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Stuttgart Rosenstein

Bremst die S21-Verzögerung Stuttgarts wichtigstes Wohnbauprojekt aus?

Stuttgart 21 verzögert sich erneut — und mit dem Bahnhof auch das Rosensteinquartier, geplant für 10.000 Menschen. Die Pläne für das städtische Großprojekt hängen einmal mehr in der Luft. Stadt und Gemeinderat reagieren mit Unverständnis.  
Großer Bahnhof mit Gleisen, vielen Gebäuden und Hügeln im Hintergrund.

Auf dem Stuttgarter Gleisvorfeld verzögert sich der Wohnungsbau erneut um mindestens fünf Jahre.

IMAGO/Arnulf Hettrich)

Stuttgart. Sollte sich die aktuelle Verzögerung bestätigen, spricht Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) von einer „Hiobsbotschaft“ für die Stadt. Zwar halte er die Grundidee des Projekts weiterhin für „großartig“, doch die Umsetzung entwickle sich zu einem „Fiasko“. Die Deutsche Bahn müsse endlich für Transparenz über die Ursachen sorgen.

Erschließung kostet bis zu 1,6 Milliarden Euro

Die Folgen dieser Unsicherheit reichen weit über den Bahnhof hinaus — schließlich geht es auch um Wohnraum. Erst mit der vollständigen Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs werden im heutigen Gleisfeld rund 85 Hektar Fläche frei. Auf diesem Areal plant die Stadt ihr größtes Zukunftsprojekt: Stuttgart-Rosenstein, ein neuer Stadtteil für rund 10.000 Menschen. Teil davon soll das Europaquartier auf der Teilfläche A2 zwischen Hauptbahnhof und Wolframstraße werden.

Doch genau diese Zukunftsvision geriet zuletzt auch finanziell in schwieriges Fahrwasser. Ein Gutachten beziffert die Erschließung des ehemaligen Gleisvorfelds auf 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro — inklusive Rückbau, Planung und Baunebenkosten. Gleichzeitig steht die Stadt unter finanziellem Druck: Die Gewerbesteuer bricht von 1,3 Milliarden Euro (2024) auf rund 750 Millionen Euro (2025) ein.

Ist das Mammutprojekt noch sinnvoll – angesichts einer erneuten Verzögerung von mindestens fünf Jahren? Der S21-Gegner und Fraktionsvorsitzende der Linken-SÖS-Plus-Fraktion im Gemeinderat hat dazu eine klare Haltung: Hannes Rockenbauch fordert einen Planungsstopp für das geplante Quartier — die Ressourcen sollten stattdessen in eine Aufwertung des Kopfbahnhofs, die Verkehrswende und die Klimaanpassung fließen. „Jetzt muss in den bestehenden Kopfbahnhof investiert werden, denn der heutige Zustand mit Fernwanderwegen und Provisorien ist nicht für weitere fünf oder mehr Jahre zumutbar“, betont Rockenbauch. Der geplante Tiefbahnhof könne nur die Funktion eines Jokerbahnhofs haben.

Wesentlich vorsichtiger äußern sich die drei größten Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat. Die CDU hält grundsätzlich am Rosensteinviertel fest. Fraktionschef Alexander Kotz sieht gerade wegen der angespannten Finanzlage eine Chance: Verzögerungen könnten helfen, später mit besserer Haushaltslage zu bauen. Gleichzeitig betont er die Notwendigkeit neuen Wohnraums.

SPD: Die Planungen müssen weiterlaufen

Für die Grünen sind verbindliche Aussagen zum Rosensteinviertel derzeit kaum möglich, solange zentrale Daten fehlen. Sie fordern vom Lenkungskreis und der Deutschen Bahn „klare Antworten“ und ein belastbares Inbetriebnahmekonzept. Die wiederholten Verschiebungen von Stuttgart 21 wertet die Fraktion als „Tiefpunkt eines Projekts“, das die Stadt seit Jahren belastet. Solange der Bahnhof nicht fertiggestellt ist, bleiben zentrale Flächen blockiert. Besonders scharf fällt die Reaktion auf die Haltung des Oberbürgermeisters aus: Dass ausgerechnet ein früherer S21-Befürworter nun öffentlich Zweifel äußere, sei „Hohn“ für die Kritiker des Projekts.

Für die SPD und Volt-Fraktion bleibt das Rosensteinquartier ein zentrales Zukunftsprojekt. Stuttgart brauche dringend mehr bezahlbare Wohnungen. „Gerade jetzt dort zu investieren und damit den Wohnungsmarkt perspektivisch zu entlasten, halten wir weiterhin für richtig“, so Fraktionschefin Jasmin Meergans. Die Bebauung großer Teile des Quartiers verschiebe sich zwar analog zur Inbetriebnahme des Bahnhofs — die Planungen aber müssten weiterlaufen.

Die Stadt Stuttgart will sich erst zur nächsten Sitzung des Lenkungskreises zur weiteren Vorgehensweise äußern. Eine Sprecherin verweist darauf, dass die Bahn selbst sich noch nicht geäußert habe.

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