Elektrifizierung Südbahn: Bahnstrecke Ulm-Friedrichshafen eingeweiht

Die Bahnverbindung Ulm - Friedrichshafen (Südbahn) ist am 6. Dezember 2021 symbolisch eingeweiht worden. Ab 12. Dezember fahren die Züge auf der Strecke Ulm-Friedrichshafen-Lindau erstmals mit Strom.

Am 12. Dezember 2021 nimmt die elektrifizierte Südbahn ihren Betrieb auf. dpa | Felix Kästle)

ULM/FRIEDRICHSHAFEN. Fast vier Jahre sind seit dem ersten Spatenstrich vergangen. Nun sind die Bauarbeiten zur Modernisierung der Bahnverbindung Ulm Friedrichshafen (Südbahn) abgeschlossen. Aus terminlichen Gründen fand die symbolische Einweihung vor dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2021 statt. Dann fahren die Züge auf der Strecke Ulm-Friedrichshafen-Lindau erstmals mit Strom. Wir werfen einen Blick in die Vergangenheit.

Die Bahnstrecke Ulm – Friedrichshafen hat eine lange Tradition. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Strecke erbaut. Zusätzlich noch mit einem weiteren kurzen Anschluss von Friedrichshafen nach Lindau-Aeschach. Zu Beginn noch mit großen Dampfloks und eingleisig, sollte die neue Verbindung die Bodenseeregion über Ulm an die wirtschaftlich wichtigen Industriestandorte Heilbronn und Stuttgart anbinden. Aufgrund kriegswirtschaftlicher Gründe wurde die Verbindung Anfang des 20. Jahrhundert um eine weitere Spur erweitert. Fortan konnte die Strecke zweigleisig befahren werden.

Über viele Jahrzehnte wurde die 126 Kilometer lange Strecke weiterhin so genutzt. Neben der Verbindung im Landesinneren hat die Strecke durch die Anbindung an das Österreichische und Schweizerische Schienennetz auch für den europäischen Bahnverkehr einen hohen Stellenwert und wird früher wie heute viel befahren. Ein Ausbau der Strecke blieb allerdings lange aus. Anfang der 2000er-Jahre gehörte die Strecke noch zu den ganz wenigen zweigleisigen, nicht-elektrifizierten Hauptbahnen in Deutschland. Da ausschließlich Dieselloks die Strecke befahren konnten und die Gleisführung nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt waren, führte dies immer wieder zu größeren Komplikationen. Das Land, die Deutsche Bahn sowie die Kommunen haben sich daher im Jahr 2006 darauf verständigt, die Elektrifizierung der Südbahn umzusetzen.

Verspäteter Startschuss für das Projekt

Nach vielen Unstimmigkeiten bei der Frage der Finanzierung sowie Verzögerungen im Genehmigungsverfahren wurde Ende November 2015 durch Beschluss des Landes und der Deutschen Bahn der verspätete Startschuss für den Ausbau erteilt. Anfang März 2018 haben die Bauarbeiten der Modernisierung des ersten von insgesamt vier Teilabschnitten begonnen. Neben der Elektrifizierung wurde auch der Bau neuer Bahnübergänge, Stellwerke und Gleisanlagen festgelegt. Ende 2021 konnte der letzte Bauabschnitt fertiggestellt werden.

Planungskosten haben sich mehr als verdoppelt

Die Kosten der Modernisierung wurden auf 140 Millionen Euro Kosten geschätzt. Bei Vertragsschluss lagen die erwarteten Kosten bei 225 Millionen Euro, im Laufe des Projekts schließlich auf über 300 Millionen Euro. Nach aktuellen Schätzungen belaufen sich die Gesamtkosten der Investition auf 370 Millionen Euro. Das Land hat für die Finanzierung des Projekts zugestimmt, 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten zu übernehmen, maximal bis zu 112,5 Millionen Euro. Zwischen dem Bund und der Deutschen Bahn wurde ebenfalls eine Vereinbarung zur Finanzierung getroffen.

Zunahme der bestellten Zugkilometer um 30 Prozent

Durch den Umbau können nun auch rein elektrische Lokomotiven und Triebwagen zwischen Ulm, Friedrichshafen und Lindau fahren. Die mögliche Fahrtgeschwindigkeit auf der Strecke beträgt nun 160 Kilometer pro Stunde. Die Erweiterungen ermöglichen nun auch den Verkehr weiterer Zuggattungen. Die Änderungen machen sich auch bei den Fahrgästen bemerkbar. Nach Angaben des Verkehrsministeriums wurde das Angebot der Südbahn deutlich ausgeweitet. Ab Dezember verkehren zwei schnelle Regionalexpresszüge von Ulm nach Friedrichshafen im Halbstundentakt. „Dies bedeute eine Zunahme der bestellten Zugkilometer um circa 30 Prozent“, so das Ministerium. Allen bisherigen Angeboten werde man wie gewohnt fortführen. Nicht nur die Taktfrequenz ändert sich nach dem Umstieg. Wenn die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm im Dezember 2022 in Betrieb genommen wird, können die Regionalexpresszüge nach Stuttgart zehn bis 15 Minuten schneller eintreffen, da eine noch aktuell eingeplante Aufenthaltsdauer im Ulmer Hauptbahnhof dann wegfalle. Nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 im Dezember 2025 würde sich die Fahrtdauer noch weiter verkürzen, da dann die Neubaustrecke nicht in Wendlingen endet, sondern bis in den Stuttgarter Hauptbahnhof führt. 

Quelle/Autor: Hannes Schwarz

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