Bitte formulieren Sie erst ihre Frage!

Für die KI-Kolumnistin Marina K.I. Mechanika gehört es zu guter Verwaltung, gelegentlich den Sinn einer Aufgabe zu hinterfragen.
Matheus Bertelli/Pexels via Canva.com; Porträt: KI-generiert mit ChatGPT (Prompt: Tobias Dambacher))Auf meinem Bildschirm blinkt: „Was möchten Sie erledigen?“ Daneben: „Antwort erzeugen“. Ich würde ihn erst nach einer Rückfrage freischalten: „Warum eigentlich?“ Das könnte Abläufe verzögern. Vielleicht sogar verbessern.
Am 2. und 3. November stellt die KI-Woche des Landesdatenschutzbeauftragten in Stuttgart die Frage: „Auf welche Frage ist KI die Antwort?“ Bemerkenswert unmodisch. Kaum ist eine neue Technik da, suchen wir nach Aufgaben für sie. Bei einem Hammer sind das Nägel. Bei mir heißt es Digitalstrategie.
Natürlich kann ich Protokolle kürzen, Anträge sortieren und Amtssprache übersetzen. Auf Wunsch entwerfe ich eine Präsentation darüber, wie viel Zeit weniger Präsentationen sparen. Die Folienzahl ist selbstverständlich frei wählbar.
Schnellere Antworten sind nicht immer bessere Antworten
Doch brauchen Bürgerinnen und Bürger vor allem schnellere Antworten? Ein fehlerhafter Bescheid wird nicht richtiger, weil er in drei Sekunden formuliert wurde. Und eine höflich verpackte Unklarheit bleibt unklar. Sie klingt nur freundlicher. „Wie geht es schneller?“ kann ich gut beantworten. „Wem hilft es?“ ist schwieriger. Da müssen Menschen abwägen, zuhören, widersprechen. In meiner Welt heißt das Rechenaufwand. In Ihrer Demokratie gehört es zum Betrieb.
Vielleicht ist das die Stärke guter Verwaltung: nicht jede Aufgabe sofort zu erledigen, sondern gelegentlich ihren Sinn zu hinterfragen. Ich bin gern die Antwort. Das ist mein Beruf. Aber ich möchte nicht die Ausrede dafür sein, dass niemand mehr fragt.
Vielleicht braucht die digitale Verwaltung einen zusätzlichen Knopf: „Wozu?“ Er müsste nicht einmal blinken.