Debatten im Landtag vom 19. und 20. Juni 2013

Regionale Dachmarken sollen von unten wachsen

Stuttgart. Keine Mehrheit gab es im Landtag für den Antrag der CDU-Fraktion, die Landesregierung möge Konzepte für die Entwicklung neuer regionaler Dachmarken etwa im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb oder in Hohenlohe durchführen. Zwar waren sich Vertreter aller Landtagsparteien darüber einig, dass regionale Dachmarken sowohl touristisch als auch wirtschaftlich ein wichtiger Faktor für die regionale Entwicklung in Baden-Württemberg sind. Die Fraktionen von Grünen und SPD und auch Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) sprachen sich allerdings dagegen aus, regionale Dachmarken von oben zu entwickeln und den entsprechenden Regionen überzustülpen.
„Bei einer regionalen Dachmarke handelt es sich nicht nur um ein Bebberle am Auto, sondern um ein Instrument, um Marketing für regionale Entwicklung zu betreiben“, sagte der CDU-Abgeordnete Paul Locherer. Er warf der grün-rote Landesregierung vor, sich zwar Regionalität auf die Fahnen geschrieben zu haben, aber bisher „relativ wenig bis nichts“ dafür getan zu haben. Die Schaffung und Förderung von weiteren regionalen Dachmarken biete dem Verbraucher Sicherheit und stärke die entsprechende Region. Im Gegensatz zur Landesregierung habe etwa die Bundesregierung das Projekt „Regionalfenster“ angeschoben. „Warum tun Sie nichts in dieser Richtung?“, fragte Locherer Minister Bonde. Der CDU-Abgeordnete forderte Bonde und die gesamte Landesregierung dazu auf, mehr zu tun, um regionale Dachmarken zu entwickeln und zu vermarkten. „Ich frage mich, wo überhaupt in unserem Land das Wirtschaftsministerium stattfindet“, sagte Locherer. „Regionale Dachmarken sind starke Signale nach außen und innen“, so der CDU-Abgeordnete, „tun Sie etwas für die Regionalität in diesem Land.“
Bernd Murschel (Grüne) warnte dagegen davor, regionale Dachmarken einfach zu erfinden. „Damit muss man auch vorsichtig sein, eine Dachmarke ist kein Garant dafür, dass alles funktioniert.“ Es sei zu einfach gedacht, zu glauben, man müsse nur eine neue Marke erfinden, dann ließen sich schon alle Produkte gut vermarkten und Geld verdienen. „Ein Dachmarkenprozess ist immer eine Strategie, die eine Vielzahl von Produkten unter einem Dach erfasst“, so Murschel. Man könne Initiativen unterstützen und fördern, aber keine Dachmarken kreieren, wenn keine Initiativen dahinterstünden.

Storz: „Dachmarken müssen nicht vom Land entwickelt werden”

Die Dachmarke „Vier-Länder-Region-Bodensee“ nannte der Singener SPD-Abgeordnete Hans-Peter Storz als gelungenes Beispiel für eine Dachmarke. „Der Anstoß dazu kam nicht von oben, sondern von unten – das ist das Erfolgsrezept“, so Storz. Möglichst viele bestehende Einzelmarken sollten sich unter einem Dach zusammenschließen – und dort gleichzeitig gegeneinander abgrenzen können. Eine grenzüberschreitende Dachmarke wie am Bodensee zu schaffen und sie gemeinsam zu vermarkten, so Storz weiter, wäre von oben her unendlich schwierig. „Dachmarken sind vor Ort gut aufgehoben und müssen nicht vom Land entwickelt oder begleitet werden.“ Aufgabe des Landes sei es, Standortmarketing für die Toursimusregion Baden.Würtemberg zu betreiben. „Und da stehen wir gut da“, so Storz.
Friedrich Bullinger forderte für die FDP, die Regionen in Baden-Württemberg in der öffentlichen Wahrnehmung stärker mit Tourismus zu verbinden. Regionale Dachmarken müssten von unten wachsen, den Rahmen aber müsse die Politik setzen. „Da gibt es noch viel zu tun“, stellte Bullinger fest.

Bonde: „Regionalität ist ein Gegentrend zur Globalisierung"

Eine deutliche Absage erteilte auch Landwirtschaftsminister Bonde der Forderung an das Land, sich der Entwicklung neuer Dachmarken anzunehmen. Bonde bezeichnete Regionalität als einen „Megatrend“, als Gegentrend zur Globalisierung. „Die Frage ist aber – welchen Anspruch stelle ich an Regionalität?“  Das Projekt der Bundesregierung beinhalte beim Angebot einen regionalen Anteil von 50 Prozent. „Das ist zu kurz gesprungen“, sagte Bonde, „andere Modelle sind da schon weiter, und auch Baden-Württemberg sei mit dem Qualitätszeichen schon weiter. Zum Beispiel stehe das Label „von hier“ für hundert-prozentige Regionalität. Und zu den Dachmarken sagte Bonde: „Es verbietet sich, eine Dachmarke herbeirzuegieren zu wollen.“ Das Land sei mit seinen Strukturen gut aufgestellt. „Diese Strukturen kann man weiterentwickeln, aber wir brauchen keinen Ansatz von oben nach untern.“

Quelle/Autor: Ulrike Bäuerlein

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19. und 20. Juni 2013