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Weimarer Republik

Mann „der glänzendsten Beredsamkeit“ und des Ausgleichs

Vor hundert Jahren starb der ehemalige Reichskanzler und badische Parlamentspräsident Constantin Fehrenbach (1852-1926)
Älterer Mann mit Hut und Mantel steht vor einer Säule.

Der ehemalige Reichskanzler Constantin Fehrenbach. Foto: ullstein

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Freiburg. Constantin Fehrenbach war ein rhetorisch brillanter und gefragter Freiburger Strafverteidiger. Nach ersten Erfahrungen in der Freiburger Kommunalpolitik wird er 1885 bis 1887 sowie 1901 bis 1913 in den Badischen Landtag gewählt.

Bereits hier macht sich der Zentrumspolitiker einen Namen als repräsentative und auf Ausgleich bedachte Persönlichkeit und ist 1907/1908 sogar Parlamentspräsident. Seit 1903 ist er auch Mitglied des Reichstags, wo er als Verteidiger der Rechte der Bevölkerung im Reichsland Elsass-Lothringen sowie rechtsstaatlicher Prinzipien hervortritt.

1913 kommt es in Zabern zu Unruhen, die durch herausfordernde Reden eines preußischen Leutnants provoziert wurden und vom Militär mit unverhältnismäßiger Härte niedergeschlagen werden. Der Reichskanzler wie auch der preußische Kriegsminister reden die Vorgänge im Reichstag klein, wogegen Fehrenbach betont: Wenn das Militär außerhalb des Gesetzes stehe, bedeute dies das Ende Deutschlands.

Die militärische soll der zivilen Gewalt untergeordnet werden

Deshalb fordert Fehrenbach die Unterordnung der militärischen unter die zivile Gewalt. Im Anschluss an seine vielbeachtete Rede zur Zabern-Affäre spricht der Reichstag der Reichsleitung das Misstrauen aus, was im politischen System des Kaiserreichs keine unmittelbaren Folgen hat.

Im I. Weltkrieg bekennt sich Fehrenbach zunächst zu weitgesteckten Eroberungen als deutschen Kriegszielen. Jedoch korrigiert er sich 1917 und tritt nunmehr als einer der Initiatoren der Friedensresolution des Reichstages für einen Verständigungsfrieden ein. Im Jahr darauf wird er Reichstagspräsident.

In seine Präsidentschaft fällt die Parlamentarisierung des Kaiserreichs, dessen Ende er durchaus bedauert. Gleichwohl übernimmt Fehrenbach auch für die Weimarer Republik Verantwortung: zunächst als Präsident der Weimarer Nationalversammlung und 1920/21 als Reichskanzler einer Minderheitsregierung aus Katholischer Zentrumspartei sowie zweier liberaler Parteien.

Während seiner Kanzlerschaft kommt es zum Ringen mit den Entente-Mächten um die Ausgestaltung des Versailler Vertrages. So muss das Reich 1920 einer aus deutscher Perspektive ungünstigen Vereinbarung über die Lieferung von Kohle genauso zustimmen wie der Reduktion der Reichswehr auf lediglich 100 000 und nicht wie vom Reich vorgeschlagen 200 000 Mann.

Die Kriegsentschädigung kann nicht gezahlt werden

1921 fordern die Entente-Mächte unter Androhung der Besetzung des Ruhrgebiets die Zahlung einer Kriegsentschädigung von 132 Milliarden Goldmark. Das Kabinett Fehrenbach sieht sich hierzu nicht im Stande und konnte nur 50 Milliarden anbieten.

Nach seinem Ausscheiden als Kanzler ist Fehrenbach noch Vorsitzender der Reichstagsfraktion des Zentrums; zudem engagiert er sich in der prorepublikanischen Kampforganisation Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und im Verein zur Abwehr des Antisemitismus. (mk)

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