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Aus Protest gegen die Obrigkeit: Vor 500 Jahren wurde das Kartäuserkloster Ittingen durch bewaffnete Bauern und Bürger zerstört

Nur wenige Kilometer entfernt von Konstanz kam es vor 500 Jahren zum Aufstand der Bauern. Dabei wurde das Kartäuserkloster Ittingen zerstört.

Bewaffnete Bürger und Bauern zerstörten im Jahr 1525 das Kartäuserkloster Ittingen rund 30 Kilometer entfernt von Konstanz. Foto: Kunstmuseum Thurgau

Kunstmuseum Thurgau)

Warth/Stein am Rhein. Vor 500 Jahren kam es im Raum Stein am Rhein, Stammheim und der Kartause Ittingen zu einem Aufstand der Bauern und Bürger. Die Menschen gaben sich mit den religiösen, politischen und sozialen Zuständen nicht mehr zufrieden. 1524 gipfelte dieser Unmut im Brand der Kartause Ittingen, eines Kartäuserklosters. Dieser „Ittingersturm“ nur wenige Kilometer weg entfernt von Konstanz war ein Vorbote der Bauernunruhen.

Auslöser war die Gefangennahme des reformatorisch gesinnten Pfarrers Hans Öchsli von Burg bei Stein am Rhein durch den katholischen Landvogt Joseph Amberg von Frauenfeld. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde der Pfarrer festgenommen und Richtung Frauenfeld verschleppt.

Am Ende schlossen sich rund 3000 Männer zusammen

Rund 70 Bauern und Bürger bewaffneten sich, um den Pfarrer zu befreien. Sie zogen durch Stammheim, nur acht Kilometer entfernt. Mit dem Untervogt Hans Wirth und seinen Söhnen, beide evangelische Prediger, schlossen sich immer mehr Männer an. Als die Menge am Ufer der Thur angekommen war, sollen es rund 3000 gewesen sein.

Pfarrer Öchsli war bereits über den Fluss und weiter nach Frauenfeld gebracht worden. So entlud sich die Wut auf die Obrigkeit, die auch in den Klöstern verortet wurde, am Kartäuserkloster Ittingen. Die Menge brach ins Kloster ein und verwüstete die Gebäude. Der Rat aus dem reformierten Zürich schickte Abgesandte, um die Stürmenden zu beruhigen und zum Abzug zu bewegen. Ohne Erfolg. Die vertriebenen Mönche kehrten nur langsam zurück, 1553 wurden die Anlagen im Zuge der Gegenreformation wieder aufgebaut.

Mit den Ereignissen von damals befasst sich unter anderem das Projekt „1524 Stürmische Zeiten“ von Vertretern aus drei Schweizer Kantonen, Museen und Kirchengemeinden mit sechs Ausstellungen. Die Ereignisse werden mit großformatigen Abbildungen illustriert und auf einer Zeitachse geordnet.

Auch in Stammheim kam es zu Bilderzerstörungen, die ihren Höhepunkt am 24. Juni 1524 mit dem „Bildersturm“ fanden. Die Eidgenossen, insbesondere in den katholischen Orten, sahen darin einen Akt der Kirchenschändung.

Einen Flächenbrand wollte man unbedingt vermeiden

Der Brand und die mutwillige Zerstörung des Klosters Ittingen allerdings alarmierte die Obrigkeit. Einen „Flächenbrand“ wollte man unbedingt vermeiden. So wurden vier Rädelsführer ausgemacht: die Untervögte von Stammheim und Nussbaumen, Burkhart Rüttimann, Hans Wirth sowie seine Söhne Hans und Adrian. Sie wurden festgesetzt, nach Baden überführt und nach schwerer Folter und Gerichtsverfahren enthauptet.

Allein Adrian Wirth wurde begnadigt. Pfarrer Öchsli wiederum wurde aus der Haft entlassen. Damit war ein Flächenbrand abgewendet. Die Glaubenskonflikte waren damit jedoch nicht befriedet. Sie flammten bis ins 19. Jahrhundert immer wieder auf, bis die Kartause Ittingen im Jahr 1848 aufgelöst wurde. (epd)

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