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Kolumne: Christoph Sonntag

Stuttgart 21, Wale und deutsche Großprojekte

Unser Kolumnist Christoph Sonntag blickt auf einige deutsche Absurditäten und fragt sich, wie man diese einem Außerirdischen erklären soll. Und warum wir uns inzwischen schon freuen, wenn öffentliche Großprojekte irgendwann überhaupt funktionieren.
Moderne Zugstation, große weiße Säulen, Dachfenster, runde Einblendung eines Mannes.

Christoph Sonntag schlägt in seiner Kolumne vor, Stuttgart 21 in Stuttgart 31 umzubenennen.

IMAGO/Arnulf Hettrich; Porträt: imago images/STAR-MEDIA)

Man muss nicht wie Heinrich Heine auf die Nacht warten. Mittlerweile kann einen das Denken an Deutschland auch um den Mittagsschlaf bringen. Schauen wir einmal auf den Frühsommer: Da gibt man über eine Million Euro für einen sterbenden Wal aus und schleppt ihn unter Qualen ins offene Meer, damit er dort besser sterben kann. Dann beobachtet man, wie er nach Dänemark kommt und sich wie ein Ballon immer weiter aufbläht …

Die Färöer-Inseln haben bis heute knapp 1000 Grindwale und Delfine an den Strand getrieben und abgeschlachtet, bis sich das Meer blutrot färbte. Das ist zwar ausgesprochene Tierquälerei, aber eben Tradition. Wird wahrscheinlich bald zum Weltkulturerbe erklärt. Wie sollte man das einem Außerirdischen erklären? Hoffentlich kommt er nicht und fragt. Bitte auch nicht nach dem Stuttgarter Hauptbahnhof: Stuttgart 21 wird nämlich teurer und dauert länger. Diesen Satz habe ich seit fast 15 Jahren wortwörtlich in meinem Kabarettprogramm. Mein Vorschlag wäre: Stuttgart 21 wird zu Stuttgart 31. Dann ist der Druck raus, und wir haben ein bisschen Luft, um weitere Verzögerungen zu finanzieren.

Und dem Außerirdischen werde ich das als Strategie erklären: Elbphilharmonie und Flughafen Berlin haben länger gedauert als prognostiziert und waren teurer, aber mittlerweile tun sie. Das ist der neue deutsche Anspruch: Wir freuen uns, wenn irgendwann irgendetwas tut. Irgendwann geben wir aus irgendeinem Sondervermögen zwei Milliarden Euro für die Sanierung der Staatsoper aus – und man wird es ihr nicht ansehen. Dafür hat sie innen eine drehbare Bühne. Und wir freuen uns, wenn sie tut.

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