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Kolumne: Leonie Henes

Social Media sagt: I’m written by a woman

„Written by a man“ oder „written by a woman“: Ein Social-Media-Trend macht sichtbar, wie unterschiedlich Frauen in Geschichten erzählt werden. Leonie Henes fragt, was Figuren wirklich glaubwürdig macht – und warum es am Ende weniger darum geht, wer sie schreibt, als darum, ob sie als ganze Menschen vorkommen.

Kolumnistin Leonie Henes über weibliche Figuren in der Literatur – und die Frage, was sie glaubwürdig macht.

pixelshot via Canva.com // Porträt: Staatsanzeiger)

Ich bin „written by a man“, wenn ich meinem Mann nach Feierabend das liebevoll gekochte Abendessen auf den Tisch stelle, nur für ihn aufreizende Kleidung trage und meine Karriere dafür aufgebe, unsere Kinder großzuziehen.

Ich bin „written by a woman“, wenn mich weder mein Wunsch nach gesunden Mahlzeiten noch der nach Kindern definiert. Wenn ich die schöne Unterwäsche auch dann trage, wenn sie niemand sieht. Wenn ich wütend sein kann, ohne laut werden zu müssen.

Dass Männer und Frauen die Welt mitunter aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, dürfte niemanden überraschen. In den sozialen Medien hat sich daraus trotzdem ein Trend entwickelt, der diese Unterschiede auf eine erstaunlich einfache Formel bringt: „written by a man“ oder „written by a woman“. Und so banal diese Kategorien zunächst klingen, verweisen sie doch auf etwas, das sich in Film und Literatur seit jeher beobachten lässt: Ein Schöpfer prägt seine Figuren. Ihre Sprache, ihre Wünsche, ihre Handlungen – und nicht zuletzt das, was er oder sie für erzählenswert hält. Deshalb lässt sich nicht selten erahnen, ob ein Drehbuch oder ein Roman von einer Frau oder einem Mann geschrieben wurde.

Wenn Frauen in Romanen nur eine Funktion erfüllen

Wen wundert es da, dass sich Frauen in Liebesromanen zu fiktiven Männern hingezogen fühlen, die von Frauen für Frauen erschaffen wurden? Dort dürfen Männer empathisch und sanft sein, ohne deshalb an Stärke einzubüßen. Ein von einem Mann geschriebener Liebesroman hingegen – Dostojewski ausgenommen – richtet den Blick häufig stärker auf die äußere als auf die innere Welt. Wenn also der nächste leidgeplagte Protagonist in einem Nicholas-Sparks-Roman nach Krieg, Verlust oder persönlicher Katastrophe seine Rettung in der Liebe findet, wird die Frau schnell zum emotionalen Katalysator seiner Entwicklung. Sie liebt ihn zurück ins Leben. Sie heilt, versteht, verzeiht. Sie verändert ihn. Nur sie selbst verändert sich erstaunlich selten.

Und vielleicht liegt genau darin der eigentliche Unterschied zwischen „written by a man“ und „written by a woman“: nicht darin, ob eine Frau kocht, Kinder möchte oder Spitzenunterwäsche trägt. Sondern darin, ob all das aus ihr selbst heraus geschieht. Denn die entscheidende Frage ist am Ende nicht, wer eine Frau schreibt – sondern ob sie überhaupt als ganze Figur geschrieben wird. Oder nur als Funktion in der Geschichte eines Mannes leben darf.

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