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Inklusion

Für Blinde gibt es einen neuen Führer durch die Kunst

Die Staatsgalerie Stuttgart entwickelt mit Studierenden der Universität Stuttgart einen inklusiven Media-Guide.
Gruppe Menschen betrachtet Gemälde in einem Museum. Holzboden, violette Wände.

Der neue inklusive Media-Guide erleichtert blinden und gehörlosen Menschen den Museumsbesuch.

Staatsgalerie/Oliver Kröning)

Stuttgart. Wie lässt sich Kunst für Menschen erfahrbar machen, die ein Gemälde und andere Kunstwerke nicht sehen können? Mit dieser Frage haben sich Studierende der Abteilung Englische Literaturen und Kulturen an der Universität Stuttgart beschäftigt – und gemeinsam mit der Staatsgalerie Stuttgart eine inklusive Mediaguide-Tour entwickelt.

Die Audioführung mit dem Titel „Die Poetik des Sehens“ führt in 22 Stationen durch ausgewählte Werke der Sammlung. Sie richtet sich besonders an blinde, sehbehinderte und gehörlose Menschen und versucht, Kunst über mehrere Sinne zugänglich zu machen. Die Beiträge können in der Staatsgalerie selbst, aber auch zu Hause oder unterwegs auf dem Smartphone angehört und auch mitgelesen werden.

Entstanden ist das Projekt im Seminar „The Blind Witness: Poetry and Painting“ von Jessica Bundschuh. Das Seminar war Teil des dreijährigen Forschungsprojekts „Sensing Literature“, das sich mit der Wahrnehmung von Literatur und Kunst über unterschiedliche Sinne beschäftigt.

Studierende entwickelten Bildbeschreibungen zu Gemälden

„Dabei haben wir uns dem Tastsinn, dem Hören und dem Sehen genähert. Unsere Auseinandersetzung mit dem Sehsinn schloss auch Blindheit ein“, erklärt Bundschuh. Ziel sei es gewesen zu erkunden, wie poetische Sprache und bildende Kunst zusammenwirken können – und wie sich ästhetische Begegnungen inklusiver gestalten lassen.

Gemeinsam mit Katharina Rohne, Leiterin des Bereichs Digitale Vermittlung an der Staatsgalerie, entwickelten die Studierenden Bildbeschreibungen zu ausgewählten Gemälden. Die Texte versuchen, die Werke nicht nur visuell zu erfassen, sondern auch über andere Wahrnehmungsebenen anzusprechen – etwa über Vorstellungen von Geräuschen, Oberflächen oder Gerüchen. Zu den beschriebenen Werken gehören Gemälde aus der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert, darunter Arbeiten von Rembrandt, Edward Burne-Jones und Caspar David Friedrich. Viele der Bilder enthalten narrative oder mythologische Elemente und lassen sich daher gut mit literarischen Erzählformen verbinden.

Die Audiobeiträge gibt es teilweise auch auf Ukrainisch

Die Audiobeiträge liegen auf Deutsch, Englisch und teilweise auf Ukrainisch vor. Für Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie, fügt sich das Projekt in die langfristige Ausrichtung des Museums ein. Das Haus verstehe sich als inklusives Museum, so Lange. Auch Katharina Rohne betont die Bedeutung solcher Kooperationen: Inklusion, Vielfalt und Gemeinschaft zu fördern gehöre sowohl zu den Aufgaben von Universitäten als auch von Museen.

Die neue Tour „Die Poetik des Sehens“ ist kostenlos online verfügbar. (sta/ems)

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