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Kornwestheim geht ungewöhnliche Wege für eine neue Stadtstrategie

Kornwestheim ist geprägt von seinem Rathausturm und dem Salamander-Areal. OB Nico Lauxmann will die Bürger bei der Stadtentwicklung einbinden.
Stadt Kornwestheim)Kornwestheim. Schon als Nico Lauxmann (CDU) noch Bürgermeister des etwas weiter nördlich gelegenen Schwieberdingen , ebenfalls im Kreis Ludwigsburg, war, handelte er in einer für die 11 000-Einwohner-Kommune historischen Situation ungewöhnlich. Der Sportwagenhersteller Porsche plante 2019 ein neues Werk für den Elektrowagen Taycan und wollte eine 23 Hektar große Fläche dafür kaufen.
Lauxmann ging in die Offensive, schlug selbst einen Bürgerentscheid vor, führte einen offensiven Wahlkampf und ging auch auf die Kritiker der Expansion ein. Und gewann die Volksabstimmung mit 57 Prozent. Inzwischen ist zwar die Wirtschaftslage eine andere und Porsche hat eine Erweiterung zurückgestellt, doch der Christdemokrat zeigte, wie man erfolgreich auch gegen Widerstände Großprojekte durchsetzen kann.
Lauxmann stammt aus dem Kreis Böblingen, war Persönlicher Referent des ehemaligen Sindelfinger OB Bernd Vöhringer (CDU) und Wirtschaftsförderer im Kreis Calw. 2009 bewarb er sich in Metzingen (Kreis Reutlingen) als OB, unterlag jedoch Ulrich Fiedler, der inzwischen Reutlinger Landrat geworden ist.
Lauxmann gewann die OB-Wahl 2023 recht deutlich
2013 dann wurde er Bürgermeister in Schwieberdingen und wurde wiedergewählt. Als 2023 dann in Kornwestheim die langjährige, aber am Ende auch nicht immer unumstrittene Oberbürgermeisterin Ursula Keck nach 16 Jahren nicht mehr antrat, sah er seine Stunde gekommen.
Lauxmann gewann trotz eines guten Kandidatenfeldes mit 63,4 Prozent der Stimmen: „Das habe ich damals als großen Vertrauensbeweis empfunden.“ Aufhorchen ließ er, als der OB 2025 einen Aufruf des Gemeindetages an die schwarz-roten Koalitionäre in Berlin mit unterschrieb, der eine Verbesserung der kommunalen Finanzsituation forderte.
Mitmach-Dialog und Kooperationen mit der IHK
Nun hat er im vergangenen Jahr einen „Mitmach-Dialog“ ins Leben gerufen und bleibt seiner Devise treu: „Ich will die Bürger möglichst viel einbinden.“ Mit einer großen Umfrage im Frühjahr 2027, Bürokratieabbau, Digitalisierung sowie neuen Kooperationen mit der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) und dem Gemeindetag Baden-Württemberg treibt die Stadt die Kampagne voran.
Der Gemeinderat hatte im April 2025 grünes Licht gegeben. „Der Stadtdialog ist eine Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen“, sagt der OB. Auch in Kornwestheim wirken die globalen Krisen. „Wir nehmen sehr ernst, was wir in Gesprächen und im Verwaltungshandeln wahrnehmen: Verunsicherung, offene Fragen und den Wunsch nach Orientierung“, sagt der Oberbürgermeister. Der Stadtdialog setzt hier an: Er soll das Miteinander stärken, städtische Prozesse verbessern und die Zufriedenheit der Bürgerschaft erhöhen.
Die Verwaltung will Online-Bezahlmöglichkeiten anbieten
Bei Bürokratieabbau und Digitalisierung wurden 16 interne Vorschläge geprüft. Ein erstes sichtbares Resultat ist das neue Abholterminal für Ausweise oder andere Dokumente außerhalb der Öffnungszeiten.
Zudem forciert die Verwaltung das Ziel, Online-Bezahlmöglichkeiten anzubieten – derzeit noch nicht möglich. Bei Wirtschaftsförderung und IHK-Kooperation ist Kornwestheim Modellkommune in einem IHK-Pilotprojekt, es geht um eine Gütezeichen-Verifizierung und eine Unternehmensbefragung. „Ziel ist, die Wirtschaftsfreundlichkeit der Stadt weiter auszubauen und Betriebe aktiv einzubinden“, sagt Lauxmann.
Mit IHK und Handwerkskammer sollen Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften unterstützt werden. Viel zu tun.
Arbeitgebermarke
Die Stadt Kornwestheim hat 2025 eine neue Arbeitgebermarke entwickelt, die das Erscheinungsbild der Stadtverwaltung schärfen und die interne Kommunikation und Mitarbeiterbindung stärken soll. Herzstück ist der neue Imageauftritt mit dem Claim „Sicher. Gemeinsam. Schaffen.“ Die Kampagne ist in und um Kornwestheim präsent – auf Plakaten, Infoscreens in Stuttgart und als XXL-Banner am Salamander-Areal. Ein Linienbus mit dem „Brand“ wirkt über die Stadt hinaus.