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Susanne Widmaier hat die Messlatte für ihren Nachfolger in Rutesheim hoch gelegt

Für den Gemeinderat übergibt Harald Schaber Susanne Widmaier unter anderem ein Fotobuch in Erinnerung an ihre Zeit als Bürgermeisterin in Rutesheim.
Stefanie Schlüter)Rutesheim. Susanne Widmaier hat gut mit allen zusammengearbeitet. Mit den Vereinen ebenso wie mit Schulen, Kirchen, Landkreis, den Bürgermeistern anderer Kommunen und dem Regierungspräsidium. Und nicht zuletzt mit ihrer Verwaltung und dem Gemeinderat. Das wurde bei der Verabschiedung der Rutesheimer Bürgermeisterin deutlich. Die Stuttgarter Regierungspräsidentin Susanne Bay sprach davon, dass sie mit großer Hochachtung von Stuttgart aus beobachtet habe, wie Widmaier sich gemeinsam mit ihrem Gemeinderat intensiv um das Thema Wohnen und die Gesundheitsversorgung gekümmert habe. Auch zu einer Handreichung des Regierungspräsidiums zu Streuobstwiesen habe sie den Impuls gegeben.
„Wir blicken heute zurück auf eine engagierte, erfolgreiche, weil an den Menschen orientierte Amtszeit. Im Namen des Landes Baden-Württemberg, aber auch ganz persönlich, danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihre Verdienste und für Ihre Tatkraft, Ihre Loyalität, Ihre Menschlichkeit und Ihre klare Haltung“, sagte Bay.
Konstruktiver Dialog mit dem Personalrat
Die Themen Tatkraft, Menschlichkeit und klare Haltung zogen sich wie ein roter Faden durch die Reden an diesem Abend in der Aula des Schulzentrums in Rutesheim. So sprach der Personalratsvorsitzende Stephan Wensauer von einem Wirken, das von Engagement und Verantwortungsbewusstsein geprägt war. Auch während der Corona-Krise habe Widmaier stets nach pragmatischen Lösungen gesucht. Es sei mit Augenmaß gehandelt worden. Er spricht von einem konstruktiven Dialog zwischen der Bürgermeisterin und dem Personalrat. „Sie haben uns nicht nur als Gremium wahrgenommen, sondern als Partner zum Wohle der Mitarbeitenden bei der Stadt“, so Wensauer. Und er erinnert an die eigenen Worte Widmaiers: „Eine Stadt ist niemals die Leistung einer einzelnen Person. Eine Stadt lebt durch die Menschen, die Tag für Tag für sie arbeiten – mit Fachlichkeit, mit Engagement, mit Herz und oft auch mit Geduld.“
Die Stadt sei als toller Arbeitgeber in der Region bekannt. Dazu habe auch beigetragen, dass Widmaiers Tür stets offen stand für die Mitarbeiter. Und das nicht allein für den fachlichen Austausch. Sie habe auch den Privatmenschen dahinter gesehen. „Wir verlieren eine Ansprechpartnerin, die unsere Arbeit ernst genommen und unterstützt hat und uns Freiräume im Vertrauen auf die gute Zusammenarbeit eröffnet hat“, so Wensauer. Und Widmaier macht klar: „Ich hatte das große Glück, mit einem wirklich ganz außergewöhnlichen Team arbeiten zu dürfen. Allen voran mein Stellvertreter Martin Killinger – der beste erste Beigeordnete, den man sich nur wünschen kann.“ Das Betriebsklima in der Verwaltung sei etwas Besonderes gewesen: „freundlich, familiär, angenehm und von einem echten Miteinander getragen“.
Viel Lob vom Gemeinderat
Und auch mit dem Gemeinderat hat sie gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet, wie Stadtrat Harald Schaber, erster stellvertretender Bürgermeister, erklärt. Er erinnert an die vielen Herausforderungen von Widmaiers Amtszeit. So wurde 2019 das Bosch-Werk in Rutesheim endgültig geschlossen, viele Beschäftigte verloren ihre Arbeitsplätze. Es folgen Verhandlungen mit Bosch über die Konversion des Geländes, auf dem nun 500 Wohnungen entstehen sollen. Es gab einen städtebaulichen Wettbewerb mit Bürgerbeteiligung. Dann erkrankte Widmaier an Krebs, musste ihre Amtsgeschäfte ruhen lassen, kam aber im Mai 2020 – zunächst eingeschränkt – zurück und musste sich mit der Corona-Krise und den Auswirkungen für Rutesheim befassen. Mit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine galt es in der Stadt mit rund 11.200 Einwohnern Geflüchtete aufzunehmen. Er spricht davon, dass die Kläranlage erweitert und ausgebaut wird, die Heizzentrale für das Großprojekt des Rutesheimer Wärmenetzes in Betrieb genommen wurde und das Schulzentrum nun bereits mit grüner Energie beheizt wird. Die Stadtwerke Rutesheim wurden gegründet. Auch sind inzwischen auf vielen städtischen Gebäuden Photovoltaik-Anlagen installiert und der Bau von drei Windrädern in Perouse liege voll im Zeitplan. Und Schaber hebt an Widmaier gewandt hervor: „Ihr Einsatz galt immer einer lebendigen Rutesheimer Ortsmitte mit attraktiven Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten.“
„Besonders wichtig war Ihnen immer ein fairer, konstruktiver, menschlicher Umgang miteinander, Offenheit und Transparenz, der Respekt vor der anderen Person. Mit Ihrer Empathie haben Sie das Klima im Rathaus und auch im Ort geprägt“, lobte Schaber die Zusammenarbeit mit Vereinen und Gemeinderat. Und auch für die Schulen macht der Schulleiter des Gymnasiums, Jürgen Schwarz, deutlich, dass die Schulen dankbar an die acht Jahre zurückdenken. Widmaier habe zugehört, keine falschen Versprechungen gemacht, sei verlässlich gewesen und man habe in kürzester Zeit einen Termin bei ihr bekommen.
Weiterhin als Kreisrätin die Belange Rutesheims im Blick
Auch vom Landrat des Kreises Böblingen, Roland Bernhard – der Widmaier, einer erfahrenen Reiterin, unter anderem ein Buch über Islandpferde überreichte, gab es viel Lob für die scheidende Bürgermeisterin. Er zeigte sich überzeugt, dass Widmaier als Kreisrätin weiterhin dafür Sorge tragen werde, dass die Belange von Rutesheim im Kreis gehört würden. Sie sei jemand, die nie gejammert habe, sondern immer nach Lösungen gesucht habe. Und Chris Nathan, der Bürgermeister von Waldenbuch, hob für den Kreisverband Böblingen des Gemeindetags Baden-Württemberg und für die Bürgermeistervereinigung die Laufbahn von Widmaier hervor, die das Verwaltungshandwerk von der Pike auf gelernt habe. Und er blickte auch auf Widmaiers Zukunft, die künftig als Reisebegleiterin arbeiten wird. Nach acht Jahren im Bürgermeisteramt schrecke einen wahrscheinlich nichts mehr, meinte er augenzwinkernd.