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Landtagswahl 2026

Jetzt hat auch Manuel Hagel ein Buch herausgegeben

Der CDU-Landeschef und Spitzenkandidat ist der Herausgeber - und 75 prominente Persönlichkeiten haben ihre Ideen zum - vorgezogenen - Jubiläum des Landes aufgeschrieben. 
Buchcover mit Titel "75 Jahre Baden-Württemberg 75 Stimmen", Herausgeber Manuel Hagel.

Das neue Buch, von Manuel Hagel herausgegeben, über 75 Jahre Baden-Württemberg.

Rafael Binkowski)

Stuttgart. Etwas zu früh erscheint das Buch: Eigentlich ist erst 2027 das Jubiläum 75 Jahre Baden-Württemberg fällig. Doch am 8. März ist Landtagswahl, daher erscheint schon jetzt der Band. Schließlich ist der Herausgeber kein anderer als Manuel Hagen, CDU-Landeschef und Spitzenkandidat für Baden-Württemberg. Über seinen Kontrahenten Cem Özdemir wurde eine Biografie verfasst, nun hat der 37-jährige nachgelegt.

Dazu hat er 75 bekannte Stimmen aus dem Land gesammelt – von der Bestsellerautorin Gaby Hauptmann bis zum Regisseur Niko Hofmann. Aber auch kritische Stimmen, die nicht der CDU-Linie entsprechen, wie Jürgen Resch, den Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.

So viel politischer Kontext schwingt am Montagvormittag im Buchhaus Wittwer Thalia in Stuttgart mit, als Manuel Hagel seinen Jubiläumsband „75 Jahre Baden-Württemberg. 75 Stimmen“ vorstellte. Offiziell geht es um Literatur, Landesgeschichte und Zukunftsfragen. Inoffiziell lässt sich der Termin kaum losgelöst vom beginnenden Landtagswahlkampf betrachten – zumal Hagel nicht nur Herausgeber, sondern auch CDU-Landeschef und Spitzenkandidat ist.

Der Wahlkampf ist unüberhörbar

Zwischen schwäbischen Brezeln und badischem Wein begrüßten Buchhaus-Leiter Heiner Bartel und Moderator Manuel Herder, Gesellschafter der Thalia-Gruppe, ein ungewöhnliches Podium: Autoren, Herausgeber und Verleger seien selten zur selben Zeit an einem Ort, hieß es. Umso mehr unterstreicht der Rahmen den Anspruch des Buches, mehr sein zu wollen als eine klassische Festschrift.

Zur Wahlkampagne von Manuel Hagel hier

Hagel selbst legt Wert auf diese Abgrenzung. Es gehe nicht um ein einheitliches Narrativ oder eine selbstzufriedene Rückschau, sondern um eine „kritische Standortbestimmung mit Blick nach vorn“. Baden-Württemberg sei aus Gegensätzen entstanden – konfessionell, mental, historisch –, und gerade daraus sei in 75 Jahren etwas Gemeinsames gewachsen. Vielfalt auszuhalten und produktiv zu machen, bezeichnete er als das eigentliche Erfolgsgeheimnis des Landes.

Das Buch hat 75 Autoren

Der Band versammelt 75 Beiträge aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien, Sport und Kirche. Dass darunter nicht nur CDU-nahe Stimmen zu finden sind, betonte Hagel mehrfach. Wer gestalten wolle, dürfe sich nicht nur mit den eigenen Antworten befassen. Diese Offenheit sei immer eine Stärke des Landes gewesen: „Der andere könnte auch recht haben.“ Politik verstehe er dabei nicht als Selbstzweck, sondern als dienende Funktion am Menschen – geprägt von Vernunft statt Lautstärke, Verantwortung statt Hetze.

Die Nominierung von Hagel als Spitzenkandidat hier

Wie unterschiedlich diese Perspektiven ausfallen, zeigt die Bestsellerautorin Gaby Hauptmann. Sie schildert ihren ambivalenten Heimatbegriff: das als spießig empfundene Trossingen der Jugend und die wachsende Sehnsucht nach genau diesem Ort im Alter. Heimat habe viel mit Geschichte, Eigenverantwortung und Leistung zu tun – Werte, die sie rückblickend als prägend beschreibt. „Bei einem Englischkurs im Empire State Building in New York trug die Kursleiterin eine Little Lady, eine Handharmonika aus Trossingen“, erzählt sie.

Die Sehnsucht nach Lothar Späth

Der Produzent und Regisseur Nico Hofmann lenkt den Blick auf die Medien- und Kulturlandschaft des Landes. Baden-Württemberg habe mit Filmakademie, öffentlich-rechtlichen Sendern und neuer Infrastruktur enorme Stärken, verkaufe sich aber oft unter Wert. „Medienpolitik ist Standortpolitik“, sagte Hofmann, wie damals bei Lothar Späth, als Christoph Palmer den Medienstandort gemangt hat.

Die Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller, Geschäftsführerin der Firma Trumpf,  widerspricht dem gängigen Klischee der wohlmeinenden Jubiläumsliteratur. „Eigentlich sind solche Bücher fürchterlich“, sagt sie, aber dieses sei anders Bandes. Trotz aller Probleme – von Bürokratie über Energiepreise bis zu internationalen Handelskonflikten – verfüge das Land über ein starkes Fundament: arbeitswillige Menschen, exzellente Universitäten, ein verlässliches Rechtssystem. „Wir haben alle Zutaten für einen guten Kuchen“, sagte sie, man müsse sie nur wieder konsequenter nutzen. Und wieder mehr arbeiten.

Der Herausgeber und Spitzenkandidat Manuel Hagel hat das gewünschte Signal gesetzt: Alle prominenten Stimmen sammeln sich hinter ihm, ein Vorgriff auf die angestrebte Rolle als Landesvater. Dass hier die eine oder andere bekannte Wahlkampffloskel („Die schlechte Nachricht ist: Die Probleme sind hausgemacht. Die gute Nachricht ist: die Probleme sind hausgemacht.“) einfließt, gehört wohl auch zum Bild des Spitzenkandidaten.

Man darf gespannt sein auf den Dialog, der nach dem Wahlkampf kommt.

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