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Einblicke in die regionale Bau- und Wirtschaftsgeschichte

Das Titelblatt des Schätzungsprotokolls von Neuenbürg-Arnbach 1872 bis1901. Foto: Kreisarchiv Enz-Kreis/Nicole Sickinger
Nicole Sickinger)Pforzheim. Historische Schätze im Kreisarchiv: Die Brandversicherungs-Unterlagen des Enzkreises sind ab sofort für die Öffentlichkeit nutzbar. Sie bieten laut Mitteilung des Enz-Kreises einzigartige Einblicke in die regionale Bau-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte.
„Ob für die Erforschung des eigenen historischen Hauses oder für wissenschaftliche Projekte: wir laden alle Interessierten herzlich ein, diesen landeskundlichen Schatz zu heben und die Geschichte der Gemeinden und ihrer Gebäude neu zu entdecken“, sagt Konstantin Huber, der Leiter des Kreisarchivs.
Die gesetzlichen Sperrfristen sind inzwischen abgelaufen
Nach dem Ende des gesetzlichen Versicherungsmonopols wurden die historischen Unterlagen der ehemaligen badischen Gebäudeversicherungsanstalt und der württembergischen Gebäudebrandversicherung schrittweise an das Archiv übergeben.
Inzwischen sind die gesetzlichen Sperrfristen abgelaufen und die für das heutige Enzkreis-Gebiet relevanten Unterlagen können deshalb eingesehen und ausgewertet werden.
„Im Fokus stehen dabei die württembergischen Feuerversicherungsbücher. Die teilweise bis 1872 zurück- und meist bis in die 1970er-Jahre reichenden Bände besitzen einen unschätzbaren Quellenwert für die Heimat- und Bauforschung“, heißt es weiter.
Akribisch listen sie historische Gebäudenummern, frühere Eigentümer und teilweise präzise Details zur Bauart auf – etwa ob Wände aus Stein oder Fachwerk bestanden und ob das Dach mit Ziegeln oder vielleicht feuergefährlichem Stroh gedeckt war.
„Da auch spätere Besitzerwechsel und bauliche Veränderungen über Jahrzehnte hinweg nachgetragen wurden, lässt sich die Entwicklung einzelner Häuser im Enzkreis lückenlos nachvollziehen“, heißt es weiter in der Mitteilung.
418 Einzelbände wurden sortiert und erschlossen
Die Mitarbeiter sortierten den weiteren Angaben zufolge zunächst den 418 Einzelbände umfassenden Bestand. Im vergangenen Jahr erfolgte dann die archivische Erschließung mittels einer Datenbank.
Dann kam es zur Endbearbeitung, also Etikettierung, Verpackung und finale Einlagerung in die klimatisierten Archivräume. Aus dem ehemals badischen Kreisteil verwahrt das Kreisarchiv die sogenannten Einschätzungsakten.
Weitgehend vollständig erhalten sind diese für den historischen Baubestand, also die Ortskerne der ehemals badischen Enzkreis-Gemeinden. Für neuere Wohngebiete existiert eine rein digitale Archivierung in Auswahl. Als Findmittel können Excel-Tabellen genutzt werden.
Markgraf Carl Friedrich von Baden richtete am 25. September 1758 eine Monopolanstalt ein, nämlich die „Brand-Assecurations-Societät“ oder „Badisch-durlachische Brandversicherung“.
Die Württembergische Gebäudebrandversicherungsanstalt wurde hingegen erst im Jahr 1773 gegründet. Diese Versicherungsanstalt wurde ursprünglich als Brand-Schadens-Versicherungs-Anstalt ins Leben gerufen und spielte eine wichtige Rolle in der Brandversicherung in Württemberg. (sta/rik)