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Nur vier von zehn Studenten rechnen mit zügigem Berufsstart

Die Zuversicht beim Berufseinstieg sinkt: Laut einer aktuellen Studie rechnen deutlich weniger Studierende als noch vor zwei Jahren mit einem schnellen Job nach dem Abschluss.
Getty Images Signature und ales-munt via Canva.com // Fotomontage: pkw)Stuttgart. Laut der aktuellen EY-Studierendenstudie ist die Zuversicht der angehenden Akademiker in puncto Berufseinstieg deutlich gesunken: Nur noch vier von zehn Studierenden (39 Prozent) sind sich sicher, nach ihrem Abschluss schnell einen Job zu finden, der ihren Erwartungen entspricht. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 54 Prozent.
Aktuell zeigt sich darüber hinaus fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) zumindest vorsichtig optimistisch – vor zwei Jahren waren es 40 Prozent. Deutliche Unterschiede zeigen sich je nach Studienrichtung: Am zuversichtlichsten sind aktuell Studierende der Medizin (50 Prozent, Minus zwölf Prozentpunkte).
Vergleichsweise hoch sind den Angaben zufolge die Werte auch bei den angehenden Juristinnen und Juristen. Am anderen Ende der Skala finden sich hingegen Studierende der Naturwissenschaften (29 Prozent, Minus zwölf Prozentpunkte) und angehende Kulturwissenschaftler (30 Prozent, Plus sechs Prozentpunkte).
Die Studierenden sehnen sich nach Stabilität und Sicherheit
Mehr als die Hälfte der Studierenden sagt darüber hinaus, dass ein stabiler und sicherer Arbeitsplatz für sie ein Top-Faktor bei der Wahl ihres zukünftigen Arbeitgebers sei. Damit liegt dieser Aspekt bei Studierenden an erster Stelle, neun Prozentpunkte vor dem Gehalt, das von mehr als vier von zehn Befragten als wichtiges Kriterium genannt wird.
Bei der letzten Studierendenstudie von EY aus dem Jahr 2024 lag noch das Gehalt auf Platz eins, die Jobsicherheit kam erst danach. Für Frauen (57 Prozent) ist die Arbeitsplatzstabilität sogar noch etwas wichtiger als für Männer (47 Prozent).
„Die Ergebnisse zeigen einen klaren Paradigmenwechsel: Für die Generation Studierender wird Sicherheit zum immer stärkeren Orientierungsfaktor – über Karriere, Gehalt und Entwicklung hinweg“, sagt Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Personal und Unternehmenskultur bei EY.
Dies habe auch mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu tun, die auch bei den Studierenden auf die Stimmung drückt, aber auch die Corona-Zeit oder der Ukraine-Krieg spielen eine Rolle. „Der Optimismus, nach dem Studium rasch einen passenden Job zu finden, lässt nach“, sagt Hinz.
„Klassische Karriere- und Gehaltsziele verlieren etwas an Gewicht, während verlässliche Perspektiven und Stabilität stärker in den Fokus rücken“, ergänzt Nicole Dietl, Partnerin Assurance und Talent Leaderin bei EY.
Der rasante Fortschritt bei neuen Technologien wie etwa Künstlicher Intelligenz verändere Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen zudem spürbar – „und stellt für viele Studierende die langfristige Verlässlichkeit einzelner Berufsbilder infrage.“ Auffällig sei dabei zudem, dass Studentinnen im Schnitt geringere Gehaltsvorstellungen formulierten als ihre Kommilitonen – ein Unterschied, der eng mit strukturellen Faktoren wie der Wahl häufig niedriger vergüteter Studienfächer zusammenhänge.
Gut bezahlte Studiengänge sind männlich geprägt
„Gleichzeitig sind besonders gut bezahlte naturwissenschaftliche und technische Studiengänge weiterhin überwiegend männlich geprägt. Dass sich diese Unterschiede früh verfestigen, ist problematisch, weil sie bestehende Ungleichgewichte verstärken und Potenziale ungenutzt lassen“, so Dietl.
Erhebung seit 2014
Für die EY-Studie wurden im Frühjahr 2026 mehr als 2000 Studierende in Deutschland befragt. Seit Erhebungsbeginn der EY Studierendenstudie im Jahr 2014 sind die erwarteten Einstiegsgehälter der angehenden Akademiker in Deutschland stets gestiegen, das Jahr 2018 bildet hier die einzige Ausnahme. So rechneten Studierende 2014 noch mit 35 100 Euro pro Jahr zum Berufseinstieg. Zwölf Jahre später erwarten sie einen Lohn von 44 800 Euro, also fast 10 000 Euro mehr.