Themen des Artikels
Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen
Eine Vergabe allein nach dem Preis schreckt innovative Unternehmen ab

Bastian Krieger leitet die Nachwuchsforschungsgruppe am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung.
Anna Logue)Mannheim . Ob sich junge, innovative Unternehmen um öffentliche Aufträge bewerben und den Zuschlag erhalten, hängt maßgeblich vom Vergabedesign ab. „Wollen öffentliche Auftraggeber solche Unternehmen als Bieter gewinnen, sollten sie rein preisbasierte Ausschreibungen vermeiden“, sagt Bastian Krieger vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.
Forscher empfehlen kriterienbasierte Verfahren
Ausschreibungen ohne jegliche zusätzliche Vergabekriterien – also solche, in denen ein konkretes Produkt benannt wird und nur anhand des angebotenen Preises der Zulieferer ausgewählt wird – motivieren junge, innovative Unternehmen nicht, sich zu bewerben“, sagt er. Diese Erkenntnisse stammen aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des ZEW. Krieger und sein Team von Nachwuchsforschern haben dafür Daten von 4260 jungen deutschen Unternehmen analysiert.
Um innovative Unternehmen anzulocken, empfiehlt der Forscher „kriterienbasierte Vergabeverfahren“. Bei diesen fließen neben dem Preis die Lösungsqualität und der Innovationsgehalt der angebotenen Leistungen in die Auswahlentscheidung öffentlicher Stellen mit ein.
„Aus anderer Forschung sehen wir, dass Standards Beschaffern und Anbietern bei der Kommunikation klarer Vergabeanforderungen helfen können“ erklärt Krieger. „Belohnt das Vergabeverfahren allerdings keine Leistungen über die kommunizierten Standards hinaus, kann dies den Innovationsgrad der potenziellen Leistung limitieren. Der Forscher verweist auf das Potenzial funktionaler Ausschreibungen. Bei solchen legen öffentliche Auftraggeber nicht ein bestimmtes Produkt oder eine konkrete Dienstleistung fest, sondern beschreiben, welche Funktion, welches Ziel oder welches Ergebnis erreicht werden soll.
„Dadurch erhalten Bieter mehr Spielraum, eigenständige Lösungen zu entwickeln, einschließlich innovativer Ansätze, die bei einer engen Produktspezifikation möglicherweise ausgeschlossen würden“, so Krieger. Vergabedesigns, die weitere Kriterien miteinbeziehen, seien allerdings auch mit mehr Aufwand für die öffentlichen Auftraggeber verbunden.
Ausschreibungsdesign weckt Innovationskräfte
Der Anteil an großen preisbasierten Ausschreibungen in Deutschland ist mit über 60 Prozent im EU-Vergleich überdurchschnittlich hoch, so der Forscher. Man müsse jedoch bedenken, dass das Gewinnen öffentlicher Aufträge auch das Verhalten von Unternehmen beeinflusse. Krieger verweist wiederum auf Studien: „Wenn Unternehmen Ausschreibungen mit einem angemessenen Maß zusätzlicher Vergabekriterien gewinnen, nimmt ihre Innovationskraft zu. Zählt dagegen nur der Preis, sehen wir, dass sich erfolgreiche Unternehmen stärker auf bereits etablierte Produkte konzentrieren und ihre Innovationsleistung abnimmt.“