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Oberbürgermeisterwahl

Kandidaten-Septett kämpft um den Offenburger OB-Posten

Sechs Männer und eine Frau bewerben sich in Offenburg um den Oberbürgermeisterposten. Fünf von ihnen sind Seiteneinsteiger und einer ist mit strafbaren Handlungen aufgefallen.
Rotes Gebäude mit Balkon, Blumen. Zwei bronzene Skulpturen, Personen auf Kopfsteinpflaster.

Wer Chef im Rathaus von Offenburg wird, entscheidet sich ab dem 11. Oktober. Sieben Kandidaten stehen dann auf dem Wahlzettel.

Klaus Rose via www.imago-images.de)

Offenburg. Im Frühjahr hatte Amtsinhaber Marco Steffens überraschend seinen Rückzug vom Oberbürgermeisteramt in Offenburg angekündigt. Nun entscheiden 46.800 Offenburgerinnen und Offenburger am 11. Oktober, wer der nächste Chef oder die nächste Chefin im Rathaus wird. Angesichts der sieben sehr unterschiedlichen Kandidaten, darunter nur eine Frau, sollte man sich den Stichwahltermin am 25. Oktober merken.

Zwei Profis wollen CDU-Oberbürgermeister Marco Steffens am 11. Oktober beerben. Aus Gernsbach, einer gut 14.000 Einwohner großen Stadt im Kreis Rastatt, kandidiert Bürgermeister Julian Christ. Der 39-Jährige Sozialdemokrat befasst sich wie alle Mitbewerber mit der Landesgartenschau 2032. Der gebürtige Hesse begrüßt die Planung als städtebaulichen Impuls, dem er aber einen vom Gemeinderat bestimmten Kostendeckel verpassen will. Für den viel diskutierten Aussichtsturm soll es kein Geld aus Offenburg geben, das dürfte unter allen Kandidaten Konsens sein. Förderung des Ehrenamts ist ein weiteres Thema des Sozialdemokraten, den SPD, Grüne und Teile der Freien Wähler in Offenburg als völlig ortsfremden Kandidaten unterstützen.

Freibäder als Streitpunkt

Von der Offenburger CDU besuchten hingegen Abgesandte in Gernsbach eine von Christ geleitete Gemeinderatssitzung. Dort gab es ordentlich Streit um den Bestand von drei der vier Freibäder, mit Bürgerentscheid und Demonstrationen. Den Konflikt konnte der Bürgermeister einhegen, Vereine tragen nun die drei Bäder. War das ein Gegenwind für seine Kandidatur? Christ sieht darin eine Gelegenheit, um Führungsstärke zu zeigen.

Neben dieser Konkurrentenbeobachtung verbinden den von der örtlichen CDU unterstützten Kandidaten Tobias Benz mit seinem SPD-Konkurrenten einige Punkte, etwa die Kostenreduzierung bei der Gartenschau oder der Hitzeschutz in der wärmebegünstigten Mittelbaden-Metropole. Der 44-jährige promovierte Volkswirtschaftler fordert außerdem eine Stärkung der elf Ortschaften Offenburgs, will 2000 Wohnungen errichten und zur Belebung der Innenstadt einen maroden Gastro-Pavillon in der Fußgängerzone sanieren.

Benz stammt aus dem nahen Ohlsbach und wurde 2014 Bürgermeister der rund 15.600 Einwohner großen Gemeinde Grenzach-Wyhlen im Kreis Lörrach ganz im Süden Baden-Württembergs. Benz und Christ betonen ihre erfolgreiche Wiederwahl in ihren Gemeinden, Benz vor vier Jahren gegen einen chancenlosen Mitbewerber, allerdings mit der Unterstützung aller Ratsfraktionen. Christ setzte sich 2025 gegen zwei Konkurrenten deutlich im ersten Wahlgang durch.

Kulturförderung als Alleinstellungsmerkmal

Neben den Profis wollen es fünf Seiteneinsteiger wissen, etwa Ulrich Albicker. Der Offenburger Wirtschaftspsychologe und Betriebswirt will alle Maßnahmen auf ihre Wirkung nach jeweils zehn Wochen, Monaten und Jahren prüfen. Als einziger Kandidat brachte er die Kulturförderung bei der Kandidatenvorstellung zur Sprache. Der 1969 geborene Parteilose wirbt mit seiner internationalen Erfahrung, etwa als Pharma-Vertriebsdirektor. Seine vielfältigen Interessen dokumentiert er mit einem Master in interreligiösen Studien, Spiritualität und Mystik, den er 2023 in Freiburg abgelegt hat.

Orkan Altun ist mit 21 Jahren der Jüngste in der Runde. Der parteilose Politikstudent habe sich spontan zur Kandidatur entschieden: Er wollte selbstwirksam werden und für die Menschen seiner Heimatstadt da sein. Altun beackert die Themen Innenstadtentwicklung und Umwelt. Bürgernähe und Bodenständigkeit nennt er als Argumente für ihn. So wolle er einen Teil seines Gehalts sozialen Einrichtungen spenden. Fehlende Verwaltungserfahrung will Altun mit seiner Offenburg-Erfahrung ausgleichen.

Offenburg-Erfahrung könnte auch ein Wahlargument des Burda-Projektleiters Emanuel Rohr sein, der sich quasi als Offenburger für Offenburger einführt. Der parteilose 48-Jährige ist gegenüber Großprojekten wie der Landesgartenschau skeptisch. 3000 neue Wohnungen will er bis 2034 bauen. Der Wohnungsbau solle mit einer Reduzierung der Grundsteuer angekurbelt werden. Auf die Frage bei der Kandidatenvorstellung, wo denn so ein Konzept je gefruchtet habe, konnte Rohr keine Antwort geben.

Verlässliche Stadt als Forderung

Verlässliche Stadt, Sicherheit und Ordnung sowie die Unterstützung von Handel und Gewerbe – das verlangt  Yasemine Tondo, die einzige Frau im Kandidatenseptett. Sie beklagt das schlechte Baustellenmanagement der Stadt, unter dem Passanten wie Einzelhandel leiden. Parken müsse besser organisiert werden: „Parkraum ist Lebensraum“, sagt die 39 Jahre alte parteilose Gastronomin und Angestellte bei einer Winzergenossenschaft.

Bleibt noch ein kontroverser Kandidat: Oralchirurg Fritz Düker wurde während der Corona-Pandemie bekannt für seine Atteste, die er zur Befreiung von der Maskenpflicht ausstellte. Zuletzt wurde der 56-Jährige vom Amtsgericht Offenburg zu 130 Tagessätzen verurteilt. Er hat online ein Hakenkreuz in Verbindung mit Israels Militäraktionen gezeigt. Antisemitisch sei er nicht, betonte der einzige Stadtrat unter den Kandidierenden bei der Kandidatenschau. Er möchte den Volkswillen mit dem Politikhandeln wieder in Einklang bringen.

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