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Kolumne: Eingekreist

Braucht Boris Palmer ein politisches Upgrade?

Ein Zugabteil wird zur politischen Bühne: Ein Streit um die Erste Klasse, ein Oberbürgermeister mit Dienstausweis und Zuständigkeiten. Am Ende geht es weniger um ein Ticket als um Macht, Regeln – und die Frage, wer sie durchsetzen darf. 
Zugabteil mit blauen Sitzen, Schild mit Pfeil und Zahl 1 an der Glastür.

Regeln gelten – auch im Zug und erst recht in der Ersten Klasse.

dpa/ZB/Sascha Steinach)

Boris Palmer fährt Zug und landet mitten in einer wichtigen gesellschaftlichen Grundsatzdebatte. Ein Jugendlicher sitzt mit Deutschlandticket in der Ersten Klasse, der Tübinger Oberbürgermeister weist ihn auf die Regeln hin. Der Regelbrecher pöbelt erst („Halt die Fresse“), entschuldigt sich später – doch da haben andere Fahrgäste längst übernommen: Sie filmen, moralisieren und halten Palmers Einschreiten für überzogen. Eine Lehrerin empfindet sein Vorgehen als Grenzüberschreitung, unter anderem wegen des Duzens des Jugendlichen. So beschreibt er es auf Facebook. Sein Fazit: Solidarität gilt heute weniger der Ordnung als denen, die sie missachten.

Plötzlich stellen sich ganz praktische Fragen

So weit, so plausibel. Regeln gelten – auch im Zug. Dass Palmer sich allerdings mit Dienstausweis als Leiter einer Ortspolizeibehörde zu erkennen gibt, öffnet ein zweites Fass. Zumal gerade im Landtagswahlkampf über seine Rolle in einer möglichen grünen Landesregierung spekuliert wird. Denn plötzlich stellen sich ganz praktische Fragen: Befand sich der Zug wirklich auf Tübinger Gemarkung? Oder griff Palmer in den Zuständigkeitsbereich eines Rathauskollegen ein? Und sollte man das Überwachen der Bahnregeln nicht besser der Bahn und der Polizei überlassen?

Das sind offene Punkte, die sich womöglich elegant lösen ließen. Mit einem politischen Upgrade. Als Verkehrs- und Innenminister hätte Palmer künftig freie Fahrt. Dann wäre die Erste Klasse endgültig sein Revier.

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