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Starke Frauen

Hedwig Mauthner: Feministin, Autorin und Ärztin ohne Grenzen

Die couragierte Badenerin Hedwig Mauthner arbeitete im französischen Staatsdienst und reiste bis in die Sahara.
Schwarz-Weiß-Foto einer Person in traditioneller Kleidung mit Kopfschmuck.

Hedwig Mauthner war durch ihre Medizintätigkeit in Afrika beeindruckt von den Kulturen der 
Berber und Araber.

Stadtarchiv Meersburg)

Emmendingen/Meersburg. Sie studierte, wurde Medizinerin, ging nach Nordafrika und schrieb kritisch über die westliche Arroganz. Hedwig Mauthner gehörte zu den faszinierendsten Frauengestalten ihrer Zeit. Zu Unrecht vergessen, war sie weit mehr als die Gattin des Philosophen Fritz Mauthner.

1872 in Emmendingen geboren, zieht es die Heranwachsende bald weg nach Berlin, um die Gymnasialkurse der Frauenrechtlerin Helene Lange zu besuchen. Die berühmte Pädagogin und Vorkämpferin der Bildungsgleichheit bereitet Mauthner auf ihr Studium der Medizin und der Philosophie vor.

Über Zürich und Paris gelangt sie nach Nordafrika

Im Kaiserreich ist dies seinerzeit noch nicht möglich, doch Landesgrenzen spielen für die couragierte Südbadenerin keine Rolle. Sie entscheidet sich für die Universität Zürich, wechselt aber nach einigen Semestern an die Pariser Sorbonne, wo sie das medizinische Staatsexamen ablegt.

Als eine der ersten approbierten Ärztinnen überhaupt tritt Mauthner in den französischen Staatsdienst. Die Regierung schickt die junge Medizinerin nach Nordafrika. Sie soll in den damaligen Kolonien ein Hygieneprojekt für Frauen betreuen.

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Mauthner ist tief beeindruckt von den Kulturen der Berber und Araber. Ihre Geschlechtsgenossinnen in der Sahara nimmt die Medizinerin entgegen vieler Klischees als stolze und selbstbewusste Frauen wahr.

Wohl um 1904 kehrt Mauthner nach Europa zurück, um sich zunächst in Skandinavien, dann in Freiburg medizinisch fortzubilden. Zwei Ehen sind da bereits an ihrem starken Unabhängigkeitswillen gescheitert. Sie spüre kein Verlangen, schreibt sie, „einem Mann das Leben auszupolstern.“ Doch in dem über 20 Jahre älteren österreichischen Sprachphilosophen Fritz Mauthner findet Hedwig einen Partner auf intellektueller Augenhöhe.

Die beiden ziehen nach Meersburg und leben zunächst ohne Trauschein zusammen. Erst später heiraten sie. Trauzeuge ist der prominente Anarchist Gustav Landauer. Am Bodensee intensiviert die Weitgereiste ihre schon zuvor begonnene schriftstellerische und journalistische Arbeit. Meist veröffentlicht sie unter dem Pseudonym Harriet Straub.

In den Berichten und Erzählungen aus Afrika entwickelt Mauthner einen vorurteilslosen und einfühlsamen Blick auf fremde Gesellschaften. Ähnlich wie ihr vom Buddhismus beeinflusster Ehemann äußert sie sich kritisch gegen das „verchristete“ Europa. Zugleich lobt sie das direktere Verhältnis Afrikas zur Natur.

Mit Ironie gegen die patriarchalischen Verhältnisse

Die Textsammlung „Zerrissene Briefe“ wiederum stellt voller Ironie die patriarchalen Verhältnisse ihrer Zeit bloß. Nicht zuletzt entdeckt sie ihre in Meersburg verstorbene Kollegin Annette Droste-Hülshoff als Wahlverwandte im Kampf um weibliche Autonomie.

Mauthners letzte Lebensjahre müssen hart gewesen sein: Da der 1923 verstorbene Gatte Jude war, streichen ihr die Nazis nach 1933 die Witwenrente. Bei der „Vossischen Zeitung“, einem ihrer Auftraggeber, erhält sie Publikationsverbot. 1945 stirbt sie.

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