Tiny Houses: Wie Schorndorf ungenutzte Flächen nachverdichten will

Immer mehr Kommunen interessieren sich für Tiny Houses. Ein Beispiel aus Schorndorf zeigt, dass sich der Aufwand lohnen kann.

Auf einem Grundstück in Schorndorf werden nach und nach fünf Tiny Houses errichtet.

Stadt Schorndorf)

SCHORNDORF. Wohnen auf kleinsten Raum – ein Trend, auf den immer mehr Kommunen aufspringen. Neben Waiblingen und Nürtingen zum Beispiel die Stadt Schorndorf (Rems-Murr-Kreis): Auf einem städtischen Grundstück im Lindenweg entstehen fünf Kleinsthäuser – „Tiny Houses“ – mit einer Wohnfläche von etwa 15 bis 45 Quadratmetern.

Der Aufwand hat sich laut Stadt gelohnt: „Nach dem Gemeinderatsbeschluss war der Ansturm riesig“, erinnert sich Svenja Beigl vom Fachbereich Wirtschaftsföderung und Grundstücksverkehr. „Wir haben daraufhin eine Interessentenliste online gestellt.“ Etwa 900 Personen standen darauf. Seit dem Beschluss am 28. Mai 2020 informiert die Stadt ihre Bürger fortlaufend über die Baufortschritte auf der Website, in den sozialen Medien und im Wochenblatt.

Kein Allheilmittel gegen die Wohnungsnot

Das Wohnprojekt hat für Schorndorf gleich mehrere Vorteile: Das Bedürfnis nach Wohnraum, beziehungsweise nach einer minimalistischen Lebensweise kann gestillt werden, und: „Die Bauherren freuen sich über die Möglichkeit, den Wunsch vom Eigenheim mit geringerem Ressourcenverbrauch und niedrigeren Baukosten erfüllen zu können“, sagt Beigl.

Mehr zum Thema

Erfahren Sie mehr über die Projekte in Waiblingen und Nürtingen im Staatsanzeiger vom 19. August 2022.

Tiny Houses könnten die Wohnungsnot natürlich nicht beheben. In der Regel sind sie für Ein- bis Zweipersonen-Haushalte konzipiert. „Sie stellen aber eine Möglichkeit dar, ungenutzte Flächen nachzuverdichten.“ Besonders im Fokus stehen bei der Stadt Schorndorf große Grundstücke, also „Rasenmähergrundstücke“ in Einfamiliengebieten der 1960er- und 70er- Jahre. Man wolle herausfinden, ob diese Gebiete revitalisiert und nachverdichtet werden könnten.

Projekt auf Zeit

Das Projekt, beziehungsweise die Nutzung der Häuser, die Verträge sowie die Baugenehmigung sind zunächst auf zehn Jahre begrenzt. Ein Bebauungsplan liege nicht vor. Auch kämen vorerst keine weiteren Bauplätze in Betracht. Es sei ein Experiment, mit welchem praktische Erfahrungen gesammelt werden sollten.

Foto: Stadt Schorndorf

Die Initiative kam von der Stadt. Da sich die Flächen im Eigentum Schorndorfs befinden, war sie für den gesamten Prozess verantwortlich – von der Ausschreibung, der Vergabe, den Verträgen, die Beauftragung der Hausanschlüsse, bis hin zur Genehmigung der Bauunterlagen, erklärt Beigl. Für die Konzeption und den Bau der Häuser waren die Bauherren, beziehungsweise deren Baufirmen selbst zuständig.

Hilfestellung für Kommunen

Fördergelder wurden nicht beantragt. Der größte Kostenfaktor lag in den Tiefbaumaßnahmen mit der Herstellung der Hausanschlüsse und Leitungen für Frischwasser, Abwasser, Strom und Glasfaser, heißt es weiter.

Was können Kommunen tun, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, Tiny Houses zu errichten? Der Tiny House Verband Karlsruhe hat aus dem Projekt einen Leitfaden entwickelt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kommunen und der Politik alle Grundinformationen zum Thema Tiny House zu vermitteln.

Tiny Houses heißt übersetzt „winzige Häuser“. Es gibt sie mit und ohne Räder. Sie können auch aus gewerblichen Zwecken zum Einsatz kommen, zum Beispiel in Form von Seminarräumen und mobilen Klassenzimmern. Sie müssen alle hygienischen Bedingungen erfüllen. Toilette, Wasch- und Kochgelegenheit sind entweder direkt im Tiny House oder auf dem Grundstück vorhanden, schreibt der Tiny House Verband Karlsruhe auf seiner Webseite. Demnach kostet ein Tiny House je nach Größe und Ausstattung und Hersteller zwischen 35.000 und 120.000 Euro.

Pia Hemme

Redakteurin Online und Social Media

0711/ 666 01 144

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