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OB-Wahl in Freiburg

Martin Horn gelingt in der ersten OB-Wahlrunde in Freiburg der Durchmarsch

Neun Menschen wollten Oberbürgermeister von Freiburg werden, das hätte gut und gerne für eine Stichwahl gereicht – doch es kam anders: Der parteilose Oberbürgermeister Martin Horn hat am Sonntag mit knapp 53 Prozent im ersten Durchgang die Wahl für sich entschieden.

Oberbürgermeister Martin Horn geht begleitet von Ehefrau Irina und von Unterstützern durch Freiburg. Amtsinhaber Horn (parteilos) trat erneut an und ist laut vorläufigem Endergebnis im Amt bestätigt worden.

dpa/Philipp von Ditfurth)

Freiburg. Am Ende war es ein Dreikampf, den die Wähler in Freiburg klar entschieden haben. 52,9 Prozent der Wahlteilnehmer haben den bisherigen Amtsinhaber Martin Horn gewählt. Für seine Herausforderin, die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein, haben sich 29,6 Prozent der Wähler entschieden. Der Unternehmer Achim Wiehle, wie die beiden anderen Kandidierenden parteilos, erreichte 10,5 Prozent.

Bei den sechs weiteren Kandidaten schaffte der parteilose Referent für Demokratiebildung und Digitalisierung Dejan Mihajlović mit 2,5 Prozent noch das beste Ergebnis, gefolgt von AfD-Kandidat Karl Schwarz (2,2 Prozent) und dem parteilosen Rechtsanwalt Florian Braune (1,3 Prozent). Claudio Probst (Pogo-Partei), Martin Borgmann (Die Partei) und Wim Kölker (parteilos) lagen deutlich unter einem Prozent.

Gemeinsamkeit als Schlüsselwort für Horn

Große Freude und Dankbarkeit gegenüber den Wählern herrschte bei Martin Horn auch noch am Tag nach der Wahl. Seine Kampagne habe gezeigt, dass in Freiburg viel erreicht wurde, und dass er vermitteln konnte, wie viel er noch vorhabe. Gemeinsamkeit lautet für ihn das Schlüsselwort. Wichtig war auch der hohe persönliche Einsatz – die Nahbarkeit habe sich ausgezahlt. Tatsächlich hat der OB in fast allen Wahlbezirken die Nase vorne, allerdings gibt es in der Innenstadt einige Quartiere, in denen Monika Stein die meisten Stimmen geholt hatte. 

Die von einem linken Bündnis unterstützte Stein ist stolz auf das Drittel der Wählerinnen und Wähler, die sich für sie entschieden hatten. Immerhin habe sie dieses Ergebnis gegen einen beliebten OB erzielt, der keine Kanten gezeigt habe, an denen man sich hätte reiben können. Dies ging so weit, dass die Konkurrenz die Schnittmengen mit ihrem Wahlprogramm als Argument für Horn genannt habe.

Keine Klatsche für die Grünen

Insoweit hätten die Grünen, die Monika Stein trotz ihres lange zurückliegenden Austritts unterstützt haben, auch keine Klatsche vom Wähler erhalten. Ihr eigenes Verhältnis zur ehemaligen Partei habe sich mit dem Wahlkampf verbessert, die Grünen wie die anderen Unterstützer haben laut Stein einen tollen Wahlkampf geliefert. Mitglied der Grünen will sie trotzdem nicht werden: „Es passt so, wie es ist.“

Die Gewerkschafterin will nach der Wahlkampfauszeit die Bildungspolitik auf Landesebene wieder mitgestalten. Für Freiburg, wo sie auch wohnt, hofft sie, dass das Bündnis, das sie getragen hat und die Hälfte der 48 Rätinnen und Räte umfasst, auch nach dem Wahlkampf zusammenhält, sodass der OB dort die Mehrheiten suchen muss. Horn kündigte an, dass er nach dem Wahlkampf wieder Brücken im Gemeinderat bauen und damit die Tradition der vergangenen acht Jahre aufgreifen will, die im Zeichen des Wahlkampfs unterbrochen war.

Keine Entscheidung über die Verpackungssteuer

Damit spricht der OB auch die umstrittene Verpackungssteuer in Freiburg an, die im Wahlkampf immer wieder aufgerufen wurde. Horn muss als Gegner der Steuer den von einer knappen Ratsmehrheit beschlossenen Obolus auf Verpackung umsetzen, glaubt aber, dass nach einer Bestandsaufnahme im Herbst es Änderungen am Freiburger Regelwerk geben werde. Dass mit seiner Wahl die Verpackungssteuer auch abgewählt wurde, sieht er nicht: „Das entscheidet der Gemeinderat.“

Auf Platz drei in der Wählergunst landete Achim Wiehle. Der Unternehmer ist zwar enttäuscht vom Ergebnis, geht aber auch bereichert aus dem Wahlkampf angesichts der vielen Begegnungen. „Ich bin bekannt als der Kandidat mit dem Taschenrechner in der Hand“, sagt er. Daher habe er es schwerer gehabt als jene, die nicht so genau gerechnet haben. Ob die CDU ihn ausreichend unterstützt habe, will er nicht bewerten. Die Union habe, nachdem sie keinen eigenen Kandidaten gefunden hatte, ihm die Hand gereicht, daher sei das eine Einschätzung der Christdemokraten selbst und nicht seine. Mit der Unterstützung seines Wahlkampfteams, zu dem auch Christdemokraten gehörten, ist Wiehle allerdings sehr zufrieden.

Höhere Wahlbeteiligung als vor acht Jahren

Die Wahlbeteiligung lag bei 56,1 Prozent und damit um 4,4 Prozent höher als vor acht Jahren. Horn hatte damals im zweiten Wahlgang mit 44,2 Prozent der Stimmen den damaligen Grünen-Amtsinhaber Dieter Salomon abgelöst. Schon damals erzielte Monika Stein als Gegenkandidatin Salomons 24,1 Prozent.

In seinen beiden OB-Wahlkämpfen wurde der 41-jährige Horn von der SPD unterstützt. Der scheidende SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch gratulierte Horn auf den sozialen Medien. Auf denselben Kanälen bezeichnete Robin Mesarosch, Nachfolgekandidat Stochs, den wiedergewählten Horn als ein Vorbild. Horns neue Amtszeit beginnt am 1. Juli.

Lesen Sie hier einen Kommentar zur Freiburger OB-Wahl

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