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Gebäudereiniger wollen weg von einer reinen Preisfixierung

Gebäudereinigungsarbeiten werden meist nur über den Preis vergeben, klagt die Branche.
Imgao/Jochen Tack)Stuttgart/Heidelberg. Die Gebäudereinigungsbranche in Deutschland macht sich dafür stark, dass öffentliche Auftraggeber, vor allem Kommunen, bei ihren Ausschreibungen für Reinigungsleistungen Qualitätskriterien stärker gewichten. Den Auftakt zu einer Kampagne, die dazu beitragen soll, dass sich die Vergabepraxis ändert, setzte der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) mit einem Vergabe-Kongress in Stuttgart. Für die Branche, die mit rund 2500 Betrieben und 700.000 Beschäftigten, der größte Handwerkszweig in Deutschland ist, ist der Trend zur ausschließlichen Vergabe nach dem Preis ein riesiges wirtschaftliches Problem.
Heidelberger Gemeinderat mit Vergabepraxis unzufrieden
Denn die Preise bei Ausschreibungsverfahren kennen nur eine Richtung, und zwar nach unten, erklärte Oliver Knedlich, der im BIV den Arbeitskreis zur öffentlichen Vergabe leitet. „Dem müssen wir einen Riegel vorschieben“, betonte der Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen.
Sein Kollege Karl Breer aus Heidelberg kennt das Problem von beiden Seiten, als Unternehmer und Kommunalpolitiker. Der Gemeinderat habe gemeinsam versucht, die Vergabepraxis der Stadt neu aufzustellen, so der Heidelberger FDP-Fraktionsvorsitzende. Anlass sei gewesen, dass mit der Gestaltung einer Grünfläche in der Stadt eine Gartenbaufirma aus den Niederlanden beauftragt worden sei. Das habe man wegen des Anfahrtsweges als nicht nachhaltig empfunden.
Doch in Sachen Reinigungsaufträge sind die Heidelberger Räte nicht weitergekommen. „Wir sind bei Dienstleistungsaufträgen krachend gescheitert“, meint Breer. Noch immer würden bei Vergaben zu 60 Prozent der Preis und zu 40 Prozent die veranschlagte Stundenzahl für die Reinigungsleistung zur Bewertung herangezogen. Und für die Bieter gebe es keine Pflicht, das Gebäude, für das sie ein Angebot abgeben, vorher zu besichtigen.
Verband: Qualitätskriterien steigern Nachhaltigkeit
Breer forderte die Kommunen auf, bei der Vergabe von Gebäudedienstleistungen mehr ins Risiko zu gehen und nicht nur den Billigsten zu beauftragen. Die ausschreibenden Stellen bräuchten dafür aber auch Unterstützung, räumte das Vorstandsmitglied der Landesinnung Baden-Württemberg ein.
Eine stärker an Qualitätskriterien statt ausschließlich am Preis orientierte Vergabe wäre aus Sicht von BIV-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Molitor ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. Denn ein ordentlich gepflegtes Gebäude halte deutlich länger.