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Schloss Schwetzingen

Ein Fünfstern in Schwetzingen schützt seit 250 Jahren vor Gewittern

Alle Besucher von Schloss Schwetzingen können ihn sehen, doch nur den wenigsten fällt er wirklich auf: Der „Hemmer’sche Fünfstern“ auf dem Dach des Schlosses steht für ein frühes Kapitel moderner Sicherheitsgeschichte. Vor 250 Jahren, am 17. Juli 1776, wurde er montiert und zählt damit zu den ältesten erhaltenen Blitzableitern Europas, wie die Staatlichen Schlösser und Gärten mitteilen.
Zwei Kirchturmspitzen mit Antennen vor blauem Himmel.

Der Blitzableiter am Schwetzinger Schloss zählt zu ältesten erhaltenen überhaupt und wurde vor 250 Jahren montiert.

Staatliche Schlösser und Gärten/TOBIAS SCHWERDT)

Schwetzingen. Im Februar 1776 hatte der Kurfürst Carl Theodor als erster Landesherr in Europa verfügt, dass alle Schlösser und Pulvertürme seiner Länder mit Blitzableitern zu versehen waren. Und das aus gutem Grund: Wenige Jahre zuvor schlug ein Blitz in den Marstall in Schwetzingen ein. Der darauffolgende Brand zerstörte das Gebäude vollständig. 1764 traf es Schloss Heidelberg – zwei Blitze gingen in den Gläsernen Saalbau und in den Glockenturm nieder. Sie machten das Schloss endgültig zur Ruine.

Ein Hofkaplan im Dienst der Kurpfalz

Kurfürst Carl Theodor folgte mit seiner Verfügung dem Rat des Forschers und Geistlichen Johann Jakob Hemmer. Im süddeutschen Raum wurde über 150 Gebäude mit Blitzableitern von Hemmer versehen. Hemmer wurde 1733 geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule wurde er in Köln ins Jesuitengymnasium aufgenommen und studierte später zunächst Philosophie und Mathematik, bevor er sich der Katholischen Theologie zuwandte. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst als Hauslehrer des kurpfälzischen Kammerherrn Franz Georg Ernst von Sturmfeder.

Schließlich wurde er Hofkaplan des Kurfürsten Carl Theodor. Seine Karriere im kurpfälzischen Dienst nahm eine entscheidende Wendung: 1767 wurde Hemmer zunächst zum außerordentlichen Mitglied der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaft, im darauffolgenden Jahr zum ordentlichen. Hier machte er sich verdient, sodass er 1777 die Leitung des Physikalischen Kabinett der Gesellschaft übernahm.

Experimente mit Elektrizität

Hemmer wandte sich 1769 mit großem Interesse dem Schutz vor Blitzen zu. Im Mannheimer Schloss experimentierte er nach dem Vorbild des Amerikaners Benjamin Franklin mit elektrischer Ladung und Entladung. 1783 wiederholte er das heute noch bekannte Experiment mit dem Papierdrachen. Hemmers Bemühungen hatten anhaltenden Erfolg: Nicht nur auf dem Dach von Schloss Schwetzingen ist einer der Fünfsterne zu sehen. Auch auf dem Turm des Unteren Wasserwerks und auf den beiden Minaretten der Moschee im Schlossgarten, hier mit türkischen Halbmonden verziert, befinden sich ebenso originale Hemmer‘sche Fünfsterne. Im süddeutschen Raum sind über 150 Gebäude bekannt, die von Hemmer mit Blitzableitern versehen wurden.

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