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Wie eine Swingerparty die Mannheimer Politik beschäftigt

Julien Ferrat, Stadtrat der Mannheimer Wählervereinigung „Die Mannheimer“, hatte bereits vor einem jahr Schlagzeilen mit einem Artikel im Mannheimer Amtsblatt gemacht.
Uwe Anspach)Mannheim. Swingerparty im Rathaus, Klagen und internationales Medieninteresse: In Mannheim hält der Einzelstadtrat Julien Ferrat Öffentlichkeit und Verwaltung auf Trab. Seine Sommeraktion war die Feier einer Swingerparty im Rathaus.
Die Amtsblatt-Ankündigung der Orgie hatte das Rathaus abgelehnt. Zusätzlich untersagte die Stadt Sex- und Nacktveranstaltungen im Rathaus. Dagegen verstieß Ferrat. Er funktionierte Ende August seinen kommunalpolitischen Stammtisch für Unterstützer in eine Swingerparty um.
Zwei Frauen und sieben Männer hätten teilgenommen, darunter ein AfD-Bezirksbeirat, wie der Mannheimer Morgen recherchiert hat. Das Werbeschild mit der Aufschrift „Swingerparty im Rathaus 2026, die Mannheimer im Gemeinderat“ (die Gruppe, für die Ferrat einen Sitz hat), wollte er dem Stadtarchiv übergeben, das aber dankend ablehnte.
Stadtverwaltung bereitet Konsequenzen vor
Die Stadtverwaltung bereitet unterdessen eine Gemeinderatsvorlage mit Disziplinarmaßnahmen gegen den umtriebigen Stadtrat vor. Ferrat zeigt sich gelassen, er hatte vor Jahren schon eine Rüge wegen frauenfeindlicher Liedtexten kassiert. So dokumentiert er die Geringschätzung gegenüber Verwaltung und Rat, wie er dem Staatsanzeiger sagt.
Sein Einsatz für die Orgien- und Freikörperkultur sei ein wirtschaftspolitischer Impuls. Mannheim soll wie das südfranzösische Cap d’Agde eine FKK- und Swinger-Metropole werden und so Geld einnehmen. Mit einer politischen Bildungsreise dorthin machte er 2025 Schlagzeilen.
Ob die Bevölkerung das goutiert, sei zunächst nicht die Frage. Erst müssten Stadt und Rat auf Ferrats Richtung einschwenken. Dass er mit seinen Provokationen im Rat Zustimmung generiert, glaubt Ferrat selbst nicht angesichts seiner Zusammensetzung. Er hofft auf Umwälzungen bei kommenden Kommunalwahlen, sagt er dem Staatsanzeiger.
Erfolgreich ist Ferrat dagegen in seiner Öffentlichkeitsarbeit. Die Bild, der SWR und internationale Presse hatten über die Orgie im amtlichen Umfeld berichtet. Nur das städtische Amtsblatt zeigte sich gegenüber dem Nudisten zugeknöpft. Nach der Zurückweisung des ersten Artikels schob Ferrat einen zweiten Beitrag nach, in dem er die Stadt der Zensur zieh. Diese wollte auch diesen Artikel verwerfen, Ferrat klagte. Vorläufig hat der Verwaltungsgerichtshof den Abdruck gestoppt.
Verwaltungsgerichtshof zieht die Bremse
Erst hatte das Karlsruher Verwaltungsgericht einem Antrag Ferrats stattgegeben und einen lokalpolitischen Bezug in seinem Text angenommen. Die Stadt legte Rechtsmittel beim Verwaltungsgerichtshof ein. Dieser hat sich angesichts des drohenden Redaktionsschlusses am Mittwoch erst einmal Zeit verschafft und das Verfahren angehalten. Die Entscheidung folgt noch.
„Wenn wir sonst keine Probleme haben“, stöhnt Gabriele Baier auf. Die Fraktionschefin der Grünen im Gemeinderat fordert, dass sich die Stadt und OB Specht vom Treiben Ferrats distanzieren, das ohnehin nur auf Publicity angelegt sei. Ihr Amtskollege von der CDU, Claudius Kranz, sieht einen Imageschaden für die Stadt. Mit dem d’Hondt-Zählverfahren hätten solche Kandidaten keine Wahlchancen, so sein Hinweis ans Land.
Bald sind die Stadträte gefragt. Sie entscheiden über die Disziplinarmaßnahmen. Am 8. Oktober tagt der Gemeinderat.