Bachelorarbeiten aus den Verwaltungshochschulen

Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst: Das Image kann eine Rolle spielen

Ein Berg voller Ordner - so stellen sich die meisten den Beruf eines Beamten vor. Dabei ist das nur ein Vorurteil.

dpa/ dpa Themendienst | Christin Klose)

LUDWIGSBURG. Im Vergleich zu anderen Branchen wird der öffentliche Sektor im Jahr 2030 den größten absoluten Fachkräftemangel aufweisen und steht vor erheblichen Herausforderungen. Um weiterhin funktions- und handlungsfähig bleiben zu können, muss hierauf rechtzeitig reagiert werden. Den Entwicklungen kann allerdings erst dann wirksam gegengesteuert werden, wenn die Ursachen für den drohenden Fachkräftemangel bekannt sind.

Stereotype über einen verstaubten öffentlichen Dienst halten sich hartnäckig in der Gesellschaft. Zudem vermissen insbesondere junge und ambitionierte Arbeitskräfte Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten und bevorzugen deshalb häufig eine Beschäftigung in der Privatwirtschaft. Diese Wahrnehmungen entsprechen allerdings nicht immer der Realität. Vielmehr deuten diese auf ein problematisches Arbeitgeberimage des öffentlichen Dienstes hin.

Das Ziel meiner Bachelorarbeit war es zu ermitteln, ob der Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor auf ein negatives Arbeitgeberimage zurückzuführen ist. Um diese Frage beantworten zu können, wurde eine empirische Untersuchung in Form einer Online-Umfrage durchgeführt. Befragt wurden dabei Studierende der Hochschule für Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg sowie ausgewählter dualer Hochschulen, die sich am Ende ihres Studiums und damit kurz vor der Berufswahl befinden. Bei der Umfrage wurde unter anderem das Arbeitgeberimage des öffentlichen Dienstes untersucht sowie eine mögliche Ursache-Wirkungs-Beziehung zur Arbeitgeberwahl überprüft.

Zentrale Ergebnisse

Im theoretischen Teil dieser Arbeit wurde deutlich, dass das Arbeitgeberimage des öffentlichen Sektors durchaus verbesserungswürdig ist. Vor allem das eher negative Ansehen der Verwaltungsbeamten sollte durch Marketingmaßnahmen gesteigert werden, da diese Berufsgruppe oftmals mit dem öffentlichen Dienst in seiner Gesamtheit gleichgesetzt wird. Des Weiteren muss der öffentliche Sektor Vorurteilen aktiv entgegenwirken, so werden das Gehaltsniveau sowie die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten oftmals unterschätzt, was sich wiederum negativ auf das Arbeitgeberimage auswirkt. Außerdem sollte der öffentliche Sektor die eigenen Stärken, wie die Arbeitsplatzsicherheit, vermehrt akzentuieren und auf sich aufmerksam machen, denn gerade in Krisenzeiten wie der derzeitigen Corona-Pandemie streben viele Menschen nach beruflicher Sicherheit.

Die durchgeführte empirische Untersuchung spiegelt die Erkenntnisse des Theorieteils allerdings nur eingeschränkt wider. Zum einen wurde das Arbeitgeberimage des öffentlichen Dienstes weder insgesamt noch im Vergleich zur Privatwirtschaft negativ bewertet. Zum anderen konnte auch keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Arbeitgeberimage und der Arbeitgeberwahl nachgewiesen werden. Demnach wäre die Forschungsfrage zu verneinen: der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst lässt sich nicht unmittelbar auf ein negatives Arbeitgeberimage zurückführen. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Umfrageergebnisse aufgrund des geringen Rücklaufs nicht ausreichend repräsentativ sind und damit lediglich das Stimmungsbild der Stichprobe darstellen. Die Erkenntnisse des Theorieteils lassen zwar vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen einem negativem Arbeitgeberimage und einem Mangel an Fachkräften besteht, dies kann durch die Ergebnisse der empirischen Untersuchung allerdings nicht hinreichend bestätigt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Forschungsfrage aufgrund der mangelnden Repräsentativität der empirischen Untersuchung nicht eindeutig beantwortet werden kann. Es ergibt sich daher weiterer Forschungsbedarf zum Arbeitgeberimage des öffentlichen Dienstes und einem möglicherweise hieraus resultierenden Fachkräftemangel. Sowohl die empirische Untersuchung dieser Arbeit als auch der Großteil der im Theorieteil vorgestellten Studien stützen sich auf Ergebnisse, die aus der Befragung von Studierenden resultieren. Eine generationenübergreifende Untersuchung wäre daher wichtig, um altersbedingte Unterschiede ausfindig zu machen und diese bei der Fachkräfterekrutierung berücksichtigen zu können.

Über die Autorin

Laura Sigmund wohnt im Landkreis Ludwigsburg und hat im Februar 2022 ihr Bachelorstudium des gehobenen Verwaltungsdienstes – Public Management erfolgreich abgeschlossen. Seit dem 1. März ist sie beim Jugendamt Stuttgart in der Dienststelle Personalmarketing und -gewinnung tätig.

„Auf das Thema meiner Bachelorarbeit bin ich während der Praxisphase meines Studiums gestoßen. Ich durfte ein Bewerbungsverfahren begleiten und mir wurde bewusst, wie spürbar der Mangel an Fachkräften bereits heute ist“, erzählt sie. „Ich habe mir die Frage gestellt, ob dies möglicherweise auf ein problematisches Arbeitgeberimage zurückzuführen ist, da der öffentliche Dienst in der Gesellschaft mit zahlreichen Vorurteilen zu kämpfen hat.“  

Foto: studioline Photostudios GmbH

Quelle/Autor: Laura Sigmund

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