Bachelorarbeiten aus den Verwaltungshochschulen

Höhere Diversität in der öffentlichen Verwaltung führt zu besseren Entscheidungen

Diversität bringt nicht nur Unternehmen in der Wirtschaft voran.

dpa/ PhotoAlto | Eric Audras)

LUDWIGSBURG. Aktuelle Entwicklungen wie Migrationsprozesse, soziale Veränderungen und insbesondere demografischer Wandel stellen in der öffentlichen Verwaltung eine Herausforderung dar – und müssen zugleich als Chance gesehen werden. Nur so ist die öffentliche Verwaltung in der Lage, zukünftig konkurrenzfähig mit der Privatwirtschaft zu sein, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen und ihre Aufgaben zu bewältigen.

Als mögliche Maßnahme zur Umsetzung hat Diversity Management in den verschiedensten Bereichen einen positiven Einfluss auf die öffentliche Verwaltung. Eine höhere Diversität in Entscheidungsgremien führt zu besseren qualitativen Entscheidungen und effizienteren Strategien, einer höheren Kreativität. Die Wertschätzung der Vielfalt innerhalb der öffentlichen Verwaltung schafft eine optimale Bedingung für eine hohe Leistung, Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden, einer geringen Fluktuation, einer höher eingeschätzten Attraktivität als Arbeitgebende sowie einem ausgeglichenen Betriebsklima.

Eine erfolgreiche Umsetzung ist nur möglich, wenn die Führungskräfte und die oberste Führungsebene in der öffentlichen Verwaltung sich zum Thema Diversity bekennen und Diversity Management als strategisches Konzept verstehen. Nicht die Ressourcen, sondern vor allem das Engagement und die Kreativität der Beteiligten sind für den Erfolg ausschlaggebend.

Handlungsempfehlungen

Es gibt keine allgemeingültigen Lösungen für die Gestaltung des Diversity Management. Die Arbeit zeigt allerdings, dass nur proaktive Strategien erfolgsversprechend und zukunftsfähig sind. Beispielhaft folgen einige Maßnahmen hinsichtlich der Diversity-Dimensionen Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit/Nationalität, Alter und geistige/körperliche Fähigkeiten.

Senior Expert Networks oder Mentoring-Programme ermöglichen nicht nur Wissenstransfers und Synergieeffekte von altersgemischten Teams, sondern werden zunehmend als Instrument zur Förderung von Partizipation, Inklusion und beruflicher Entwicklung eingesetzt.

Flexible Arbeitszeiten und -orte, umfassende Vernetzung und Digitalisierung sowie Freiräume sind Maßnahmen, um den Work-Life-Balance-Anforderungen der Generation Y gerecht zu werden.

Alternative Anwerbungswege wie etwa die Stellenausschreibungen in lokalen und muttersprachlichen Medien, die Streuung über Interessenvertretungen oder auf dimensions-spezifischen Webseiten in Fachforen und Magazinen sind Möglichkeiten, um Menschen aus bestimmten Dimensionsgruppen erfolgsversprechender anzusprechen. Über diversityorientierte Jobportale kann das Engagement in Sachen Vielfalt und Inklusion zusammen mit der Stellenausschreibung kommuniziert werden.

Ein Denken weg von der „anwesenheitsorientierten Arbeitszeitkultur“ hin zu einer Kultur, in der Leistung statt Anwesenheit belohnt wird, sollte in den Köpfen der obersten Führungsebene stattfinden. Gerade die aus der Corona-Krise heraus resultierte vermehrte Arbeit der Mitarbeitenden von zu Hause aus zeigt, dass die Arbeitsprozesse weiter am Laufen bleiben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöht wird und sich die Produktivität sogar steigern kann.

Leitlinien innerhalb des Gebäudes und mit Blindenschrift beschriftete Räume dienen der besseren Orientierung für erblindete Menschen. Es empfiehlt sich außerdem, eine regelmäßige und verpflichtende Teilnahme der Belegschaft an verschiedenen Fortbildungen, Workshops und Diversity-Trainings.

Fazit

Die öffentliche Verwaltung wird, wenn sie zukünftig erfolgreich agieren will, auf eine offene und vielfaltwertschätzende Arbeitgebendenkultur setzen. Der dabei entstehende, nicht zu unterschätzende Aufwand wird durch die Vorteile und Verbesserungen, die sich aus einem Diversity Management ergeben, gerechtfertigt. Diejenigen Organisationen in der öffentlichen Verwaltung, die schon früh die Initiative ergriffen haben, um Vielfalt anzuerkennen und die geeigneten Strategien und Maßnahmen umsetzen, werden schon in naher Zukunft von ihren Entscheidungen profitieren.

Über den Autor

Anton Dilse kommt aus dem Landkreis Biberach und hat von März 2019 bis Februar 2022 Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, Fakultät I – Management und Recht studiert.

„Auf das Thema meiner Thesis bin ich während meiner Praxisphase beim Landratsamt Biberach gestoßen. Ich habe das Thema aufgrund der Aktualität und Dringlichkeit gewählt, denn ich bin der Meinung, dass Diversity Managment einen großen Teil dazu beitragen kann, dass die öffentliche Verwaltung ihr ungenutztes Potential ausschöpfen kann“, erzählt er. „Mir war es wichtig, eine bestmögliche und praxisorientierte Ausführung des Diversity Managements darzustellen.“

Quelle/Autor: Anton Dilse

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