die beiden Zollbeamten Franziska Bosch und Carlo Seifert vor ihrer Ulmer Dienststelle.

Ralf Schick)

ULM/SIGMARINGEN. „Der Zoll bietet dir viele Möglichkeiten, deine Talente voll zu entfalten“, wirbt die Generalzolldirektion für den Nachwuchs. Rund 40 000 Frauen und Männer tun dies derzeit in Deutschland, rund 900 davon sind aktuell im Bereich Ulm beschäftigt. So wie etwa die 26-jährige Franziska Bosch oder der 31-jährige Carlo Seifert. Bosch ist vor allem im Bereich des Schmuggels im Einsatz, während Seifert ein Team bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit leitet.

Einsatz zu zweit im Team und auch mit Spürhunden

„Vor zwei Wochen hatten wir beispielsweise ein Auto kontrolliert, das hing total durch, da hatte jemand 150 Kilogramm Kaffee geschmuggelt und Grappa“, erzählt Bosch. Meistens sind die Zollbeamten zu zweit im Einsatz oder auch mit Spürhunden, um Fahrzeuge etwa nach geschmuggeltem Tabak, Spirituosen, Drogen oder Bargeld zu überprüfen. Gefährliche Einsätze habe es bisher für die jungen Beamten nicht gegeben, „auch wenn man immer etwas angespannt ist, weil man ja nie weiß, was genau auf einen zukommt“, betonen Bosch und Seifert.

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„Die Ausbildung im mittleren Dienst dauert zwei Jahre, im gehobenen Dienst drei Jahre“, erzählt Jannik Bitterwolf. Der 28-Jährige ist im Ausbildungsbereich tätig und in Ulm mit für die Nachwuchswerbung zuständig. „Wer zum Zoll will, sollte vor allem neugierig sein“, betonen alle drei Zollbeamte, die jeweils ihre Laufbahn im mittleren und gehobenen Dienst durchlaufen haben.

Die Ausbildung beginnt zunächst mit einem sechsmonatigen Einführungslehrgang in Plessow, Rostock, Sigmaringen oder Münster. „Dort lernt man erstmal die rechtlichen Grundlagen der Arbeit kennen“, sagt Bosch. Zur Theorie gehören unter anderem Steuerrecht, Verwaltungsrecht, Grundsätze der deutschen Verwaltung, Betriebswirtschaftslehre oder wie eine Behörde funktioniert, sagt Seifert. Weitere Unterrichtsinhalte sind unter anderem das Vollzugsrecht, das Recht des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, Zolltarifrecht oder Vollstreckungsrecht.

„Den Einführungslehrgang schließt man mit der Zwischenprüfung ab“, sagt Kommunikationsleiter Hagen Kohlmann vom Hauptzollamt Ulm. Dann beginnt der zwölfmonatige praktische Ausbildungsteil in verschiedenen Dienststellen, ehe es wieder zurück nach Plessow, Rostock, Sigmaringen oder Münster geht. Für den mittleren Dienst ist ein Realschulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit zweijähriger anerkannter Berufsausbildung des Bundesinstituts für Berufsbildung Voraussetzung, für den gehobenen Dienst Abitur oder Fachhochschulreife.

„Wir nehmen der Klientel etwas weg, was ihnen nicht rechtmäßig gehört“

„Im Unterschied zur Polizei sind wir eine reine Fiskalbehörde. Bei uns geht es ums Geld und wir nehmen der Klientel etwas weg, was ihnen nicht rechtmäßig gehört“, spitzt Seifert den Zollalltag zu. In seinem Bereich der Schwarzarbeit habe man es viel mit illegaler Arbeit, Aufenthaltsrecht und -genehmigung zu tun und insbesondere, ob jemand seine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt – egal ob Arbeitnehmer oder Unternehmen. Die meisten Hinweise bekommen die Zollbeamten telefonisch, mal mit Namen, mal anonym. Dann werde die Situation eingeschätzt und geprüft, ob aus dem Hinweis ein Verdacht entsteht, dem die Behörde dann nachgeht.

Wer die Ausbildung im mittleren Dienst machen möchte, kann mit einer Ausbildungsvergütung von rund 1300 Euro netto rechnen, im gehobenen Dienst von rund 1500 Euro netto. Hinzu kommen noch Zulagen. Während der Ausbildungszeit schläft man in Zweibettzimmern, seit der Corona-Pandemie aber im Einzelzimmer.

Ralf Schick

Redakteur Landeskundliche Momente und Beruf und Karriere

0711 66601 185

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