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Der Landesvater - 15 Jahre Winfried Kretschmann als Ministerpräsident

Gerlinde Kretschmann: Ein Bild von einer First Lady

Gerlinde Kretschmann war 15 Jahre die First Lady im Südweststaat, eine inoffizielle Funktion in der Öffentlichkeit. Das Fotoarchiv der Deutschen Presseagentur legt Zeugnis davon ab.
Ältere Frau mit roter Mütze und Brille lächelt, trägt Anstecker.

Gerlinde Kretschmann, Ehefrau des Ministerpräsidenten.

dpa/Bernd Weißbrod)

Seit 1975 ist sie die Frau an seiner Seite, wobei diese Beschreibung zu der eigenständigen Gerlinde Kretschmann kaum passt. Die gelernte Grundschullehrerin hat als First Lady einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der öffentlichen Wirkmacht ihres Mannes Winfried. Ob bei Empfängen, Delegationsreisen oder der Begrüßung von Staatsgästen in Stuttgart, die heute 78-Jährige machte über 15 Jahre lang „Bella Figura“, nicht nur für die Fotografen der Nachrichtenagentur DPA.

Bei den Begegnungen mit Persönlichkeiten der Zeitgeschichte habe sie der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck beeindruckt, wie sie jüngst in einem Interview erklärte. Auch ihr Mann war kurz mal im Gespräch als Bundespräsident, sie hätte das mitgemacht, sagt sie der Journalistin. Die Begegnungen mit zwei Päpsten, Benedikt XVI. und Franziskus, zählen zu den fotogenen Highlights für die Katholikin.

So erlebte Gerlinde Kretschmann den Besuch von Papst Benedikt XVI. 2011 im Ländle.
Staatsministerium)

Gerlinde Kretschmann selbst ist in jungen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten, um später wieder die Mitgliedschaft anzunehmen. Im Bildarchiv der DPA taucht sie immer wieder auf Fotos von Kirchentagen auf, mal mit, mal ohne Würdenträger. Den Gedanken der Caritas lebte sie in der Vesperkirche in Göppingen. Engagement zeigte sie oft beim Stuttgarter Weihnachtsmarkt, wo sie über Jahre am Stand des Landfrauenverbands beim Marmeladenverkauf Motive abgab.

Die vielen Ehrenämter will sie zum Ende der Amtszeit ihres Mannes abgeben, sie habe die Schirmherrschaften ja nur als First Lady erhalten. Dazu gehörte das Engagement für die Früherkennung von Brustkrebs. So schaute sie, der britische Thronfolger Prinz William und dessen Frau Kate 2017 das Krebsforschungszentrum in Heidelberg an. Kate und Gerlinde Kretschmann teilen ein Schicksal, beide sind Krebspatientinnen. Für Winfried bedeutete die Diagnose 2021, dass er im Wahlkampf um die dritte Amtsperiode kürzer trat; die Grünen erzielten mit 32,6 Prozent ein Spitzenresultat.

Gerlinde Kretschmann ließ sich 2017 mit dem britischen Thronfolgerpaar über Krebsforschung in Heidelberg informieren.
dpa/Marijan Murat)

Gerlinde Kretschmann zeigte gerne, wie stolz sie auf ihren Mann ist. Bei dessen Wahlen im Landtag entstanden im Fünf-Jahres-Rhythmus Bilder, auf denen sie dem frisch gewählten Ministerpräsidenten einen Kuss auf den Mund drückte. Doch auch sie selbst weiß, wie politische Erfolge schmecken. Viele Jahre war sie Stadträtin von Sigmaringen und hielt die Fahne der Grünen im Kreistag hoch – im tiefschwarzen Hohenzollerschen Lande.

Wobei Gerlinde Kretschmann auch im politischen Spektrum der Grünen sicher nicht zu den ganz Progressiven zählt. 2024 beschwerte sie sich über die Akteure ihrer Partei auf Bundesebene: „Furchtbar, die machen reine Minderheitenpolitik und reine Katastrophenszenarien. Wir haben keine Freude an denen.“ Kurz darauf, nämlich 2025, rückte eines der drei Kinder, ihr Sohn Johannes, im Bundestag für knapp drei Monate nach – ihm hat das Verdikt von den furchtbaren Grünen sicher nicht gegolten.

Zu den heiklen Pflichtterminen der First Lady und des Ministerpräsidenten zählte der Landespresseball. Der erste Schwoof gehört dem Vorsitzenden der Landespressekonferenz, und das vor aller Augen und Kameras. Wer hätte da nicht die Sorge, der First Lady auf die Schuhspitzen zu treten? Angeblich sei dies nie vorgekommen, hört man vom Staatsanzeiger-Chefredakteur, der in Personalunion auch Eintänzer ist.

All die Roten-Teppich-Termine dürften jetzt der Vergangenheit angehören. Ob sie sich jemals damit angefreundet hat? Als 2011 ihr Mann erstmals Ministerpräsident wurde, gab sie zu Protokoll, „Ich will keine First Lady sein.“ Trotzdem war sie eine.

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