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Serie: Unser Bodensee

Viel schöne Landschaft – und ganz schön viel Landwirtschaft

Obst-, Gemüse- und Weinanbau spielen am Bodensee eine große Rolle. Rund vier Millionen Menschen erhalten Trinkwasser aus dem See. Berufsfischer haben stark zu kämpfen.
Weinberge mit Blick auf ein Dorf, Wasser und Berge im Hintergrund.

Reben wachsen nicht nur bei Kressbronn gut, weil der Bodensee wie ein großer Wärmespeicher wirkt.

dpa/Sportpics/Marc Schueler)

Konstanz. Knackig und oft schon rötlich gefärbt hängen die Äpfel im Spätsommer auf den großen Plantagen am westlichen Bodensee. Die Boxen für die Ernte stehen bereit, jetzt können die frühen Sorten gepflückt werden. Mit mehr als 7500 Hektar Obstanbaufläche, davon 88 Prozent für Äpfel, ist die Bodenseeregion das zweitgrößte Apfelanbaugebiet Deutschlands.

Die rund 1150 Erzeuger des beliebtesten deutschen Tafelobstes ernten jährlich rund 250 000 Tonnen Äpfel von etwa 20 Millionen Bäumen. Ein Teil davon wird genossenschaftlich vermarktet, etwa als „Obst vom Bodensee“. Die älteste Erzeugergemeinschaft war der „Verband der Obstbauvereine im deutschen Bodenseegebiet“, 1910 gegründet. Weitere Kulturen sind Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren, Johannisbeeren, Mirabellen, Zwetschgen, Birnen, Trauben, Brombeeren, Heidelbeeren und Stachelbeeren.

Doch auch Gemüse spielt in der Landwirtschaft am Bodensee eine wichtige Rolle: Auf der Insel Reichenau , dem südlichsten deutschen Anbaugebiet für Gemüse, ernten die Gemüsebauern jedes Jahr rund 14 000 Tonnen Gemüse auf zirka 150 Hektar Fläche – von Artischocke bis Zucchini. Die Halbinsel Höri am westlichen Ende des Sees ist ebenfalls bekannt für Gemüsebau, wenn auch in wesentlich kleinerem Stil. Die „Höri-Bülle“, eine rötliche Zwiebel, trägt den Namen der Halbinsel.

Wichtige Weinanbauregion im Südwesten

Winzer können dank des Bodensees als Wärmespeicher viele Weinberge betreiben. Die größten Anbaugebiete befinden sich bei Meersburg, Hagnau, Immenstaad und Kressbronn, weitere Weinberge gibt es etwa auf der Insel Reichenau. Die häufigsten Traubensorten sind Spätburgunder, Müller-Thurgau, Grauer sowie Weißer Burgunder.

Aufgrund des Klimawandels entstehen vielerorts zusätzlich oder in Kombination zur Landwirtschaftsernte Projekte zum „Ernten“ von Sonnenenergie: Die erste große Agri-PV-Anlage Deutschlands wurde 2022 in Kressbronn über einer Apfelplantage errichtet – mit einer installierten Leistung von 239 kWp auf einer Fläche von 0,4 Hektar.

Als Trinkwasserspeicher für rund vier Millionen Menschen in über 320 Kommunen stellt der Bodensee den größten Fernwasserversorger Baden-Württembergs dar. Durch das 1700 Kilometer lange Netz gelangen jährlich rund 130 Millionen Kubikmeter zu den Bürgern. Das bedeutendste Trinkwasserreservoir Europas verfügt über ein Volumen von gut 50 Milliarden Kubikmetern. Das Rohwasser wird von der Bodensee-Wasserversorgung in 60 Metern Tiefe bei Sipplingen entnommen, die Temperatur beträgt vier bis fünf Grad Celsius.

Viele Filter reinigen das Trinkwasser

Dort durchläuft das Wasser mehrere Filter aus Kohle, Sand und Kies, ehe es zu den Wasserhähnen der rund vier Millionen Nutzer in 320 Städten und Gemeinden gepumpt wird. Die Bodensee-Wasserversorgung analysiert jedes Jahr mehr als 10 000 physikalisch-chemische und rund 15 000 bakteriologische Parameter. Einfach ist die Gewinnung des Trinkwassers nicht, invasive Arten wie die Quagga-Muschel verstopfen immer häufiger Trinkwasserrohre der Bodensee-Wasserversorgung.

Diese Neozoen konnten erstmals 2016 im Bodensee nachgewiesen werden und sind aus dem Schwarzmeerraum eingewandert. Das Problem ist aber nicht nur der hohe Reinigungsaufwand für Rohre, sondern – auf die Tierwelt und eine andere Berufssparte, nämlich die Fischerei, bezogen – noch ein anderer: Quagga-Muscheln filtern große Mengen Wasser – etwa einen Liter pro Muschel am Tag, wodurch dem See Nährstoffe entzogen werden. So fehl den Fischen Nahrung, etwa Plankton, was die Fischer merken. Ein weiterer ungebetener Gast im Bodensee ist der Dreistachlige Stichling, der sich zum dominanten Fisch in dem Gewässer entwickelt hat und das natürliche Gleichgewicht stört.

Die wenigen verbliebenen Berufsfischer haben ohnehin schon zu kämpfen : Lebten Anfang der 1980er-Jahre noch rund 200 Familien am Bodensee nur von der Fischerei, so sind es 2026 gerade mal 53. Das Hauptproblem ist der starke Rückgang etwa der Felchen – von 600 Tonnen im Jahr 2010 auf 21 Tonnen zwölf Jahre später. Die Ursachen sind vielfältig: Der Klimawandel, invasive Arten und Nährstoffarmut lassen die Bestände von etwa 30 Arten schrumpfen. Hauptursache aus Sicht der Fischer ist der Kormoran, von dem sich zirka 7000 Exemplare am See tummeln.

Nur noch tageweise erlaubter Fischfang

Jeder Vogel frisst bis zu ein Kilogramm Fisch pro Tag. Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) hat daher für den Obersee ein dreijähriges Fangverbot für Felchen erlassen von 2024 bis 2027 – nicht aber für den Untersee, und vom 1. Mai bis 31. August 2027 wird das Fangverbot aufgehoben, Berufsfischer dürfen dann an drei Tagen pro Woche ihre Netze auswerfen. Dennoch: Der Fischfang als Wirtschaftsfaktor verliert am Bodensee weiter an Bedeutung.

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